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Alles nur Satire? Empörte Chemnitzer verteidigen ihre Stadt
"Vom einstigen DDR-Gulag zur Hauptstadt des Grauens." - So beginnt ein "taz"-Artikel über Chemnitz
Maximilian Münch ist für seine 19 Jahre ein recht konsequenter Mensch. Als er Anfang der Woche einen "Cui bono, Chemnitz?" überschriebenen Artikel der links-alternativen Tageszeitung "taz" in die Hände bekam, da fackelte er nicht lange und machte sich auf den Weg in deren Redaktion im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Schließlich ging es in dem Beitrag um seine Heimatstadt. "Eine Stadt mit einer Aura, wie sie nur wenige Orte auf der Welt ausstrahlen", hatte Autor Michael Gückel geschrieben. "Tschernobyl vielleicht, manche Teile Nordkoreas oder Stalingrad im Winter43."
Zeilen, die nicht nur Maximilian Münch auf die Palme brachten. Selten dürfte ein Beitrag der "taz", die in einer vergleichsweise bescheidenen Auflage von deutschlandweit rund 50.000 Exemplaren erscheint, hierzulande ein derart lebhaftes Echo gefunden haben. Dank des Internets fand der Text seinen Weg selbst in Leserkreise, denen diese Zeitung bislang kaum ein Begriff war.
Die sich nun aber umso entrüsteter die Augen reiben. "Abseits der Plattenautobahn erwarten den Besucher verwilderte Alleen", schreibt Gückel über Chemnitz. Und orakelt, was es mit den Kreuzen am Straßenrand auf sich haben mag. "Ob etwa massenhafter Selbstmord oder Selbstüberschätzung zu diesem Kreuzchenboom führte?"
Reaktion auf Werbepostkarte
Selbst erklärte Fans der "taz" zeigen sich einigermaßen angewidert. "Dieser Artikel hat mich dazu bewegt, mein Abo zu kündigen", heißt es in einem der bereits über 500 Leserkommentare zu dem Beitrag, die - nicht nur von Chemnitzern - allein auf der Internetseite der Zeitung seit Montag abgegeben wurden. Eine beachtliche Zahl, wie ein Mitarbeiter der Online-Redaktion einräumt.
Was den Autor wohl veranlasst haben mag, einen solchen Artikel zu schreiben, diese Frage dominiert die Diskussionen in diversen Internet-Foren. Von Frust über berufliche Misserfolge bis übermäßiger Drogenkonsum reichen die Diagnosen. Nichts von alldem, versichert Michael Gückel der "Freien Presse" am Telefon. Eine Werbepostkarte der Chemnitzer Wirtschaftsförderungsgesellschaft sei es gewesen, die ihm den Anstoß geliefert habe. "Chemnitz zieht an", lautet ihre Botschaft.
"Chemnitz stößt eher ab", findet Gückel. Er ist Jahrgang 1981, gebürtiger Oberfranke und arbeitet seit einigen Jahren als freier Journalist in Berlin. Zuvor war er nach eigenen Angaben Redakteur bei einer Fachzeitschrift in München und studierte Medientechnik an der Hochschule Mittweida. Hin und wieder sei er auch in Chemnitz gewesen, erzählt er. Als eher trist und trostlos habe er die Stadt empfunden.
Und im Übrigen gebe es da offensichtlich ein großes Missverständnis: "Bei dem Text handelt es sich um eine Satire, die überspitzt. Nicht um eine Reportage", betont Gückel. Dass viele Leser dies offenbar nicht erkannt haben, ist in seinen Augen in erster Linie deren Problem, nicht das des Artikels. Nicht umsonst sei der Beitrag in der gedruckten Ausgabe der "taz" auf der Satire- und Humorseite erschienen und auch im Internetauftritt der Zeitung entsprechend eingeordnet.
"Vielleicht auch was Gutes"
Auch sei es so ungewöhnlich nicht, dass getroffene Hunde bellen, meint Gückel mit Blick auf die Reaktionen vieler Chemnitzer. Dass ein aufgebrachter Leser ihn persönlich aufgesucht habe, das allerdings sei ihm noch nie passiert. Auch für Maximilian Münch war es das erste Mal, dass er den Autor eines Zeitungsbeitrags derart zur Rede stellte. "Vielleicht hat der Artikel auch sein Gutes", meint der 19-Jährige. "Viele Chemnitzer, die ihn gelesen haben, treten jetzt klar für ihre Stadt ein."



11:47 Uhr
ralfaussachsen: Folgende Aussage finde ich noch mit am besten:
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Nicht umsonst sei der Beitrag in der gedruckten Ausgabe der "taz" auf der Satire- und Humorseite erschienen und auch im Internetauftritt der Zeitung entsprechend eingeordnet.
