Bundesamt Immer wieder kommt es in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber unter den Bewohnern zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. So schlimm wie in der Nacht zu Mittwoch war es laut Polizei aber noch nie.

Foto: Harry Härtel

14 Verletzte bei Massenschlägerei in Asylbewerberheim in Ebersdorf

Nach dem bislang schwersten Zwischenfall dieser Art musste die Polizei mit einem Großaufgebot für Ordnung sorgen

Ebersdorf. Bei einer nächtlichen Massenschlägerei in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber am Adalbert-Stifter-Weg sind in der Nacht zu Mittwoch mindestens 14 Personen so schwer verletzt worden, dass sie zur weiteren Untersuchung oder Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden mussten. In zwei Gebäuden des kasernenähnlichen Komplexes entstand laut Polizei Sachschaden in Höhe von mehreren 10.000 Euro. In einem der beiden werden allein lebende Asylbewerber untergebracht, in dem anderen solche mit Familie.

Zwei Zimmer sind wegen massiver Schäden an Türen und Mobiliar vorübergehend nicht nutzbar, sagte eine Sprecherin der für die Unterbringung von Asylbewerbern zuständigen Landesdirektion in Chemnitz. Sie sollen aber umgehend wieder hergerichtet werden.

Nach Einschätzung der Polizei handelt es sich um den bislang schwersten Zwischenfall dieser Art in der Einrichtung. Den Angaben zufolge waren etwa 20 Minuten vor Mitternacht rund 50 Bewohner unterschiedlicher Herkunft aneinandergeraten und mit allem, was ihnen geeignet schien und greifbar war, aufeinander losgegangen. Bei ihnen soll es sich vor allem um tunesische und russische Asylbewerber gehandelt haben. Binnen kurzer Zeit sei die Lage derart eskaliert, dass die alarmierte Polizei schließlich mit 50 Beamten für Ruhe sorgen musste. Nach Abschluss der Polizeimaßnahmen gegen 2 Uhr sollen kurzzeitig erneute Auseinandersetzungen gedroht haben. Dies aber habe von dem in der Einrichtung tätigen Sicherheitsdienst verhindert werden können.

Warum genau es zwischen den beiden Gruppen zum Streit kam, blieb am Mittwoch unklar. Erfahrungs- gemäß brauche es dazu nicht viel, heißt es. Mitunter reiche schon ein falscher Blick. "Wo so viele unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen, geht das manchmal ganz schnell", sagte eine Sprecherin der Landesdirektion. Mitverantwortlich für die Eskalation sei sicher auch die derzeit vergleichsweise hohe Belegung der Erstaufnahmeeinrichtung mit mehr als 550 Asylsuchenden.

Aber auch übermäßiger Alkoholgenuss soll bei den Ausschreitungen in der Nacht zu Mittwoch eine Rolle gespielt haben. Zwar ist laut der Behörde Alkohol in der Erstaufnahmeeinrichtung grundsätzlich verboten. Lückenlos kontrollieren und durchsetzen lasse sich dieses Verbot aber kaum. Immer wieder würden alkoholische Getränke in die Unterkünfte geschmuggelt oder aber außerhalb der Einrichtung konsumiert. Das Sicherheitspersonal nach den jüngsten Vorfällen aufzustocken, darin sehen die Verantwortlichen derzeit offenbar kaum Anlass. Schon jetzt liefen die Mitarbeiter regelmäßig Streife im Objekt, heißt es.

Für die Polizei stehen nach Angaben eines Sprechers nunmehr umfangreiche Ermittlungen an. Sie richten sich auch gegen einige Georgier und Syrer, die ebenfalls an den Auseinandersetzungen beteiligt gewesen sein sollen. Keine Angaben gab es am Mittwoch dazu, wie viele der ins Krankenhaus gebrachten Bewohner zwischenzeitlich bereits wieder entlassen werden konnten. Lebensgefährlich verletzt worden sei aber niemand.

