Merkurs Marco Weigl klärt akrobatisch im eigenen Strafraum vor einem Leutzscher Spieler. Hinten beobachten die Oelsnitzer Steffen Stumpe, Rico Schaller und Torwart Alexander Grötzsch (von links) die Szene.

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Zwei Platzverweise und ein geklautes Tor

Aufsteiger Merkur Oelsnitz hat am Samstag sein erstes Spiel in der Fußball-Landesliga verloren.

Plauen. Merkurs erster Auftritt in Sachsens höchster Spielklasse bot vergleichsweise wenige Torszenen. Aber wenn die Kugel mal vor dem Kasten landete, sorgte das fast immer für Haare-Raufen und hitzige Diskussionen: Ein dummes Gegentor zum 0:1, der vermeintlich geklaute Ausgleich zum 1:1, je ein Platzverweis für beide Teams und ein Lattenknaller von Merkurs Beck drei Minuten vor dem Abpfiff boten Gesprächsstoff.

Zunächst aber hatten die Sperken ganze 75 Minuten lang ihre bekannten Tugenden wie Kampfgeist und Torgefährlichkeit fast völlig vermissen lassen. Wie das berühmte Kaninchen vor der Schlange erstarrten die Oelsnitzer im Plauener Vogtlandstadion vor dem von rund 150 Fans unterstützten, namhaften Kontrahenten in Ehrfurcht.

Zu allem Überfluss legte man den nicht überzeugenden Messestädtern das Tor zu deren 1:0-Führung auch noch selbst auf. Merkur-Schlussmann Grötzsch und Abwehrchef Gorschinek waren sich nach 34 eher ereignislosen Minuten an der äußersten Strafraumgrenze nicht einig, wer das Leder übernehmen sollte. Leipzigs Müller klaute den beiden Unentschlossenen den Ball und passte in die Mitte, wo Markus die Kugel mühelos im leeren Gehäuse versenkte. Danach wirkte der Neuling geschockt und kam kaum mehr aus der eigenen Hälfte heraus.

Erst nach der Pause schien Oelsnitz seine Hemmungen abzulegen. Keine 120 Sekunden waren vergangen, da konnten die Leipziger erst Weigl und dann Hofmann erst in höchster Not noch am Torschuss hindern. Doch auch dies blieb nur ein Strohfeuer. Erst 15 Minuten vor dem Abpfiff ging plötzlich ein Ruck durch die Merkur-Reihen. Ein abgefälschter Schuss von Hofmann, der nur ganz knapp am Kasten der bis dahin ebenfalls fast chancenlosen Leutzscher vorbeirauschte, war das Signal zur Offensive (75.).

Keine Minute später folgte die am meisten diskutierte Szene der Partie. Schaller zog ab, die noch abgelenkte Kugel taumelte auf oder hinter der Linie herum, bis sie Leutzschs Kapitän Ledwoch wegschlug. Dem Torjubel folgten Oelsnitzer Proteste, die in einer Ampelkarte für Merkurs Thiele gipfelten.

Nun wurde die Begegnung immer emotionaler. Leipzigs Schaaf rannte Merkurs Schaller an der Außenlinie voll über den Haufen und sah dafür die rote Karte. Dann zog Beck aus gut 20 Meter ab, doch seine Rakete landete nur am Querbalken des Leutzscher Tores (88.). In der Nachspielzeit warf Oelsnitz alles nach vorn und verlor an der Mittellinie den Ball, was Rienaß beim Konter mit einem gekonnten Effet-Stoß zum 0:2-Endstand nutzte.

Stimmen

Andy Müller (Spieler Leipzig-Leutzsch): "Wir sind verdient in Führung gegangen, hatten aber gegen Ende auch etwas Glück. Die Oelsnitzer sollten sich nicht allzu sehr ärgern. Sie werden noch eine gute Rolle spielen."

Michael Hiemisch (Trainer Oelsnitz): "Wir waren einfach zu nervös, der Gegentreffer hatte Schockwirkung. In der zweiten Hälfte hat die Truppe ihr wahres Gesicht gezeigt, aber es sollte wohl heute einfach nicht sein."

Statistik

Oelsnitz: Grötzsch, Stumpe (83. Göbel), Thiele (76. gelb-rote Karte), Gorschinek, Beck, Herrmann, Weigl, Schaller, Fischer, Hofmann, Hirsch (61. Matthes). Tore: 0:1 Markus (34.), 0:2 Rienaß (90.). Schiedsrichter: Junghof (Chemnitz). Zuschauer: 328.

 
erschienen am 08.08.2011 ( Von Thomas gräf )
 
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