12:37 Uhr
wiwi: Als Chemnitzer steht man doch drüber!
Deutschland, was ist nur aus dir geworden! Deine Schreiberlinge sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Jeder, der hier 3 Sätze fehlerfrei über die Bühne bekommt, darf sich Journalist nennen. Wenn es dann schief geht, darf er sich immer noch hinter Begriffen wie Satire verstecken und die Schuld am eigenen Unvermögen den ?blöden, nichts verstehenden Lesern? in die Schuhe schieben.
Da kann ich doch nur im Interesse von uns allen den vielen seriösen Journalisten, Satirikern und Kabarettisten in Deutschland wünschen, sie mögen mindestens so alt werden wie unser JUPI Heesters und das bei vollem Bewusstsein. Es wird eine Zeit dauern, bis wir die ?Glückelsritter? und ihre Gönner aus den Redaktionen verbannt haben.
Journalistik und auch Satire haben eben auch etwas mit Können, Verantwortung und dem Blick für das, was man mit dem eigenen Tun auslöst, gemein.
Aber Herr G. mal zu ihnen.
Das ?IHNEN? lasse ich vorerst bewusst klein. Es fehlen mir momentan einfach der nötige Respekt und die Achtung ihnen gegenüber.
Satirisch gesehen sind sie mit ihren 32/33 Jahren doch ein ?Hans im Glück?.
Freilich, sie wissen das nicht!
Da zog einer aus mit dem Bonus eines großen und wissenden Bayern - Halt! ? Oberfranken-, kommt ins beschauliche Sachen um sich zu bilden. Nach ihrem Verständnis sicher ein Abstieg, schließlich seien ?die Journalistik-Seminare der generalistischen Auslegung des Studiums entsprechend bestenfalls nur oberflächlich? gewesen, sagten sie gegenüber medienMITTWEIDA.
Hat man sie an der Freien UNI in Berlin nicht genommen?
Wie auch immer, trotzdem eine gute Wahl. Aus Mittweida kommen viele gute Medienleute. Was man aus ihrer Zeit in Mittweida erfährt, ist eh nur eine Vorliebe zur Musik. Die Filmmusik soll ja nicht schlecht gewesen sein.
Warum blieben sie nicht dabei?
Dann das Volontariat bei einer technischen Fachzeitschrift in München. Technik ist doch auch was. Sie hätten vielleicht etwas Verständnis für Chemnitz entwickelt. Der Welt wäre viel erspart geblieben.
Jetzt sind sie ja endlich in Berlin auch ohne die UNI. Na und Berlin ist ja bekannt dafür, dass fast alles möglich ist. Ja aber eben auch dafür, dass man sehr schnell in der Versenkung verschwinden kann und im Versuch, sich mit Unsachlichkeiten und Beleidigungen nach oben zu schreiben, den rettenden Strohhalm sieht.
Das Leben als Freier ist eben nicht leicht. Ein Glück, dass es die meisten ihrer Leidensgefährden trotzdem mit Qualität versuchen.
Ach , was mir gerade noch einfällt, was ist eigentlich aus ihrem Online-Satire-Magazin www.milzwurst-deluxe.de geworden. Laut www.denic.de liegt die letzte Aktualisierung doch auch schon fast ein Jahr her, falls die Domain jemals mit Inhalt gesegnet war. Jetzt ist sie nur noch auf ihre Homepage verlinkt.
Satire ist wohl dann auch nicht so ihr Ding. Oder hab ich da was falsch verstanden?
Soviel von mir. Die Mühe einer 10-minütigen Internetrecherche und des kleinen sicher eher zynischen als satirischen Beitrages habe ich mir gemacht , nicht weil ich mich als Chemnitzer verletzt fühle, sondern weil ich glaube, dass sie ihr Leben noch vor sich haben und sicher manchmal auch ihr Berlin verlassen werden. Glauben sie mir, in ihrem Alter ist das Leben noch nicht vorbei.
Ich hoffe, in einem nächsten Beitrag zu ihren ?handgefertigten journalistischen Einzelstücken? (www. gckl.de) die Anrede wieder großschreiben zu können.
Als alter Metal?Fan wissen sie doch, ? Über jedes Bachel führt ein Brückel ??, Herr Glückel.
