Bora Cosic (Mitte) erhielt aus Händen von Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig den Stefan-Heym-Preis. Laudator war Fritz Pleitgen (links). 
Bora Cosic (Mitte) erhielt aus Händen von Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig den Stefan-Heym-Preis. Laudator war Fritz Pleitgen (links).

Foto: Andreas Truxa

Anerkennung für einen Aufrichtigen

Zum zweiten Mal hat die Stadt Chemnitz den Stefan-Heym-Preis verliehen - Diesmal an den Schriftsteller Bora Cosic

Chemnitz. Chemnitz. Als Bora Cosic zum ersten Mal vor etwa zehn Jahren in Chemnitz war, war er auch da sehr aufrichtig. Was für eine menschenleere Stadt dieses Chemnitz doch sei, stellte er damals fest. Und konnte mit ihr nicht viel anfangen. Nun ist er gnädiger. "Allmählich scheint sie sich zu füllen. Sie hat sich verändert", sagte er am Freitagvormittag. Aus Berlin, wo der kroatisch-serbische Schriftsteller heute lebt, war er nach Chemnitz gekommen, um am Abend den Internationalen Stefan-Heym-Preis der Stadt entgegen nehmen zu können.

Alle drei Jahre wird der mit 40.000 Euro dotierte Preis im Gedenken an den in Chemnitz geborenen Schriftsteller Heym verliehen. Erster Preisträger war 2008 Amos Oz.

Cosic, Jahrgang 1932, gilt als Erzähler und Satiriker, der sich erst kritisch mit seiner sozialistischen jugoslawischen Heimat auseinandersetzte, und dann mit dem Nationalismus, der das Land in den Krieg stürzte und auseinanderbrechen ließ. 1992 verließ er Serbien, weil er nicht unter dem Regime Milosevics leben wollte. Geehrt wird Cosic für seine Aufrichtigkeit, für seinen Mut, seine Meinung zu sagen, für sein Werben um Toleranz. Für die Radikalen in Serbien sei Cosic heute noch ein rotes Tuch, sagte Fritz Pleitgen. Der Journalist und einstige WDR-Intendant und ARD-Chef hielt zur Preis-Verleihung im Kleinen Saal der Stadthalle die Laudatio.

Dafür angefragt worden war Pleitgen unter anderem deshalb, weil er Stefan Heym gut kannte. Für ARD-Korrespondenten in der DDR, wie es Pleitgen jahrelang war, seien Menschen wie Heym gute Bezugspersonen gewesen, "weil sie ihre Meinung sagten, egal, welche Repressalien drohten". Bora Cosic hingegen traf Pleitgen am Freitag persönlich zum ersten Mal. Aber vor etwa 18 Jahren habe er Cosics Buch "Die Rolle meiner Familie in der Weltrevolution" mit "großem Gewinn und Vergnügen" gelesen, so Pleitgen. Schriftsteller wie Heym und Cosic - die sich in Berlin kennengelernt hatten - seien es, die in diktatorisch geführten Ländern die Hoffnung auf eine Zukunft in Freiheit wach halten, auch wenn sie auf verlorenem Posten zu stehen scheinen, von Machthabern als subversiv und Mitbürgern als Fantasten behandelt würden. "Aber es gehört zu den schönen Erfahrungen der Geschichte, dass sich diese Schriftsteller mit ihrer unbeirrbaren Haltung am Ende durchsetzen", sagte Pleitgen. Auch die Nachricht über die Verleihung des Heym-Preises an Cosic habe in Serbien zu positiven Reaktionen geführt. Und Cosic selbst macht Anzeichen aus, dass sich in Serbien langsam etwas bewege, dass es nun auch eine Reihe von Schriftstellern gebe, die keine Nationalisten sind.

Dennoch: Man müsse überall auf der Welt vor nationalistischen Ausbrüchen auf der Hut bleiben, sagte Cosic. Das unterstrich Pleitgen. Ihn mache es zudem nachdenklich, dass es offenbar gerade den Menschen in Ostdeutschland, wo wenige Ausländer leben, schwer falle, Offenheit zu zeigen, so Pleitgen.

Cosic trug sich am Freitag auch in das Goldene Buch der Stadt ein. Und er bleibt noch einige Tage hier. Auf dem Programm steht unter anderem die Besichtigung von Jugendstil-Häusern, der Besuch des Museums Gunzenhauser und ein Abstecher ins Erzgebirge. Seite 4: Fokus

 
erschienen am 01.07.2011 ( Von Katharina Leuoth )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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