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Rodrigo Pastore führte die Niners zweimal in die Playoffs.

Foto: A. Seidel

Niners: Zwei Hürden Richtung Aufstieg

Für den Basketball-Zweitligisten geht es ab Sonntag im Playoff-Halbfinale gegen Gotha. Der Sieger steigt in die Bundesliga auf. Hinter den Kulissen ist der Kampf mit den Statuten noch schwieriger.

Von Sebastian Siebertz
erschienen am 21.04.2017

Chemnitz. Wer sich mit Rodrigo Pastore über Basketball unterhält, muss nicht nur Zeit mitbringen, sondern darf sich auch vor Philosophie nicht scheuen. "Ich will, dass mein Team die Einstellung aus dem Japanischen entwickelt, die sich Kaizen nennt", erklärt der Trainer der Niners. "Es geht darum, sich kontinuierlich jeden Tag weiterzuentwickeln und damit niemals aufzuhören." Der Perfektionist aus Argentinien führte die Chemnitzer Korbjäger so ins Playoff-Halbfinale der Zweiten Basketball-Bundesliga - und damit an die Schwelle zum Aufstieg in die Deutschlands Eliteliga. Drei Siege aus fünf Partien brauchen die Niners gegen die Rockets aus Gotha - und der sportliche Aufstieg in die BBL wäre perfekt.

Dass sein Team als Dritter der regulären Saison gegen den Siebten die Favoritenrolle innehat, sieht Pastore anders: "Du kannst sagen, Gotha ist der Favorit, weil sie eines der höchsten Budgets der Liga haben. Sie sind das Team, das mit dem Saisonziel gestartet ist, in die BBL aufzusteigen." In der Vorrunde gab es gegen Gotha ein Sieg und eine Niederlage. Pastore geht von einer engen Serie gegen die in Erfurt spielenden Rivalen aus - wie schon im Viertelfinale, als die Niners Trier in Spiel fünf bezwangen.

Neben der sportlichen Hürde gilt es für den Aufstieg noch eine zweite Hürde zu nehmen. Ist der Club jenseits des Parketts erstligatauglich? Die Antwort muss das Lizenzierungsverfahren bringen. Einen Antrag haben die Chemnitzer eingereicht. Vier Baustellen gibt es. Erstens: Fünf hauptamtliche Stellen muss ein Bundesligist nachweisen, dreieinhalb sind es bisher. "Das ist kein Problem", erklärt Niners-Geschäftsführer Steffen Herhold. Zweitens: Bundesligisten muss rund um die Uhr eine Trainingshalle zur Verfügung stehen. Herhold dazu: "Ich dachte lange, dass uns dieses Thema das Genick brechen könnte. Nun haben wir verschiedene Lösungsansätze - ich bin da sehr zuversichtlich."

Bei den Punkten drei und vier wird die Aufgabe kniffliger. Da wäre zum einen die Mindestkapazität der Spielstätte. 3000 Zuschauer werden gefordert, in die Hartmannhalle dürfen laut einem Gutachten maximal 2900 herein. Die Fluchtwege sind das Problem. Bliebe noch die mehr als 5000 Zuschauer fassende Chemnitz-Arena, in der die Niners bereits zweimal ihr "X-Mas Game" veranstalteten und in der mindestens ein Halbfinalspiel ausgetragen wird. Doch Termine für 17 Heimpartien in der Multifunktionsarena zu finden, scheint unmöglich. "Wir wollen der Hartmannhalle gar nicht den Rücken kehren", sagt Herhold. "Unser Antrag beinhaltet beide Spielstätten."

Sieben Partien - Derbys und Topspiele gegen Bamberg, Alba Berlin und Bayern München - sollen in die Messehalle verlegt werden, die anderen in der Hartmannhalle stattfinden. Dafür muss ein neues Gutachten her. "Bisher war die Anfrage an den Brandschutzgutachter: Maximierung der Zuschauerzahlen unter den gegebenen Umständen. Jetzt ist die Frage: Was muss man an der Halle verändern, um auf 3000 zu kommen?", sagt Herhold. Ob überhaupt kleinere oder größere Umbauten nötig sind, ist derzeit unklar.

Als Viertes geht es um das Geld. Festgeschrieben ist ein Saisonbudget von zwei Millionen, für Aufsteiger gibt es im ersten Jahr eine Ausnahme. Von den Niners werden demnach 1,6 Millionen Euro gefordert. Ein gewaltiger Sprung. "Das ist im Vergleich zur jetzigen Saison etwa das Doppelte", so der Geschäftsführer. Bis zum 30. Juni müssen die Niners 80 Prozent der im Lizenzantrag angegebenen Sponsoreneinnahmen nachweisen. Ob die Zeit für den finanziellen Quantensprung reicht? "Das lässt sich nicht prognostizieren, aber wir glauben daran", zeigt sich Herhold zuversichtlich. "Man merkt schon, dass der Erfolg etwas in der Stadt entfacht hat. Wir werden es jedoch - sollte der Aufstieg sportlich gelingen - nicht erzwingen. Wir können nicht nach dem Prinzip Hoffnung kalkulieren."

Pastore weiß, dass die sportliche Entwicklung des Teams der strukturellen des Clubs enteilt ist. "Der Sportsmann in mir will immer mehr. Aber man muss verstehen, dass Veränderung Zeit braucht", sagt der einstige Profi und betont, dass er dankbar für das Engagement der Personen im Hintergrund ist. Viel habe sich bereits verbessert. "Als ich vor knapp zwei Jahren hier angekommen bin, hat niemand im Club vom Aufstieg geredet. Ich habe mich immer gefragt, warum sind das Selbstbewusstsein, die Erwartungen hier so niedrig? Warum sind wir das schreckhafte Tierchen, das sich im Wald versteckt? Warum sind wir nicht Löwen?", berichtet der 44-Jährige. "Da war diese Mentalität, immer nach Entschuldigungen zu suchen. Das wirkte sich auch auf die Profimannschaft aus." Dass dem inzwischen nicht mehr so ist, zeigte das Team spätestens mit dem Einzug ins Halbfinale - und abseits des Parketts? "Wir gehen in die richtige Richtung", antwortet Pastore.

Halbfinale Niners - Rockets: Sonntag, 17 Uhr: Hartmannhalle Chemnitz; 26. April, 19.30 Uhr: Messe Erfurt; 29. April, 19 Uhr: Chemnitz-Arena; gegebenenfalls: 1. Mai, 17 Uhr: Messe Erfurt; 3. Mai, 19.30: Chemnitz-Arena.

 
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