Ein väterlicher Freund aus Chemnitz
11:49 Uhr
Registrierter: Das kommt dabei raus, wenn man den Nischel unkommentiert weiterhin verehrt. Da wird mit diesem ewigen Kotz-Klotz die geile Aufbauarbeit zunichte gemacht. welchen Eindruck gewinnen Nicht-Eigeborene, wenn Sie nur auf der Durchfahrt sind und den Marktplatz nicht betreten? Spielhölle, Karl Marx, Naziladen, Döner und Vietnamesenkrempelshop friedlich vereint ;-)
Chemnitz ist doch selbst Schuld an dieser negativen Außenwirkung: Viel zu viel zu viel zu viel UNDERSTATEMENT. Mir kommt das große Ko..en wenn ich immer wieder höre. "Wass hammer hier denn schonnn!"
=> Hey, anpacken nicht ständig rummeckern!
21:08 Uhr
weber20041: Immerhin, nicht nur die Stadt selbst, sondern auch die Kontraste zur Kampagne "Chemnitz zieht an" werden ja hier durch den Kakao gezogen.
Es wäre schön, wenn im Artikel alles nur satirisch gemeint und die Realität eine ganz andere wäre. Fakt ist: Die öffentliche Wahrnehmung der Stadt, ihre Wirkung auf Besucher und auf noch ortsansässige Jugendliche ist nicht eben gerade gut. Selbstdarstellungen wie "Stadt der Moderne" oder "Chemnitz zieht an" wirken da eher lächerlich. Die äußere Erscheinung von Chemnitz passt leider überhaupt nicht in die ins aktuelle städtebauliche Wertebild: Top renovierte Fachwerkstädtchen, ehemalige Residenzstädte mit schönen Schlössern, Städte mit gewachsene und stark frequentierten Geschäftsvierteln, großen Konzernzentralen, Banken und Versicherungen finden die meisten Leute schön und lebenswert.
Nichts davon hat Chemnitz - leider. Dazu kommen - bundesweit sicher einmalig - die Wohn- und Industrieruinen, die unsere Straßen säumen, sowie ein sehr hoher Anteil an Bürgern im Rentenalter.
Uns Chemnitzern wird auf absehbare Zeit nichts übrig bleiben, als uns mit dieser Situation zu arrangieren, ohne Weh- und Übermut. Keiner und nichts kann diese Situation kurzfristig ändern. Da kann man auch weder dem Herrn Runkel oder sonst irgendwem was vorwerfen. Auch einzelne Projekte wie Renovierung am Brühl oder ähnliches werden nicht viel bringen
Etwas mehr Ehrlichkeit wäre aber für alle Seiten hilfreich: Chemnitz ist eine lebenswerte, kleine Industriestadt am Rande des Erzgebirges mit Verwaltung, Universität und Kulturbetrieb. Nicht mehr, aber immerhin auch nicht weniger.
20:41 Uhr
809626: Was heißt cui bono? Die Frage cui bono? (lateinisch für "Wem zum Vorteil"?) ? gelegentlich auch als "Qui bono" zitiert ? ist ein geflügeltes Wort, mit dem ausgedrückt wird, daß bei einem Verbrechen der Verdacht am ehesten auf denjenigen fällt, der daraus den größten Nutzen zieht. Was hat das nun mit Chemnitz zu tun? Ist Chemnitz ein stadtgewordenes Verbrechen an der dortigen Bevölkerung? Und was ist ein Gulag? Gulag ist ein Synonym für "Hauptverwaltung der Besserungsarbeitslager" und gleichzeitig ein Synonym für ein "umfassendes Repressionssystem in der Sowjetunion, bestehend aus Zwangsarbeitslagern, Straflagern, Gefängnissen und Verbannungsorten." Und noch ein Zusatz für die "Besserwessis", die den Osten Deutschlands noch nie besucht haben: Gulag kommt aus dem Russischen - und die Sowjetunion ist ein ehemaliger Staat auf dem Gebiet des heutigen Rußlands und der Anliegerstaaten. Soweit zur Aufklärung für die Ostdeutschland ignorierenden und belehrenden Wessis.
Um was geht es eigentlich? Es geht um einen Artikel in der TAZ vom 05.01.2012 von Michael Gückel (oder heißt der Herr gar Gockel?). Satire soll der Artikel sein. Nun, dann bin ich der Meinung, daß - wenn eine seriös erscheinen wollende Tageszeitung Satire abdruckt - diese auch als solche erkennbar sein muß. Ansonsten sollte man das den Satirezeitschriften überlassen. Der Eulenspiegel beispielsweise ist eine hervorragende ostdeutsche (!) Satirezeitschrift. Jedoch, was Herr "Gockel" hier vom Stapel lässt, ist Revolverjournalismus allererster Güte. Schlagzeilen und Aufmerksamkeit um jeden Preis. So weit her kann es mit der Seriosität der TAZ nicht sein. Und die Frage sei erlaubt: wer liest - und vor allem, wer glaubt solche journalistischen Pestgeschwüre?
