Chemnitz: Die "Mutter aller Blitzer": Trotz Dauereinsatz kaum Wirkung

Nirgendwo sonst in der Region kontrolliert die Polizei häufiger das Tempo als am Kreuz A72/A4

In den Blitz-Tipps des Verkehrsfunks gehört der Standort zu den Dauerbrennern, Radiomoderatoren witzeln bereits über die "Mutter aller Blitzer": Autobahn 72, Fahrtrichtung Leipzig, zwischen der Anschlussstelle Chemnitz-Rottluff und dem Autobahnkreuz Chemnitz. Allein im vergangenen Jahr hat die Autobahnpolizei dort an 150 Tagen die Geschwindigkeit kontrolliert. Damit rangiert dieser Einsatzort auf Platz eins der Kontrollstellen im gesamten Bereich der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge. Ob tags oder nachts, an Werk- oder Feiertagen, bei Hitze oder Frost, wie in den vergangenen Wochen: Nirgendwo in und um Chemnitz wird häufiger geblitzt.

Sage und schreibe 670.000 Fahrzeuge passierten allein im Jahr 2011 die Kontrollstelle. Etwa jedes 20. war laut Polizei schneller unterwegs als die erlaubten 100 Kilometer pro Stunde. Wer den Rekord hält, ist nicht bekannt, doch soll seit Beginn der Messungen im Jahr 2008 mindestens ein Raser mit 180 Sachen geblitzt worden sein.

Wie viele Bußgeldbescheide und Punkte im Flensburger Verkehrssünderregister auf dem Autobahnabschnitt bislang zusammengekommen sind, dazu allerdings ist weder die Polizei aussagefähig noch die Landesdirektion Chemnitz, die die aus den Messungen resultierenden Bußgeldbescheide verschickt. Nur soviel scheint laut Behördensprecher Joachim Eckert festzustehen: Aus Verkehrsverstößen aller Art, die auf allen sächsischen Autobahnen festgestellt wurden, flossen im vergangenen Jahr rund 4,1 Millionen Euro an Bußgeldern in den Landeshaushalt.

Während die Stadtverwaltung Chemnitz mittlerweile offen eingeräumt hat, dass die von ihr veranlassten Geschwindigkeitskontrollen nicht nur der Verfolgung von Verkehrssündern, sondern auch der Beschaffung von Einnahmen für den städtischen Haushalt dienen, geht es für die Autobahnpolizei nach eigenem Bekunden nach wie vor vor allem um die Verkehrssicherheit. Nach dem dreistreifigen Ausbau und der Fertigstellung der Überfahrt zur neu gebauten A 72 nach Leipzig hätten sich allein im Jahr 2008 mehr als 50 Verkehrsunfälle mit sechs zum Teil schwer verletzten Personen auf dem Abschnitt ereignet, schildert Frank Fischer von der Chemnitzer Polizei. In Analysen habe sich die Geschwindigkeit, mit der die Fahrzeuge dort unterwegs waren, als Hauptursache herausgestellt.

Doch zur Enttäuschung von Verkehrsexperten zeigen offenbar weder das seither geltende Tempo 100 noch die ständigen Geschwindigkeitskontrollen Wirkung. Nach 26 Verkehrsunfällen mit drei leicht Verletzten im Jahr 2009 stieg die Zahl der Unfälle im Folgejahr sogar auf 66, die der verletzten Personen auf 13. Für das vergangene Jahr liegen derzeit noch keine Zahlen vor.

Dass die Häufigkeit der Unfälle auf diesem Abschnitt am Ende zumindest teilweise auch etwas mit der ständigen Blitzerei zu tun haben könnte, etwa weil immer wieder Autofahrer abrupt auf die Bremse treten, um einem Bußgeld oder Punkten in Flensburg zu entgehen, dafür gibt es zumindest laut Polizei keine Anhaltspunkte. Zum einen seien Unfälle, die auf plötzliche Bremsmanöver zurückzuführen sind, während der Messzeiten nicht einzeln erfasst worden, so Polizeisprecher Fischer. Zum anderen gebe es auch keine Erhebung darüber, ob es inner- oder außerhalb der Messzeiten häufiger zu Unfällen kommt.

Auch bei jenem Auffahrunfall vor gut einem Jahr, bei dem eine Geschwindigkeitsmessanlage der Polizei zerstört wurde, soll eine "Notbremsung" nicht im Spiel gewesen sein. "Nach dem vorläufigen Ermittlungsstand zum Unfallhergang war der Auffahrende offenbar einfach zu schnell unterwegs", so Fischer. "Ob dafür Unaufmerksamkeit oder Restalkohol oder beides ausschlaggebend war, ist noch offen." Beim Unfallverursacher waren seinerzeit 0,46 Promille Alkohol festgestellt worden. Es entstand Sachschaden in Höhe von rund 86.000 Euro.

 
erschienen am 14.02.2012 ( Von Michael Müller )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
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  • 14.02.2012
    18:22 Uhr

    quatschkopf: das Blitzer keine wirkung haben ist klar bei den niedrigen Strafen in Deutschland. die Schuld an den Unfällen nun teilweise der Polizei zuzuschreiben ist nicht nur falsch sondern auch niveaulos. wer sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen hält braucht nicht apprupt zu bremsen, wer zu schnell ist und aus Angst vorm Blitzer einen Unfall baut ist selbst schuld.
    aber klar machen wir lieber andere für unser Fehlverhalten verantwortlich. Aber das ist und bleibt nun mal falsch.

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