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Viele Spender bringen gebrauchte Textilien sicherheitshalber lieber gleich in Kleiderkammern.
 

Unseriöse Sammler und das Geschäft mit den alten Kleidern

Auch wenn es so aussieht: Nicht jede Aktion dient wohltätigen Zwecken

erschienen am 28.03.2011

Chemnitz. In diesen Tagen "zieren" in Sachsen vielerorts Körbe oder Eimer die Straßenränder. Auf den Zetteln darin werden die Bürger aufgefordert, Kleidung zu spenden. Auch in Briefkästen finden sich verstärkt solche Ansinnen.

Die Aktionen erwecken meistens den Anschein, dass es um einen guten Zweck geht. Doch das täuscht. "Oft wird in Großbuchstaben verkündet, dass Bedürftigen geholfen werden soll, und in kleinen steht, dass es sich um eine gewerbliche Sammlung handelt", sagt Konstanze Schumann, Geschäftsführerin der Arbeitsloseninitiative Sachsen im vogtländischen Pausa, die Kleiderkammern in Plauen und Pausa sowie die Plauener Tafel für Bedürftige betreibt. Die Frau ist verärgert, ebenso darüber, dass schon einmal jemand unter dem Namen der Plauener Tafel Textilien gesammelt hat. "Wir haben von der Aktion des Mannes nichts gewusst und hatten auch nichts davon", sagt Schumann.

Die Geschäftsführerin weiß, wie dringend gut ausgestattete Kleiderkammern im Freistaat gebraucht werden. Das bestätigt auch Horst Maier, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Chemnitz. "Wir haben täglich bis zu 50 Besucher - Tendenz steigend", sagt er. Deshalb wurde die Kammer an der Altchemnitzer Straße in Chemnitz - eine von etwa 50 DRK-Einrichtungen in Sachsen - erweitert. Die größere Fläche wird in den nächsten Tagen sozusagen frei gegeben. "Außerdem stellen wir gut gekennzeichnete Container in Chemnitz auf. Bisher sind es 16, insgesamt sollen es 50 werden", sagt Maier. "Die Leute sollen wissen: Wo DRK drauf steht, ist auch DRK drin. Und das heißt Hilfe für Bedürftige. Wer mit uns sprechen will, der findet auf den Containern auch unsere Telefonnummer." All das betont der Rotkreuzler nicht umsonst.

Dubiose Praktiken nehmen zu

Der Handel mit Altkleidern ist längst ein Millionengeschäft, bei dem auch unseriöse Firmen tüchtig mitmischen. "Der Markt ist in den vergangenen zwei Jahren noch undurchschaubarer geworden", sagt Andreas Voget, Geschäftsführer von Fairwertung, dem Dachverband karitativer Altkleidersammler in Deutschland. Dubiose Praktiken hätten enorm zugenommen. "Gewerbliche Sammler täuschen eine karitative Aktion vor. Sie wissen, dass sie damit leichter an die Textilien kommen, mit denen sich inzwischen weltweit lukrative Geschäfte machen lassen", sagt Voget.

Wohltätigkeit wird vorgegaukelt

Die Körbe und Eimer an den Straßen sind meistens von Sammelfirmen. "In 99,9 Prozent der Fälle handele es sich um gewerbliche Aktionen", sagt Voget. Um die Bürger vom karitativen Zweck zu überzeugen, werde mit gemieteten Namen und Logos von gemeinnützigen Vereinen gearbeitet. Doch diese Organisationen hätten mit der Sammlung gar nichts zu tun. Obwohl sie daran letztlich auch verdienen. Denn für das Vermieten ihres Namens oder Logos bekommen sie einen monatlichen Festbetrag überwiesen. Damit sei es für die meisten getan. Nahezu kein Verein kontrolliere, was aus den gesammelten Textilien wird.

"Die Namensmietung ist nicht illegal", betont Voget. "Aber wenn durch die Gestaltung des Aufklebers suggeriert wird, dass es sich um eine karitative Sammlung handelt, dann ist das unlauterer Wettbewerb. Die Spender werden in die Irre geführt." Der Verband Fairwertung fordert deshalb eine exakte Kennzeichnung: Die Firma müsse deutlich machen, dass es sich um eine gewerbliche Sammlung handele und sie einer gemeinnützigen Organisation monatlich einen festen Geldbetrag überweist. Gleiches gelte für die Beschriftung von Containern. Der Bürger kann dann entscheiden, ob er die Textilien für das Gewerbe gibt, oder sie lieber zu Hilfsorganisationen schafft.

Schon jetzt bringen viele Spender sicherheitshalber gebrauchte Textilien lieber gleich in Kleiderkammern. Die Verantwortlichen dort beteuern, dass die Sachen zu Bedürftigen gelangen. Wer ehrlich ist, fügt allerdings hinzu, dass auch in den Kammern Kleidung übrigbleibt. "Was nicht verwertbar ist, sammeln wir in einem extra Container", erzählt Konstanze Schumann. Dieser werde dann an eine Recyclingfirma verkauft. Das Geld komme dem Betreiben der Kleiderkammer zugute.
 

Von Renate Färber

 
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