Als möglicher neuer Standort für das Spielemuseum ist offenbar der Gebäudekomplex an der Reitbahnstraße 84 im Gespräch.Foto: Archiv
Spielemuseum soll in die Chemnitzer Innenstadt
Einrichtung plant Umzug noch in diesem Jahr - Experimentelles Karree als Standort im Gespräch
Chemnitz. Chemnitz. Das Spielemuseum soll noch in diesem Jahr umziehen. Entsprechende Informationen der "Freien Presse" bestätigte am Montag der Direktor der Einrichtung, Peter Lemcke. Als möglicher neuer Standort ist offenbar der Gebäudekomplex an der Reitbahnstraße 84 im Gespräch. Dort ist derzeit noch das Experimentelle Karree untergebracht. Grund für den Umzug sind nach Informationen der "Freien Presse" persönliche Differenzen zwischen Lemcke und dem Vermieter des bisherigen Museumsgebäudes an der Neefestraße, dem Firmenverbund Solaris.
"Für uns wäre jeder Standort in der Innenstadt gut", so Lemcke am Montag. Entschieden sei aber noch nichts, fügte er hinzu. Nach seinen Worten seien weitere Immobilien im Gespräch. Definitiv sei bislang nur, dass das Museum derzeit den Umzug vorbereitet.
Der Geschäftsführer des Solaris Förderzentrums für Jugend und Umwelt, Gert Gauder, reagierte am Montag überrascht auf Lemckes Ankündigung. "Das ist mir neu", sagte er. Solaris ist der Vermieter des Hauses an der Neefestraße 78. "Das Spielemuseum bezahlt immerhin keine Miete", erklärte er. Derzeit müsse die Einrichtung nur die Nebenkosten bezahlen - rund 2000 Euro im Monat.
Nach Informationen der "Freien Presse" könnten aber auch persönliche Differenzen zwischen Gauder und Lemcke für die Umzugspläne verantwortlich sein. Demnach soll Lemcke seinem Vermieter Teile des Museumsbestandes zum Verkauf angeboten haben. Weil offenbar keine Einigung über den Kaufpreis erzielt werden konnte, sind beide Seiten nun verärgert. Lemcke bestätigte am Montag, dass es Verhandlungen gab; Gauder hingegen bestreitet das.
Auch beim möglichen neuen Vermieter des Museums, der Grundstücks- und Gebäudewirtschafts-GmbH (GGG), hüllte man sich am Montag in Schweigen. "Uns sind derzeit keine Aussagen möglich", teilte GGG-Sprecher Erik Escher mit. Möglicher Grund für die Zurückhaltung: In den Räumen an der Reitbahnstraße 84 ist mit dem Experimentellen Karree derzeit noch ein alternatives Jugendzentrum untergebracht. Die GGG hatte dem Trägerverein Anfang Januar dieses Jahres die Kündigung ausgesprochen. Bis Ende Juni soll der Verein das Haus räumen.
Auch die Pressestelle des Rathauses äußerte sich am Montag nicht zu den Umzugsplänen des Spielemuseums. Obwohl das Kulturbüro der Stadtverwaltung laut Lemcke von dem Vorhaben wisse, antwortete das Rathaus auf Anfragen der "Freien Presse" lediglich ausweichend. "Das Spielemuseum wird durch einen Verein betrieben, der selbst Entscheidungen zum Standort fällt." Und weiter: "Deshalb können Auskünfte dazu nur vom Verein selbst getroffen werden."
Das Spielemuseum war 1986 von Peter Lemcke in Hamburg gegründet worden. 1994 folgte er dem Ruf von Solaris-Investor Gauder nach Chemnitz. Schlagzeilen um das Museum gab es seitdem immer wieder: Erst im Juni 2009 war Lemcke wegen versuchter veruntreuender Unterschlagung zu einer Geldstrafe von 6000 Euro verurteilt worden. Das Chemnitzer Landgericht sah es damals als erwiesen an, dass er versucht hatte, das Inventarverzeichnis des Museums zu manipulieren, um Spiele des Museumsvereins zu seinem Eigentum zu erklären. Lemcke hatte das bestritten und war gegen das Urteil in Revision gegangen.