Zwischen Lukretia-Portal am Alten Rathaus und vor dem Eiscafé wird das Pflaster ausgetauscht.

Trost-Pflaster gegen Absatz-Schwäche

Bisher war der Chemnitzer Markt eine Stolperfalle - Nun wird er umgebaut, teilweise jedenfalls

Chemnitz. Jahrelang hat es gedauert, wurde geplant, überplant und gestritten: Ab heute beginnen nun die Bauarbeiten für eine Minimalvariante, damit der holprige Markt und Neumarkt wenigstens auf einigen Pfaden besser begehbar werden.

Seit langem gelten die beiden Plätze als gefährliche Stolperfallen. Die neuen Wege sollen Rollstuhlfahrern und anderen Gehbehinderten, aber auch Eltern mit Kinderwagen und Frauen mit Absatzschuhen das Passieren der mit großen Steinen und breiten Fugen gepflasterten Plätze erleichtern. Dafür werden die jetzigen Steine auf mehreren Strecken entnommen, abgeschliffen und wieder eingesetzt. Mit den bearbeiteten Steinen sollen besser begehbare Pfade mit einer glatten Oberfläche entstehen. Insgesamt sollen nach Angaben der Stadtverwaltung 800 Quadratmeter Pflaster ausgetauscht werden.

Für rund 100.000 Euro werden bis zum 25. September Pfade zwischen Bretgasse und dem Lukretia-Portal am Alten Rathaus sowie vor dem Eiscafé am Markt 4 gebaut, vom 27. September bis 6. November rückt der Bautrupp zu einem Weg zwischen Rathaus und Galeria Kaufhof weiter.

Eine neue Oberfläche und Begrünung der beiden zentralen Plätze sind seit langem ein viel diskutiertes Thema: Vor zweieinhalb Jahren waren die Ideen der Baubürgermeisterin zur Bepflanzung von Markt und Neumarkt im Stadtrat durchgefallen, weil die Mitglieder mit der Lösung nicht zufrieden waren und Einschränkungen für Veranstaltungen befürchteten. Seither ließ Petra Wesseler ein Gesamtkonzept zur Gestaltung und Begrünung erarbeiten.

Während ihrer Beratung schmolzen die Vorschläge immer mehr zusammen. Wegen des Widerstandes des Marktamtes, das auf der Funktionalität der Plätze beharrte, und aus Kostengründen legte die Stadtverwaltung verschiedene Begrünungspläne schließlich zu den Akten.

Auch vom Gedanken, beide Plätze ganzflächig neu zu pflastern, verabschiedete sie sich, unter anderem weil sonst eine Rückforderung von Landes-Fördergeld für den erst vor knapp zehn Jahren erfolgten Pflasteraustausch drohte. Das Granitpflaster sollte daher auf einer Fläche von rund 1100, später nur noch über 600 Quadratmetern herausgenommen werden: Die Steine würden abgeschliffen und neu verlegt, damit gut begehbare Pfade mit einer glatten Oberfläche und schmalen Fugen entstehen. Doch selbst der Vorschlag, für rund 270.000 Euro Pfade anzulegen, wurde auf Stadtratsantrag zugunsten anderer Projekte zusammengestrichen: Am Ende sollten es noch zwei Streifen für zusammen rund 150.000 Euro sein: von der Galerie Roter Turm Richtung Rathaus sowie am Lukretia-Portal am Alten Rathaus über den Altmarkt. Aber auch dieser Vorschlag fiel im März 2010 im Bauausschuss durch. Die Räte hatten argumentiert, die Markt-Pfade seien lediglich Kosmetik und bedeuteten keine echte Verbesserung.

Einen Monat später korrigierte der Stadtrat den Beschluss schließlich wieder und hob die Entscheidung des Bauausschusses auf. Ein Präzedenzfall: Noch nie zuvor hatte der Stadtrat einen Ausschuss-Beschluss kassiert.

 
erschienen am 07.09.2010 ( Von Grit Baldauf )
 
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