Wacker Burghausen steht laut eines Berichts unter VerdachtFoto: Bongarts/Getty Images
Manipulationen und ein Todesfall
Fußball: Wacker Burghausen soll in Wettskandal verwickelt sein - Zweitliga-Spiel in Aue im Februar 2007 wird geprüft
Burghausen/Aue. "Abstieg von Burghausen ein warnendes Beispiel" - mit diesem Ausspruch von Trainer Gerd Schädlich titelte die "Freie Presse" ihre Saisonanalyse vom damaligen Fußball-Zweitligisten Erzgebirge Aue im Mai 2007. Der FCE beendete die Saison als Zehnter. Rang 15 - nur die Rückrunde gerechnet - ließ den Fußballlehrer den Zeigefinger heben.
Seit Dienstag steht der Abstieg von Wacker Burghausen aber in einem anderen Licht. Im Zuge des europäischen Wettskandals, in dem die Staatsanwaltschaft Bochum ermittelt, belastete ein bulgarischer Wettpate in der ARD-Sendung "Fakt" vier nicht benannte Feldspieler und einen Torhüter, in zwei Spielen bestochen worden zu sein. Laut des anonymen Informanten gehe es um die Partien bei der SpVgg Greuther Fürth am 1. Oktober 2006 (1:4) und beim FC Erzgebirge Aue am 16. Februar 2007 (0:3). Schädlich kann sich jedoch im Nachhinein an keine auffälligen Dinge erinnern: "Wir hatten zu diesem Zeitpunkt eine gute Phase und noch Kontakt nach oben in der Tabelle. Und wenn ein Gegenspieler Fehler macht, weißt du natürlich nicht, ob er einen schlechten Tag hat oder eben was anderes dahinter steckt." Aues Abwehrchef Tomasz Kos reagierte ähnlich: "Erinnern kann ich mich nicht wirklich. Ich weiß aber noch, dass wir einen Elfer verschossen haben", sagte er und fügte an: "Bisher sind das alles nur Spekulationen und keine Beweise. Ehrlich gesagt, glaube ich auch nicht, dass etwas herauskommt."
Gospodarek: Vorwürfe haltlos
Im Wacker-Tor stand damals Uwe Gospodarek. Er wehrte sich am Dienstag vehement. Die Unterstellungen seien aus der Luft gegriffen. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Meine eidesstattliche Erklärung liegt bei meinem Anwalt, ich werde das juristisch klären lassen. Ich wurde weder von der Polizei noch von der Staatsanwaltschaft angehört", sagte der 36-Jährige, der jetzt bei Hannover 96 spielt.
Vier Feldspieler von Wacker sollen mit jeweils 10.000 Euro und ein Torhüter mit 15.000 Euro bestochen worden sein. Zugleich sollen die Spieler selbst Wetten in Höhe von 30.000 Euro platziert haben. "Das hatte zweierlei Vorteile für uns. Wir mussten nicht so viel Geld in die Spieler investieren, und zweitens waren die in der Pflicht, das zu machen, denn sie haben ja mitgewettet", sagte der Bulgare der ARD.
Das Kuriose an der Sache: Gospodarek hielt in der Partie gegen Aue beim Stand von 0:0 einen Handelfmeter von Andrzej Juskowiak (33.) und bekam von den Journalisten Bestnoten. Sein heutiger Arbeitgeber steht zum aktuellen Ersatztorhüter. "Uwe hat uns glaubhaft versichert, dass die Vorwürfe gegen ihn haltlos sind. Wir gehen davon aus, dass sich die Unterstellungen als falsch erweisen", sagte 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke. Gospodarek war tief geknickt: "Ich habe Familie. Man sollte auch mal daran denken, wie es einem geht, wenn solche Vorwürfe aufkommen."
Mysteriöser Unfall von Krejci
Über die vier angeblich bestochenen Feldspieler wird nun kräftig spekuliert. Mysteriös erscheint in diesem Zusammenhang: Marek Krejci, slowakischer Nationalspieler und im Aue-Spiel als Stürmer aufgeboten, kam in der Woche nach dem letzten Saisonspiel in der Nacht vom 25. zum 26. Mai bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Der damals 26-Jährige, der Frau und Kind hinterließ, prallte auf der Bundesstraße 12 von München in Richtung Altötting aus ungeklärter Ursache gegen einen Baum und starb an einem Genickbruch. Die Staatsanwaltschaft Traunstein ermittelte. "Das Verfahren ist abgeschlossen. Ein rechtsmedizinisches und ein technisches Gutachten haben ergeben, dass es keinerlei Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden gibt", sagte Volker Ziegler, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Traunstein, am Dienstag auf Anfrage der "Freien Presse". Ein Selbstmord sei reine Spekulation. Die B 12 gilt als Unfallschwerpunkt. Alkohol soll nicht im Spiel gewesen sein. Vermutet wird Übermüdung.
Vermutet wird auch, dass Ante S., der bereits in den Manipulationsskandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer verwickelt gewesen war, als einer der Hintermänner im aktuellen Wettskandal fungiert hat. Ob der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball Bundes seinerseits Ermittlungen aufnehmen wird, hängt von den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Bochum ab. Wacker hatte am Ende der Saison 2006/07 mit vier Punkten Rückstand zu den Nichtabstiegsplätzen den Klassenerhalt verpasst. Aus der Startelf des besagten Spiels in Aue steht mit dem Burghausener Urgestein Björn Hertl nur noch ein Profi in Diensten des aktuellen Drittligisten. (mit sid)
Statistik Aue - Burghausen (16. 2. 2007)
Aue: Keller - Adamski, Kos, Ehlers, Trehkopf - Dostalek, Kurth, Geißler - Klinka (83. Curri), Juskowiak (72. Siradze), Rangelov (88. Hampf); Wacker: Gospodarek - Lastovka, Palionis (54. Lechner), Hertl, Nagy (46. Toleski) - Fink (80. Nicu), Bonimeier - Bogavac, Burkhardt, Drescher - Krejci.
SR: Stachowiak (Düsseldorf), Tore: 1:0 Rangelow (40.), 2:0 Klinka (62.), 3:0 Dostalek (89.), Zuschauer: 9300.