Die "Mauer der Toleranz" war vor zwei Wochen mit schwarzer Farbe und Hakenkreuzen beschmiert worden. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. Inzwischen wurde die Fläche gesäubert und ausgebessert.
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Bürger wollen beschmutzte Hauswände nicht akzeptieren
Zahl der verfassungswidrigen Schmierereien geht zurück - Einwohner nehmen das anders wahr
Limbach-Oberfrohna/Hartmannsdorf. Die Zahl der Sachbeschädigungen geht in Limbach-Oberfrohna zurück. Das sagte am Dienstag Polizeisprecher Frank Fischer. Gab es 2009 noch 363 Straftaten, so waren es 2010 insgesamt 352. Ein geringer Anteil seien dabei politisch motivierte Schmierereien, die aber statistisch nicht gesondert aufgeführt würden, so Fischer.
Erst in der Nacht zum Buß- und Bettag hatten Unbekannte in Limbach-Oberfrohna die "Mauer der Toleranz", die Schüler als Zeichen für eine weltoffene Stadt gestaltet hatten, mit Hakenkreuzen und schwarzen Schriftzügen beschmiert. Die Ermittlungen der Kripo laufen noch, sagte Fischer. Bei politisch motivierten Straftaten werde das Dezernat Staatsschutz des Landeskriminalamtes hinzugezogen. "Wir bezeichnen politisch motivierte Kriminalität als Propagandadelikte", sagte Kathlen Zink von Landeskriminalamt. Dabei werde das Verbreiten von Propagandamitteln und Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen geahndet. Sie kann bestätigen: Sowohl die Straftaten mit rechtem als auch linkem Hintergrund seien seit 2008 rückläufig. Ein Viertel aller Straftaten von 2010 sind in Limbach-Oberfrohna aufgeklärt, sagte Frank Fischer. Das sei eine Steigerung um vier Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit eine gute Quote, erklärte der Polizeisprecher.
Rechte Parolen an altem Markt
Doch in der Öffentlichkeit spiegelt sich ein anderes Bild wider. "Ich fahre regelmäßig durchs Chemnitzer Umland. Besonders an verlassenen Gebäuden, an Hauswänden in Nebenstraßen befinden sich rechte oder linke Schmierereien", sagte ein 41-jähriger Handwerker aus Burgstädt. Steffen Richter aus Limbach-Oberfrohna bestätigt das: "Ich laufe bei meiner Joggingrunde durch Hartmannsdorf. Dabei fallen mir jedes Mal rechte Parolen an Hauswänden auf", sagte er. Vor allem das ehemalige Einkaufszentrum an der Carl-Kirchhof-Straße sehe schlimm aus. Er kritisiert, dass die Verwaltung es nicht fertig bringe, diese Farbe zu entfernen. Bürgermeister Uwe Weinert hat dafür eine ganz einfache Erklärung: "Das ist kein öffentliches Gebäude. Der private Eigentümer ist dafür zuständig." Dieser sei der Aufforderung nicht nachgekommen. Für "Freie Presse" war der Besitzer am Dienstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Obwohl der Bürgermeister mit keinen Zahlen aufwarten kann, so ist er sich sicher, dass die Zahlen rechten oder linken Schmierereien weniger geworden seien. "Wenn etwas festgestellt wird, entfernt der Bauhof die Schmiererei sofort", so Weinert. Er sei auch verärgert, wenn mit Graffiti das Ortsbild verschandelt werde, zumal das Geld durch das Beseitigen der beschmutzten Flächen an anderen Ecken fehle. Das sei eine unliebsame Randerscheinung dieser Zeit.
Anti-Graffiti-Schicht als Schutz
Damit müssen auch andere Orte leben. In Chemnitz seien dieses Jahr rechte Schmierereien an der Brunnenanlage am Roten Turm für rund 300 Euro entfernt worden, sagte ein Sprecher des Rathauses. Bei der Sanierung von öffentlichen Fassaden werde zudem eine Anti-Graffiti-Beschichtung aufgebracht. Dies sei auch bei der "Mauer für Toleranz" in Limbach-Oberfrohna erfolgt. Die Stadt habe laut Sprecherin Frances Mildner 2010 für das Entfernen von Schmierereien rund 3000 Euro investiert. Bisher seien es in diesem Jahr 1000 Euro, erklärte sie.
Burgstädt hat gute Erfahrungen mit einem besonderen Graffiti-Projekt. In regelmäßigen Abständen organisieren Kirche und Jugendklub eine Aufkleber-Abkratzaktion, erklärte Ordnungsamtsleiterin Cornelia Müller. In diesem Jahr seien an zwei Aktionstagen in der Innenstadt rund 600 Aufkleber mit radikalen Inhalten entfernt worden. Rund 2800 Euro habe das Entfernen von Schmierereien im Vorjahr gekostet.