Zentrale Aufnahmestelle für bis zu 720 Flüchtlinge

Die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Ebersdorf gehört dem Freistaat. Alle Asylbewerber, die nach Deutschland kommen und von Sachsen aufgenommen werden müssen, werden zunächst dort untergebracht. Aufgenommen werden können dort bis zu 720 Personen. Zu Jahresbeginn wurde die Kapazität nochmals durch Wohncontainer erhöht. Aktuell leben in der Einrichtung gut 550 Frauen, Männer und Kinder; 80 Betten seien noch frei. Die stärkste Gruppe stellen derzeit Tunesier.

Untergebracht sind die Asylbewerber in Ebersdorf in der Regel nur einige Wochen, maximal drei Monate. Anschließend werden sie auf Städte und Gemeinden aufgeteilt.

Anwohner hatten sich in der Vergangenheit über häufige Polizei- und Feuerwehreinsätze beklagt. Die Leitung der Einrichtung bestätigte bis zu 80 Alarme pro Monat, weil aus Spaß Brandmelder ausgelöst wurden. Für 2011 konstatierte die Polizei zudem eine "besorgniserregende Entwicklung" bei der Kriminalität im Stadtteil. (su/micm/mib)

 
erschienen am 13.03.2013 (Von Michael Müller)
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
25
(Anmeldung erforderlich)
  • 22.03.2013
    20:21 Uhr

    finnas: Das Problem des Hungers in der Welt kann kein Asyl lösen, so bitter das für den Einzelnen sein mag. Da sind andere Maßnahmen nötig, aber da passiert natürlich nichts. Oder hat schon jemand bemerkt, dass Regierung und Opposition energisch gegen die internationalen Börsenspekulationen mit Nahrungsmitteln vorgehen - oder es wenigstens versuchen? Hat jemand bemerkt, dass der Bundespräsident bei seinem Besuch in Äthiopien gegen den Landverkauf an reiche Staaten und damit gegen die Vertreibung der Bauern protestiert hat ? Hat es je einen Boykottaufruf gegen die Importrosen gegeben, weil an Afrikas großen Seen den Bauern das Wasser geraubt und für die gigantischen Rosenzuchtanlagen verwendet wird? Und nebenbei werden durch die belasteten Abwässer noch die Fische vergiftet, sodass auch die Fischer ihre Familien nicht mehr ernähren können. Haben unsere Regierungen je die Handelspolitik angeprangert, die in Afrika die Eigenproduktion von Lebensmitteln abwürgt?
    Nächstens wird es Asylbewerber geben, die sich selbst in Ländern, wo es genügend gibt, das Trinkwasser nicht mehr leisten können, wenn das irrwitzige Bestreben von Kreisen der EU, die Wasserversorgung zu privatisieren, durchkommt.
    Bei Nestle freut man sich schon auf das Klingeln der Kassen.
    Diese und viele andere weltweiten Schweinereien kann kein Asylsystem reparieren.

    0 1
     
  • 21.03.2013
    12:34 Uhr

    TheSaxon: Ja, dass macht einen Unterschied im Sinne des Asylrechts...jemand der Aufgrund von Folter flieht, hat gute Chancen in Dtl. als Asylant anerkannt zu werden....dafür haben wir ja den humanitären Akt des Asyls.....wer auf grund von schlechten wirtsch. Verhältnissen im Heimatland das Weite sucht.....fällt nicht darunter..sondern muss die legalen Möglichkeit zu Arbeitsmigration nutzen(BlueCard)....Asly und Arbeitsmigration unterstehen unterschiedlichen Paradigmen / Zielsetzungen...die ich hier jetzt nicht noch einmal aufwärme....

    Auch wenn ich mich bei dir umsonst abarbeite....deine moralischen Ansprüche in allen Ehren aber du kannst dich nicht für die Schlechtigkeiten / Probleme der Welt verantwortlich machen, noch kannst du sie lösen....vondaher wäre es angebracht ein Stück weit Realismus an den Tag zu legen.

