Das Tier mit der Maske: Waschbären haben sich in weiten Teilen Sachsens etabliert, nun stößt er auch ins Erzgebirge vor. '
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Waschbären schleichen ins Erzgebirge
Das Bergland ist nicht ihre erste Wahl, trotzdem sind sie da - Anzahl schwer zu schätzen
Aue. Der Bandit strich in einem Wald bei Reitzenhain durchs Unterholz. Der Jäger musste zweimal hinschauen, um sicher zu sein, dass ihm da wirklich ein Waschbär über den Weg gelaufen war. Klar, die schwarze "Panzerknackermaske" im Gesicht war ziemlich eindeutig. Aber ein Waschbär, in 920 Metern Höhe? Das war ungewöhnlich.
Bislang gilt als Faustregel: Waschbären leben im Tiefland, in der Nähe von Flüssen oder Teichen. Die Bäume im Erzgebirge sind ihnen zu dünn, ihre Rinde ist nicht griffig genug. Das macht beim Klettern nur Probleme. Und doch wurden Waschbären mittlerweile selbst in den hohen Lagen des Erzgebirges entdeckt.
"Die Sichtung im vorigen Jahr bei Reitzenhain stellt derzeit die Rekordhöhe dar", sagt Wolfgang Riether, der Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND). "Davor lag der höchste Punkt bei Crottendorf in 850 Metern Höhe." Für Riether steht außer Frage, dass die Tiere nun auch im Erzgebirge im Kommen sind. Dennoch gehört Glück dazu, einem Waschbären in freier Wildbahn zu begegnen.
Christian Börner, ein Jäger aus Oelsnitz, war freilich mehrfach erfolgreich. Zwischen Dorfchemnitz und Zwönitz beobachtete er eine Waschbärenfamilie, die aus dem Zwönitzfluss kam. Ein anderes Mal begegnete er einem Tier, das zwischen Lugau und Hohenstein-Ernstthal an der Bundesstraße saß. Bei Gablenz sah er einen toten Waschbären am Straßenrand - er war überfahren worden. Aufgrund der Häufigkeit seiner Sichtungen geht Börner davon aus, dass Waschbären in der Region Stollberg längst heimisch sind.
Wie viele Waschbären es im Erzgebirge gibt, ist dennoch kaum abzuschätzen. Sachsenweit wird eine Zahl von bis zu 10.000 angenommen. Am verlässlichsten lässt sich ihre Ausbreitung daran erkennen, wie viele der Tiere von Jägern erlegt werden: Anfang der 1990er Jahre gerieten im Freistaat pro Saison einer, höchstens aber drei oder fünf vor die Flinte. Für die Jagdsaison 2008/2009 listet der Landesjagdverband bereits 1210 geschossene Waschbären auf - immerhin 457 mehr als im Jahr davor. Im Erzgebirgskreis wurde nach Angaben der unteren Jagdbehörde in den zurückliegenden beiden Jahren kein einziger Waschbär erlegt.
Dennoch vermehren sie sich. Stephan Schusser, Leiter des Forstbezirks Eibenstock, weiß von mehreren überfahrenen Waschbären im Westerzgebirge. "Bei Wilzschhaus hat es vor zwei Jahren zwei Jungtiere erwischt", sagt er. "Sie scheinen sich hier also schon fortzupflanzen."
Ob die Waschbären zusammen mit dem ebenfalls einwandernden Marderhund zu einem Problem für einheimische Tiere werden können, ist noch unklar. Schusser: "Es sind zusätzliche Räuber. Ich denke, besonders die Vogelwelt wird sich auf sie einstellen müssen."