Sicher führt Chemnitz in der Runde der ehemaligen sächsischen Bezirksstädte ein Stiefmütterchendasein, ungerechter Weise wohlbemerkt! In Chemnitz wird gearbeitet, in Leipzig gehandelt und in Dresden gefeiert. Dieser alte Slogan kommt nicht von ungefähr. Da ist ein Teil Wahrheitsgehalt dran. Auch der Begriff "Ruß-Chamntz" ist historisch gewachsen. Und er steht bei weitem nicht nur für verrußte und versmogte Stadtteile. Er bezeichnet(e) auch die Stellung Chemnitz´ zu Zeiten der Industrialisierung als einen Ort mit industriell-wirtschaftlicher Spitzenposition - die nun mal mit einer Vielzahl von Fabrikschornsteinen einherging.
Wenn überhaupt ein Städtevergleich Chemnitz gerecht wird, dann der: "Sächsisches Manchester." Muß ich Herrn "Gockel" erklären, wo Manchester liegt und was das Markante an Manchester ist? Nicht ? ok. Ein Vergleich als "Minsk des Westens" oder als "Celle des Ostens" ist so daneben, daß eigentlich die Celler und Minsker gleich mit auf die Palme gehen müssten. Noch schlimmer ist ein Vergleich mit Tschernobyl, einigen Regionen Nordkoreas oder Stalingrad im Winter 1943. Das ist nicht nur daneben, das ist auch keine Satire. Das ist makaber und völlig unter der Gürtellinie! Weiß diese Journaille eigentlich, welch unsagbares Leid dort herrscht(te)?
Plattenautobahnen gibt es schon lange nicht mehr. Kreuze am Fahrbahnrand gibt es in ganz Deutschland (und stoßen nicht auf meine Zustimmung). Wohnungsleerstand und Bevölkerungsschwund gibt es in allen Regionen Deutschlands. Mit dem als "Meteor" bezeichneten Karl-Marx-Kopf haben sich die Ex-Karl-Marx-Städter weitgehend ausgesöhnt. Aber Dekadenz und Degeneration gibt es scheinbar sogar bei der TAZ - zumindest bei den dortigen Redakteuren.
Kein Wort zu Chemnitz´ Vergangenheit, kein Wort zu Industriealisierung, kein Wort zu berühmten Chemnitzer Köpfen (Künstler, Industrielle, Erfinder). Kein Wort zu dem schweren Beginn nach der Bombardierung, kein Wort zu Industrie-Zerschlagung durch die Treuhand nach der Wende. Kein Wort zu immer noch bestehenden Ungerechtigkeiten zwischen West und Ost (Löhne, Mietnebenkosten etc.). Kein Wort zum Gründerzeitviertel Kaßberg. Kein Wort zur Burg Rabenstein, dem sehenswerten Wildgatter und dem angrenzenden Naherholungsgebiet. Kein Wort über den herrlichen Stadtwald "Zeisigwald". Kein Wort zum Industrie- und Eisenbahnmuseum, kein Wort über den schönsten Weihnachtsmarkt Sachsens. Kein Wort über das Sternmühlental oder den grünen Stadtteil Adelsberg. Keine Erwähnung des berühmten "Steinernen Waldes". Kein Wort zu den naheliegenden Ausflugszielen - und das Erzgebirge wird gleich noch mit diffamiert. Hilfreicher wäre es gewesen, den Wessis bei der Gelegenheit gleich mal zu erklären, wo das Erzgebirge liegt! Und nein: Sachsen liegt nicht in Thüringen. Kein Wort über die Chemnitzer Technische Universität, die vielleicht nicht den Bekanntheitsgrad der Uni Jena hat, aber dennoch sehr gute Absolventen hervorbringt - bei sehr günstigen Studienbedingungen!
Vielleicht sollten sich diese ignoranten Redakteure und deren Leser einmal das Buch "Chemnitz - eine Stadt in Bildern" von Dirk Hanus zu Gemüte führen. Der Bildautor führt uns in Ecken des heutigen Chemnitz und zeigt uns seine Sicht auf die Stadt.
Chemnitz hat mehr zu bieten, als "lebensgefährliche Pendlerstraßen und Resteinwohner", Herr Gückel! Man muß es nur sehen (wollen!!).
Herr Gückel, ich habe Sie vorher nicht gekannt, ich habe offenbar auch nichts verpasst - und ich werde Sie ganz schnell wieder vergessen!