    TheSaxon

    0 1
     
  • 18.03.2013
    22:41 Uhr

    wuehlmaus: @TheSaxon: Ich halte es nicht für verbrecherisch, wenn jemand seine verhungernde Familie durch seiner Hände Arbeit retten will. Dass auf dieser Welt, auf welcher alljährlich Tausende Tonnen Lebensmittel vernichtet werden, immer noch Menschen verhungern, das ist ein unhaltbarer Zustand. Ob jemand verhungert oder zu Tode gefoltert wird - macht das einen großen Unterschied?
    Ein Großteil des deutschen Ausländergesetzes stammt aus dem Jahr 1913 und sollte ganz dringend überarbeitet werden.

    0 1
     
  • 18.03.2013
    21:32 Uhr

    TheSaxon: Ich möche zum Spannungsgrund noch mit einwerfen, dass dies vielleicht auch auf Grund der unterschlidlichen Ansprüche zum Thema "Asyl" zurückzuführen ist bzw. die Unwissenheit, was Asyl überhaupt bedeutet. Das Problem ist leider, dass über die Asylgestzgebung in Dtl. Wirtschaftsflüchlinge, wie auch ein minimaler Anteil an wirkl. Asylbedürftigen, die Einwanderung bzw. Anerkennung als Flüchtling forciert. Der Wirtschaftsflüchtling ist nicht nach Dtl. / Europa geflüchtet, weil er auf Grund seiner ethn. Abstammung / rel. Zugehörigkeit oder sex. Ausrichtung im Heimatland verfolgt wird, sondern weil er hier rel. schnell arbeiten, um Geld für die zurückgebliebene Famile im Heimatland schicken möchte. Der wirkl. Asylbedürftige, der auf Grund seiner ethn. Abstammung / rel. Zugehörigkeit oder sex. Ausrichtung im Heimatland verfolgt wird, nimmt den langwierigen Asylprozess viell. leichter hin, da er primär froh ist, dass ihm überhaupt Schutz zuteil wird. Dem Wirtschaftsflüchlichg hingegen gehen die Nerven durch, da er langsam mitbekommt, was Asyl bedeutet bzw. für wem es gedacht ist, und er durch den Asylprozess in seinem Primärziel gehindert wird.

    " dass viele Probleme gelöst werden könnten"

    Anfangen könnte man damit, dass man ähnlich, wie in der Schweiz, klare Fristen setzt, bis wann ein Asylantrag entscheiden sein muss...es kann nicht sein, dass sich diese Entscheidungen über Jahre hinziehen. Zudem sollte man überlegen, ob man es noch zuläßt, dass sich Abgelehnte durch die Instanzen klagen können, nur um so Zeit zu gewinnen. Endg. Abgelehte sind auch abzuschieben, es kann nicht sein, dass wie Rainer Wendt (Bundesvorsitzender der DPolG) anführte, in Dtl. über 100.000 endg. abgelehnte Asylbewerber zur Ausreise bzw. Abschiebung vorgesehen sind aber diese einfach nicht von den Behörden vollstreckt werden....sondern man sie weiterhin duldet.

    Zum Abschluss...Arbeitsmigration darf und kann nicht über das Asyl stattfinden..das muss, wenn man es denn nicht ganz unterbinden kann, zumindest erschwert bzw. effektiver im gesamten Asyl/Enscheidungsprozess gestaltet werden.

    TheSaxon

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  • 16.03.2013
    14:18 Uhr

    wuehlmaus: @jgw: Sicher gibts da öfter Krach. Ich kenne einen Kurden, der ist total friedlich und richtig kleinbürgerlich bieder. Als er im Asylbewerberheim mit einem Iraker zusammengesteckt wurde, der Saddam Hussein nachtrauerte, gab es immer öfter Streit. Mein Bekannter bat erfolglos um ein anderes Zimmer. Eines Tages ist er zu uns geflüchtet, mit ´nem Veilchen und sonstigen Verletzungen. Er hatte sich noch nie im Leben geprügelt und hatte das eigentlich auch nicht vor.

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