Die Experten: oben: Dr. Diana Demmler und Hautärztin Annett Hirsch; unten: Dr. Annelies Becker und Dr. Thomas ChristophFoto: Ronny Rozum
Nachtcreme fettet Haut am Tag
Telefonforum: Hautprobleme im Winter
Chemnitz. Rissige, schuppige Haut, Flecken und Verfärbungen, Pickel und Pusteln: Stress, Allergien oder Schwächen in der Abwehr zeigen sich oft auch an der Haut. Was man gegen häufige Hautleiden tun kann, beantworteten Hautärzte der Region beim Telefonforum am Freitag. Nachfolgend eine Zusammenfassung.
Ich habe eine sehr trockene Haut. Im Winter plagen mich Juckreiz und raue Stellen besonders. Was muss ich jetzt bei der Pflege beachten?
Im Gegensatz zum Sommer, wo die Haut hauptsächlich Feuchtigkeit braucht, benötigt sie jetzt vor allem Fett. Dies schützt die Haut und verhindert oberflächliche Erfrierungen. Sie könnten in der kalten Jahreszeit also einfach Ihre fettreichere Nachtcreme am Tag verwenden und nachts eine leichte feuchtigkeitsspendende Pflege verwenden. Beim Duschen und Baden gelten drei Grundsätze: nicht zu oft, nicht zu lange und nicht zu warm. Für die Reinigung empfiehlt sich ein Dusch- oder Badeöl, für die Pflege danach ein olivenölhaltiges Produkt. Reines Olivenöl dringt sehr schnell in die Haut ein, was sie sogar austrocknen kann.
Seit einiger Zeit habe ich ganz raue Hautstellen im Gesicht, im Bereich der Wangenknochen und am Kinn. Trotz Cremen gehen sie nicht weg. Was kann das sein?
Wenn trotz Fettcreme keine Glättung der Haut eintritt, sollten Sie einen Hautarzt aufsuchen, denn es könnte sich um eine so genannte aktinische Keratose handeln. Das sind Lichtschädigungen der Haut, die die Gefahr eines hellen Hautkrebses erhöhen. Solche aktinischen Keratosen sind gut behandelbar. Zum Einsatz kommen Salbe, Bestrahlung, Laser, Kälte oder eine Operation.
Meine Augenlider sind jetzt in der kalten Jahreszeit immer stark geschwollen und jucken. Was kann ich dagegen tun?
Da in diesem Bereich die Haut besonders empfindlich ist und sehr unter Trockenheit leidet, kommt es dort häufig zu Ekzemen. Zur Behandlung gibt es speziell für die Augenpartie geeignete Salben und Pflegeprodukte. Kortisonhaltige Salben werden für die Akutphase eingesetzt, danach kortisonfreie für die Stabilisierung und fettende für die Pflege das ganze Jahr über. Wichtig ist es aber, zu Beginn eine Allergie oder ein Kontaktekzem auszuschließen. Ihr Hautarzt kann Ihnen weiterhelfen.
Mit über 40 Jahren habe ich Akne bekommen. Ist das nicht eine Krankheit von Pubertierenden? Helfen mir die im Kosmetikhandel erhältlichen Gesichtswässer oder Cremes für Jugendliche auch noch?
Akne ist eine Hauterkrankung, die in jedem Alter vorkommen kann. Und für jede Altersgruppe gibt es dann auch eine spezielle Behandlung. Therapeutika gibt es viele, Ihr Hautarzt kann Sie beraten, sodass es nicht zur dauerhaften Narbenbildung kommen muss.
Ich habe sehr viele Leberflecke. Kann daraus Krebs werden?
Leberflecke und Muttermale sollten regelmäßig vom Hautarzt kontrolliert werden, denn wenn sie zu wachsen beginnen, sich vermehren oder sich in ihrer Form verändern, besteht ein Krebsrisiko. Für gesetzlich Krankenversicherte besteht ab 35. Lebensjahr aller zwei Jahre die Möglichkeit, einen Hautcheck beim Hautarzt in Anspruch zu nehmen. Der Hautarzt verfügt auch über Spezialgeräte um bestimmte Hautveränderungen genauer unter die Lupe nehmen zu können.
Meine Haut juckt häufig sehr heftig, ohne dass ich eine Hautkrankheit erkennen kann. Äußerlich sieht sie völlig normal aus. Was kann das sein?
Chronischer Juckreiz kann vor allem bei älteren Patienten sehr quälend sein. Dabei können hier ganz unterschiedliche Erkrankungen (Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankung, depressive Erkrankung, Lebererkrankung) dahinter stecken. Deshalb ist es wichtig, bei chronischem Juckreiz eine entsprechende Abklärung beim Hautarzt in Zusammenarbeit mit dem Hausarzt durchzuführen. Je nach Grunderkrankung kann dieser Juckreiz dann auch mittels zielgerichteter individueller Therapie deutlich gebessert werden. Können andere Ursachen ausgeschlossen werden, erfolgt eine lokale Therapie mit harnstoff- und polidocanolhaltigen Salben. Aber auch Juckreiz unterdrückende Medikamente (Antihistaminika bzw. Antidepressiva) können eine deutliche Besserung bringen.
Gegen meine Neurodermitis erhalte ich schon einige Zeit eine kortisonhaltige Salbe. Ist Kortison nicht gefährlich? Vor einiger Zeit wurde einmal über Heilerfolge mit einer Vitamin B 12-haltigen Creme informiert. Wäre das nicht eine Alternative?
Zur Behandlung der Neurodermitis ist Kortison in Form von Salben und Cremes ein sehr wirksames und nebenwirkungsarmes Therapieprinzip. Ihre Angst ist unbegründet. Kortison in Salben für die Haut wirkt entzündungshemmend und wird kaum vom Körper aufgenommen, sodass es nicht die systemischen Nebenwirkungen wie Blutzuckeränderungen oder Osteoporose hervorrufen kann. Im vergangenen Jahr wurde über eine vermeintlich neue Salbe zur Heilung der Neurodermitis informiert. Heilung ist aber zum jetzigen Zeitpunkt auch hiermit nicht möglich. Ekzemschübe können auch unter Anwendung dieser Salbe immer wieder auftreten. Vitamin B 12 hat eine sehr schwache, aber doch belegte Wirksamkeit. Der zum Teil beobachtete Heilungseffekt beruht auf einer intensive Anwendung und damit intensiven Hautpflege.
Was kann man gegen Psoriasis (Schuppenflechte) tun?
Die Psoriasis ist eine chronische Erkrankung, die in jedem Lebensalter das erste Mal auftreten kann. Auch das klinische Bild ist sehr unterschiedlich, es reicht von Rötung der Haut bis hin zur massiven Schuppenbildung und zur Pustelbildung (Pustel ist gleich mit Eiter gefülltes Bläschen). Auch kann die Schuppenflechte zur Gelenkbeteiligung führen. Entsprechend unterschiedlich sind die therapeutischen Möglichkeiten. Hier hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Neben der äußerlichen Salbentherapie (kortisonhaltige Salben, Dithranol, Vitamin D-Analoga) kommt eine Lichttherapie und eine eventuelle interne Therapie (Tabletten, Spritzen) infrage. Insgesamt kann man des Hautbild durch diese Therapie deutlich bessern, es kann aber trotzdem immer wieder zu neuen Hautveränderungen kommen.