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Die Waffe aus dem Erzgebirge sollte den Weltmarkt erobern. Seit zwei Jahren wird sie in den USA nachgebaut.

Foto: Inter Ordnance Inc.

Verschollene DDR-Waffe: BND gibt Beteiligung zu

Konstruktionsunterlagen des Gewehrs Wieger wurden offiziell vom Nachrichtendienst sichergestellt

Von Mario Ulbrich
erschienen am 22.03.2010

Wiesa/Berlin. Im Fall der verschollenen Konstruktionsunterlagen des DDR-Sturmgewehrs Wieger hat das Bundeskanzleramt am Montag erstmals die Beteiligung des Bundesnachrichtendienstes (BND) bestätigt. Die zirka 50 Kisten seien 1993 tatsächlich von BND-Leuten im damaligen Geräte- und Werkzeugbau Wiesa bei Annaberg-Buchholz abgeholt worden, informierte ein für den Bereich Nachrichtendienste zuständiger Mitarbeiter des Kanzleramtes.

Die Wieger sollte die Geheimwaffe der DDR bei der Devisenbeschaffung werden. Um weltmarktfähig zu sein, war das Sturmgewehr für Nato-Patronen entwickelt worden. 1989 hatte es alle Härtetests bestanden. "Die Wieger schoss bei minus 60 Grad Celsius ebenso zuverlässig wie bei plus 50 Grad", berichtete ein ehemals leitender Mitarbeiter des Wiesaer Rüstungsbetriebs der "Freien Presse". "Wir haben sie mit Sand berieselt, ohne dass sie verklemmte. Bei der Truppenerprobung in Peru und Indien ließ die Wieger auch in Sachen Präzision Sturmgewehre aus den USA und Westdeutschland weit hinter sich."

Doch ehe die Serienfertigung begann, kam die Wende und das Werk in Wiesa wurde auf zivile Produktion umgestellt. Unter Treuhandverwaltung stehend musste der Betrieb die Pläne, Lehren und Werkzeuge für die Wieger herausgeben. Laut Übergabeprotokoll gingen diese an ein Militärarchiv in München.

Vor wenigen Monaten wollte der aus München stammende Historiker Karl Bernd Esser die Wieger in einer Manufaktur im Erzgebirge neu auflegen. Dabei kam heraus, dass die Konstruktionspläne verschwunden waren. Das Militärarchiv hatte offenbar nie existiert - allerdings hatte sich unter seiner Adresse das Münchner Stadtbüro des BND befunden. Der Nachrichtendienst gab seine Beteiligung jedoch weder zu noch dementierte er sie.

Eine Befragung früherer Geheimdienstmitarbeiter habe nun ergeben, dass in der ersten Hälfte der 1990er Jahre Waffen, Geräte und Konstruktionsunterlagen aus DDR-Rüstungsbetrieben durch den BND beschafft worden seien, hieß es am Montag aus dem Kanzleramt. Auch die Wieger-Unterlagen seien damals sichergestellt und dem Bundesamt für Wehrtechnik übergeben worden. Zwar sei ihr Verbleib derzeit noch ungeklärt, doch könne man ausschließen, dass die Unterlagen an einen fremden Nachrichtendienst weitergegeben wurden.

Eine Spur hatte in die USA geführt, wo die Waffenfirma Inter Ordnance Inc. seit einigen Jahren einen Wieger-Nachbau produziert. Der Filmemacher Andreas Wolter aus Berlin ist dieser Fährte für eine MDR-Dokumentation gefolgt. "Die Amerikaner versicherten uns, dass sie die Originalpläne nicht besitzen, sondern für ihre Version der Waffe eine alte DDR-Wieger auseinandergenommen haben", sagte er.

Sendehinweis

Die Fernsehsendung "Umschau" des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) plant für ihre Ausgabe am Dienstag einen Beitrag über die Wieger. Sendezeit ist 20.15 Uhr.

 
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