Eine Woche nach der Massenpanik auf der Duisburger Loveparade haben tausende Menschen der 21 Todesopfer gedacht. An einem Trauergottesdienst nahmen auch Bundespräsident Christian Wulff und Kanzlerin Angela Merkel teil. Das Bild zeigt einen Trauerzug in Duisburg, dessen Teilnehmer 21 schwarze und 510 weiße Luftballons aufsteigen lassen.Foto: Rene Tillmann
Tausende gedenken der Opfer der Loveparade-Katastrophe
Wulff will Helfer nach Berlin einladen
Eine Woche nach der Massenpanik auf der Duisburger Loveparade haben tausende Menschen der 21 Todesopfer gedacht. "Sie sind nicht allein", sagte die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) bei der zentralen Gedenkfeier in der Salvatorkirche zu den Angehörigen der Opfer. An dem Gottesdienst nahmen auch Bundespräsident Christian Wulff und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) teil.
Die Gedenkfeier leiteten der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, und der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck. Die Loveparade sei durch das Unglück zu einem "Totentanz" geworden, sagte Schneider in seiner Rede. Mitten hinein "in ein Fest überbordender Lebensfreude hat der Tod uns allen sein schreckliches Gesicht gezeigt". Das "Vertrauen in Gottes Gerechtigkeit und Liebe hat deshalb Risse bekommen".
Im Anschluss an die Predigten entzündeten die Geistlichen gemeinsam mit Rettungskräften, Notfallseelsorgern und anderen Katastrophenhelfern für jedes der 21 Opfer eine Kerze. Die Kerzen seien Zeichen der Liebe, in der die Toten lebten, sagte Overbeck.
Kraft kämpfte während ihrer Rede mit den Tränen. Die Tragödie mache auch wütend, sagte sie vor der Trauergemeinde. Noch gebe es zu viele Fragen und zu wenige Antworten. "Wer ist schuld, wer ist verantwortlich?" - diese Fragen müssten aufgeklärt und Antworten gefunden werden.
An dem Trauergottesdienst nahmen neben Angehörigen und Rettungskräften auch Bundestagespräsident Norbert Lammert (CDU), Außenminister Guido Westerwelle (FDP) und weitere Bundes- und Landespolitiker teil. Merkel hatte für die Feier ihren Urlaub unterbrochen. Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) blieb dem Gedenken fern, weil er einem Stadtsprecher zufolge "mit seiner Anwesenheit nicht provozieren" wolle. Auch der Veranstalter der Loveparade, Rainer Schaller, nahm an dem Gottesdienst aus Rücksicht auf die Angehörigen nicht teil.
Merkel sprach nach dem Gottesdienst mit Angehörigen der Opfer und zeigte sich tief berührt. "Diese Gespräche mit den Angehörigen sind mir sehr zu Herzen gegangen. Aus dem schrecklichen Ereignis von Duisburg müssen jetzt die richtigen Konsequenzen gezogen werden", sagte sie der "Bild am Sonntag". Wulff kündigte in der Zeitung an, er wolle ehrenamtliche Helfer, "die Leben gerettet und Menschen geholfen haben, nach Berlin einladen und auszeichnen".
Die Gedenkfeier wurde auch auf Großleinwänden in das Duisburger Fußballstadion und in zwölf weitere Kirchen übertragen. Statt der erwarteten zehntausenden Bürger fanden sich nach Angaben der Düsseldorfer Staatskanzlei nur etwa 2600 im Fußballstadion ein. Selbst in der Salvatorkirche blieben einige der 550 Plätze leer.
Am Nachmittag beteiligten sich nach Polizeiangaben etwa 5000 Menschen an einem Trauerzug. Sie ließen im Gedenken an die Toten und Verletzten 21 schwarze und 510 weiße Luftballons aufsteigen.