Erfolgsteam: Fabian Richter und Betreuerin Kati Schmidt. Erfolgsteam: Fabian Richter und Betreuerin Kati Schmidt.

Foto: Andreas Kretschel

Traumnoten trotz Behinderung

Obwohl Fabian Richter das Down-Syndrom hat, absolvierte er erfolgreich eine Mittelschule

Gersdorf. Gersdorf. Dass ein Junge mit Down-Syndrom erfolgreich an einer normalen Mittelschule lernen kann, zeigt die Geschichte von Fabian Richter (17) aus Lichtenstein (Landkreis Zwickau). Er besucht seit der 5. Klasse die Evangelische Mittelschule in Gersdorf. Was ihm jetzt gelang, davon träumen viele Gleichaltrige. In den Fächern Englisch und Geografie bestand er die mündliche Hauptschul-Prüfung mit der Note 1. Er bekommt damit zwar keinen Schulabschluss, weil er keine schriftlichen Prüfungen ablegte. Aber seine Integrationshelferin, die Sozialpädagogin Kati Schmidt, ist dennoch stolz auf ihn: "Wer hätte das gedacht oder ihm als Kind mit Down-Syndrom jemals so viel zugetraut?"

Schmidt weiß noch genau, wie sie den heute 17-Jährigen an einem sonnigen Ferientag zum ersten Mal begegnete: "Er spielte gerade mit seinem Globus. Ich musste Länder mitraten und war nicht besonders gut. Er war quietsch vergnügt und freute sich über meine Unterlegenheit." Neben allem Spaß beschäftigte die Pädagogin vor sechs Jahren vor allem eines: "Was mache ich, wenn die Klasse Fabian nicht mag?" Auf diese Frage hat sie bis heute keine Antwort, denn sie hat sich nie gestellt: "Fabian hat die Herzen seiner Mitschüler und Lehrer im Sturm erobert. Fabians Klassenlehrerin Petra Graube ist daher traurig, dass er nun nicht mehr in ihrer Klasse ist: "Seine unproblematische, offene Art hat auf die Klasse abgefärbt und die Stimmung positiv verändert."

Neben den Lernerfolgen konnte Fabian auch viel von dem miterleben, was Heranwachsen für seine Mitschüler bedeutet. So spielte er in einem Schul-Musical mit, machte Chorauftritte, Klassenfahrten und -ausflüge, mehrere Praktika, ja sogar die Tanzschule mit. Stolz auf die Entwicklung von Fabian sind auch seine Eltern. Jens-Uwe Richter ist Mitarbeiter im Verein "Gemeinsam leben, gemeinsam lernen - Eltern gegen Aussonderung Sachsen" und möchte betroffenen Eltern Mut machen: "Es ist normal, verschieden zu sein." Bald wird Fabian eine Ausbildung im Institut für Fortbildung und berufliche Integration (IFBR) Zwickau beginnen.

Laut der UN-Behindertenrechtskonvention haben auch behinderte Kinder wie Fabian das Recht, eine Regelschule zu besuchen. Doch die Umsetzung dieser Forderung steht in Deutschland und speziell in Sachsen trotz gut meinender Willenserklärungen der Politik noch ganz am Anfang. Rund 80 Prozent der Kinder mit Behinderungen lernen hierzulande an speziellen Förderschulen und eben nicht inklusiv, also gemeinsam mit den anderen Kindern an einer Regelschule. Auch unter Pädagogen ist das Thema Inklusion umstritten. Viele Schulen scheuen sich vor der Herausforderung - oder sehen sich auch schlichtweg überfordert.

 
erschienen am 12.07.2011 (Von Diana Kunze)
 
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