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Ingo Berbig - Daniela Storch startet für den RSV Chemnitz. Sie bestreitet jährlich bis zu sechs extrem schwere Mehrtagesrennen in verschiedenen Ländern.

Foto: Toni Söll

Radspezialistin tüftelt an Weltneuheit mit

Die Chemnitzerin Daniela Storch ist die erfolgreichste Mountainbikespezialistin in Sachsen, bewältige zudem zahlreiche Extremtouren. An der TU arbeitet sie an einem Forschungsprojekt mit, das sich dem Radsport widmet.

Von Martina Martin
erschienen am 31.01.2017

Chemnitz. Obwohl sie aus voller Leidenschaft mit dem Mountainbike auf Tour ist, stört es Daniela Storch derzeit nicht, dass ihr Lieblingsgefährt zu Hause bleibt. Denn sie nutzt gern die kalte Jahreszeit, um auf Skiern Kondition zu tanken. Dabei findet es die Chemnitzerin toll, dass sie aktuell auf Langlaufbrettern ebenso gleich um die Ecke in Einsiedel - in den Abendstunden auch mit der Stirnlampe - unterwegs sein kann. Da bewältigt sie schon mal 30 Kilometer am Stück. Die Wochenenden oder zuletzt ein paar Urlaubstage nutzt sie jedoch auch, um in den höheren Gefilden Kraft zu pauken. "Da geht es erst einmal mit Skiern die Berge hoch. Danach genieße ich das Bergabfahren im Tiefschnee", erzählt die 30-Jährige. Sie hat ein Faible für extrem schwierige Mehrtagestouren wie wohl keine andere Frau in Sachsen, selbst deutschlandweit besitzt ihr Pensum Seltenheitswert.

Für 2017 stehen wieder fünf bis sechs dieser Events auf dem Programm, wobei sie beruflich bedingt die Zahl etwas eindämmen musste. Als Studentin war da mehr möglich. Doch inzwischen ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Chemnitz tätig und widmet sich in der Forschung unter anderem auch einem Projekt aus ihrem Metier. Sie gehört einem vierköpfigen Team an, das neue Speichen, die es so auf der Welt noch nicht gibt, entwickelt. "Das Geflecht ist aus hochfesten textilen Fasern, ähnlich Karbonfasern. Die Speichen sollen leichter sein als die bisherigen aus Stahl", erklärt Daniela Storch. Seit knapp einem Jahr läuft die Testphase, wobei sie sich selbst in der Praxis stetig einbringt, mit der neuen Konstruktion auf Straßen sowie im Gelände unterwegs ist.

"Da erkennt man immer wieder Dinge, die verändert werden müssen, oder was noch nicht richtig funktioniert. Bis das Optimum erreicht ist, das dauert seine Zeit. Wir wollen ein ausgereiftes Produkt auf den Markt bringen. Da wir Frischlinge sind, dürfen wir uns auch den Namen nicht verderben", begründet die junge Wissenschaftlerin, die vor Begeisterung sprüht, gleichzeitig eine gewisse Ungeduld nicht verhehlt. Wie sie berichtet, spüren sie und ihre Mitstreiter schon, dass die Leute hellhörig geworden sind, Nachfrage besteht. Diese Speichen sollen dann für alle Bereiche einsetzbar sein.Daniela Storch ist froh, dass sie nach Abschluss ihres Studiums (Sportgerätetechnik, Sportwissenschaften) 2014 dieses Angebot erhielt. Ingo Berbig, der als Radsportler gleichfalls lange Zeit für den RSV Chemnitz fuhr und die Idee zu diesem Projekt hatte, sprach sie damals an. Da sie gerade auf der Suche nach einem Job war, konnte ihr eigentlich nichts Besseres passieren. Und wichtig ist für sie, dass sie sich weiter ihrem Lieblingssportgerät widmen kann, auch wenn es nicht immer einfach ist. Flexible Arbeitszeiten sind teilweise möglich, für ihre Wettkämpfe nutzt sie Urlaubstage.

Ingo Berbig - Ex-Radsportler

Foto: Toni Söll

"Die Etappenrennen sind nun mal die Königsdisziplin für mich. Da muss man als Fahrer komplett sein, jeden Tag mit voller Konzentration über Stunden seine Leistung abrufen - stets eine Riesenherausforderung", wertet Daniela Storch. Was ihr zudem vor allem zusagt: dass sie stets in Zweierteams - egal ob mit einer Frau oder einem Mann - unterwegs ist. "Man kämpft nie allein, schiebt sich gegenseitig voran, wenn es mal gar nicht mehr geht, baut sich auf. Und im Ziel ist die gemeinsame Freude dann etwas Besonderes", meint die Sächsin.

So hat sie beispielsweise schon mehrfach die Transalp, die in sieben Tagen (jeweils bis zu sechs Stunden) über die Alpen führt und am Gardasee endet, mit Bravour gemeistert. Es geht dabei über 670 Kilometer und 21.500 Höhenmeter. Diese Tour, die sie 2017 wieder in Angriff nehmen will, gehört dabei zu den härtesten Mountainbikerennen der Welt. Ähnlich anspruchsvoll waren beispielsweise die Trans Rockies in Kanada (7 Tage durch die Rocky Montains) oder die Swiss-Epic (6), bei der sie mit einer Kanadierin 2016 sogar eine Sonderwertung (abfahrtsorientierte Flow-Wertung/endurolastig) gewinnen konnte. Meist nimmt sie jedoch mit den Gefährten aus ihrem Scott-Bike24MTB-Team, für das sie seit acht Jahren fährt und in dem sie sich mit der Rundumbetreuung bestens aufgehoben fühlt, teil. Neben traditionellen Starts sucht sich die technisch versierte Spezialistin immer andere Herausforderungen, auch um neue Landschaften kennenzulernen. Nach Südafrika 2016 geht es dieses Jahr so erstmals nach Kroatien.

Begeisterte Mountainbikefahrerin ist Daniela Storch seit etwa 12 Jahren, nachdem sie sich zuvor als Leichtathletin der Mittelstrecke gewidmet hatte. Im Einzel beherrscht sie seit langem die ostdeutsche Spitze, ist regelmäßig bei Traditionsrennen wie dem Erzgebirgs-Bike-Marathon in Seiffen erfolgreich. Auch bei nationalen Titelkämpfen in der olympischen Disziplin Cross Country brachte sie es einst unter die Top acht. Einmal ganz vorn zu landen, wäre nur unter Profibedingungen möglich gewesen. Doch das stand für sie nie zur Debatte.

Daniela Storch hat indes ihre Erfüllung in diesen hochkarätigen Etappenrennen gefunden, betrachtet das intensive Training dafür nicht als Last, sondern als besten Ausgleich zu ihrer Tätigkeit. Und einer der schönsten Tage wird wohl für sie sein, wenn sie erstmals mit den eigens entwickelten Speichen auf Tour gehen kann.

 
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