Der Leipziger Designer Andreas Trommler entwarf den Traum in Rot in Zusammenarbeit mit der Firma Modespitze Plauen.Foto: Sylke Schumann
Ein Hauch von Luxus für Berlin
Mode-Designer zeigen zur Fashion Week Entwürfe mit Plauener Spitze - Vogtländische Branche sieht Meilenstein
Plauen/Berlin. Zerbrechlich wirkende Muster, transparente Gewebe und feingliedrige Ornamente, die Weiblichkeit gekonnt in Szene setzen. Wenn Frau Spitze trägt, setzt sie selbstbewusst ein Zeichen: Nichts für graue Mäuse. Freitagabend wollen vier vogtländische Firmen in der Hauptstadt von sich reden machen - und von Plauener Spitze. Erstmals werden zur Berliner Fashion Week Kollektionen zu sehen sein, in denen Spitzen und Stickereien aus dem Vogtland verarbeitet wurden. Es ist eine Premiere, fast wie damals 1900, als Spitze aus der Region auf der Weltausstellung in Paris für Furore sorgte. Schließlich erfährt die Berliner Messe längst international Beachtung. Zwei angesagte Designer schicken ihre Modelle in das edle Material gehüllt über den Laufsteg im Umspannwerk in Kreuzberg bei der Veranstaltung "Showfloor Berlin".
In der Hauptstadt mit Mode für Furore sorgen
Für Katrin Floß, die zum ersten Juli die Geschäftsführung im Deutschen Innovationszentrum für Stickerei in Plauen übernommen hat, ist die Teilnahme ein Meilenstein. "Man muss in die Bekleidungsbranche einen guten Einstieg finden", meint sie. "Die Fashion Week scheint mir da ein guter Schritt zu sein." Am Mittwoch beginnt die Modewoche, die bis Sonntag läuft. Die Betriebe präsentieren währenddessen ihre Produkte in einem Ausstellungsraum in der Hauptstadt. Mit dabei sind die Plauener Modespitze GmbH, die Stickperle Falkenstein sowie die Stickerei Gerber. Der Leipziger Designer Andreas Trommler wählte für seine neue Kollektion aus dem Sortiment der drei Firmen aus. Für ihn ist der Auftritt bei der Fashion Week auch ein Debüt.
Der Berliner Modeschöpfer Stefan Reinberger arbeitete indes mit der Stickerei Reuter aus Reumtengrün zusammen. Die Verwendung von Spitze ist für ihn nicht alltäglich. "Meine Mode steht nicht gerade für Rüschenromantik", sagt Reinberger, der bereits Sängerin Jennifer Rush oder Moderatorin Sandra Maischberger ausstattete. In seiner neuen Kollektion setzte er daher die Spitzen bewusst auch bei der Kleidung für jeden Tag ein, nicht nur am Abendkleid.
Stefan Reinberger mag klassische, gerade Linien - konzentriere sich gern auf den Schnitt. "Darum fand ich die Zusammenarbeit mit der Firma Reuter so spannend", erklärt er. "Kati Reuter zeigt viele neue grafische Lösungen und entfernt sich etwas von Blüten und Ranken." Auf die verspielte Variante wollte er aber bei der aktuellen Präsentation "The Maharani Suite", welche das Thema Indien interpretiert, doch nicht verzichten. "Besonders im Abendbereich ist Spitze interessant", so Reinberger. "Schon immer umwehte sie ein Hauch von Luxus." Spitze sei eben "das Plus mehr". Nicht nur Kleider, auch Röcke, Mäntel und Jacken verzierte er mit Stickereien. Insgesamt werden auf der halbstündigen Schau 15 Modelle gezeigt.
Andreas Trommler, der bereits das Kleid der amtierenden Plauener Spitzenprinzessin entwarf, fertigte für seine Schau neun Abendkleider mit gestickten Einzelornamenten, Tüllstickereien oder Ätzspitzen. "Ich wollte die ganze Bandbreite abbilden", erklärt er. Bei den Farben der Roben beschränkte er sich indes auf rot und schwarz. Von der Qualität der vogtländischen Spitzen ist er überzeugt. "Nach oben hin ist noch viel offen", meint der Leipziger. Das Tischdecken-Image sei schon lange überholt.
Krönender Abschluss soll mit wallendem Brautkleid gelingen
Stefan Reinberger plant den krönenden Abschluss seiner Show mit Schneeballspitze. Jungunternehmerin Kati Reuter gewann damit vor zwei Jahren einen Designpreis. Jetzt ziert das feine Material das große Abschlusswerk des Modeschöpfers: ein voluminöses und ausladendes Brautkleid. "Die vogtländischen Spitzen können durchaus mit den berühmten aus der Schweiz mithalten", urteilt der Experte. Der geborene Rheinländer suchte sich selbst in der Firma die Muster aus, die dann eigens für ihn in gewünschter Form und Farbe hergestellt wurden.
Dabei war es Zufall, dass die Teilnahme an der Modewoche zu Stande kam. "Ein schöner Zufall", beurteilt Katrin Floß. Zum ersten Mal hatte sie einen gemeinsamen Stand von sächsischen Textilbetrieben auf einer Börse im Mai in Berlin organisiert, die sich an die etwa 900 Designer der Hauptstadt richtet. Ein Verantwortlicher für die Fashion Week war von den Spitzen gleich hin und weg. Bereits am nächsten Tag wurde die Sache ausgemacht: Die Firmen stellen das Material zur Verfügung, die Designer produzieren die Entwürfe. Die Partnerschaft kostet die Betriebe knapp 3000 Euro pro Schau. "Wir sehen die Teilnahme unter dem Marketingaspekt", sagt Floß. "Damit könnte die gesamte Stickerei-Branche bekannter werden."
Spitze seit zwei Jahren bei internationalen Designern gefragt
Haus- und Heimtextilien sind nach wie vor das Hauptstandbein der vogtländischen Hersteller, zudem treiben sie seit drei Jahren Entwicklungen auf dem Gebiet der technischen Textilien voran. Aber mit Kleidung könne man Menschen emotional richtig packen, weiß Katrin Floß. Doch die Bekleidungsindustrie sei ein schnelllebiges Geschäft. Stets sei alles in Bewegung, zwei Kollektionen müssen pro Jahr her. "Das muss man erstmal bewältigen."
Seit etwa zwei Jahren ist Spitze auf den internationalen Haut-Couture-Schauen angesagt. Louis Vuitton, Valentino oder auch Gucci setzen aktuell auf den Hauch von Nichts. Es gilt, dass in der Regel nach zwei bis vier Jahren der Trend auf den Straßen ankommt. Katrin Floß: "Also ist jetzt ein supergünstiger Zeitpunkt um sich reinzumogeln."
Von Nicole Jähn



