Wie weiter am Conti-Loch? Die Stadträte von Chemnitz wollen ein Wörtchen mitreden. Wie weiter am Conti-Loch? Die Stadträte von Chemnitz wollen ein Wörtchen mitreden.

Foto: Andreas Seidel

Chemnitz: Stadträte wollen bei Bebauung des Conti-Lochs den Ton angeben

Pläne für Brache sollen Entwicklung der Innenstadt nicht behindern

Ein Neubau in der ältesten Baugrube der Stadt darf nicht zu Lasten der City gehen. Darauf drängen die Stadträte der großen Fraktionen im Ergebnis ihrer wöchentlichen Beratungen. Über Gestaltung und Nutzung wollen sie entscheiden. Im Mittelpunkt müsse das Bemühen stehen, einen Schandfleck nahe dem Stadtzentrum zu beseitigen, aber auch der City neue Besucher zu bringen, statt sie wegzulenken. Die Stadträte wollen dafür ihren Spielraum nutzen: Die Grünen fordern mehr Bedenkzeit, die FDP sieht die Chance für einen Wettbewerb der Investoren um die besten Ideen für die Fläche und die Linken erwägen, den Startschuss für das Planungsverfahren an Bedingungen zu knüpfen.

Den Auftrag für ein solches Verfahren könnte der zuständige Ausschuss des Stadtrates am Dienstag der Stadtverwaltung erteilen. Damit würde die bisher festgeschriebene Planung aufgehoben, an dieser Stelle ein Wintersportzentrum zu errichten. Stattdessen soll in einem etwa einjährigen Verfahren die Bebauung mit einer Einkaufs- und Parkgalerie geprüft. Thema wäre dann auch der Vorschlag von Investor Claus Kellnberger, der drei Parketagen unter der Erde sowie zunächst zwei bis drei Ladengeschosse unter anderem für einen Sportartikel- und einen Elektronikmarkt bauen will.

Doch diesen Beschluss wollen die Grünen nicht sofort treffen, sagte Fraktionschef Thomas Lehmann am Dienstag. "Uns wäre geholfen, wenn wir nach der Debatte noch ein, zwei Monate bis zur Entscheidung hätten." Das Conti-Loch, so sein Argument, lag 16 Jahre brach, warum jetzt eine Entscheidung über das Knie brechen? Beratungsbedarf sehe man vor allem zu Gestaltung, Umfang der Ladenfläche und Möglichkeiten einer für die City wichtigen Nutzung für Wohnungen. "Diese Ziele wollen wir im Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan konkreter festlegen", sagte Lehmann und verwies auf die stadtbildprägende Funktion der Baufläche.

Ausschussmitglied Thomas Scherzberg (Die Linke) macht seine Zustimmung von einem vernünftigen Bau-, Gestaltungs- und Betreiberkonzept abhängig. Er lehnt es ab, das Zentrenkonzept zum Schutz des Einzelhandels in der Innenstadt für das Projekt zu ändern. Das Papier lässt großflächigen Einzelhandel an dieser Stelle am Rande der City nicht zu. Seine Fraktion prüft, ob sie ihre Forderungen zur Grundlage im Planungsverfahren machen will.

Beratungsbedarf sieht auch die FDP. Dort sieht man die Gefahr, dass großflächiger Einzelhandel die Innenstadt und ihre Einzelhändler schwächen könnte. Dennoch wertet die Fraktion Kellnbergers Interesse und die Verkaufsbereitschaft des Eigentümers als positiv: Da das anstehende Bauplanungsverfahren nur die Nutzung, nicht aber den Bauherren festschreibe, erhoffe sich die Fraktion weitere Interessenten.

Prüfen ja, aber im Planungsverfahren, das dafür alle Möglichkeiten bietet, lautet hingegen die Forderung der SPD-Fraktion. "Wenn wir die Hürden zu hoch aufbauen, warten wir noch 50 Jahre, bis eine sechsgeschossige Bebauung ohne Einzelhandel kommt", argumentiert Fraktions-Chef Axel Brückom. Und sein Fraktionskollege Detlef Müller bekräftigt, es gehe jetzt zunächst darum, den Startschuss für die Planung zu geben. "Der Investor muss Gelegenheit haben zu investieren", so Müller. "Und wir brauchen eine Nutzung, die die Innenstadt nicht schädigt."

 
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Chemnitz: Stadträte wollen bei Bebauung des Conti-Lochs den Ton angeben
Kommentar: Chance nicht vergeben
 
erschienen am 11.01.2012 ( Von Grit Baldauf )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
5
(Anmeldung erforderlich)
  • 12.01.2012
    17:33 Uhr

    Hacketoni: 1. Nicht schon wieder alles kaputt diskutieren und einen vertrauensvollen Investor vergraulen.
    2. Bloß nicht schon wieder eine Billigmarktkette, Apotheke, Friseur, Fahrradgeschäft -haben wir genug und haut keinem vom Hocker.
    3. Lieber einen Ideenwettbewerb starten, was Chemnitz wirklich braucht um mehr Besucher anzulocken. Einzigartigkeit, Außergewöhnliches im Umkreis von ca 100 km sollte erwünschenswert sein. (zB. Skihalle, war ne super Idee) bei dem diesjährigem schneelosen Winter eine super Option für alle Wintersportfreunde aus nah und fern. Verbunden mit einem Erlebnispark mit echten versteinertem Bäumen an denen man mit Ski´ern vorbeifährt. Oder ein riesiges gläsernes Foyer, in dem man einen Kaffee oder Glühwein drinken kann und zwichen alten, versteinerten Fosilien loungiert. Nur mal kurz gesponnen! Sicherlich gibt es auch Möglichkeiten, an einer Ecke ne KITA noch unterzubringen. Kommt schon, CHEMNITZ BRAUCHT IDEEN!!!

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  • 12.01.2012
    11:45 Uhr

    ders: Jaaaa ... noch ein Shopping Center. Ballert Euch doch nicht Eure Stadt noch mehr zu. Zwei Innenstadtcenter und eine halbwegs funktionierende Innestadt - was wollt Ihr mehr?! Dresden mach die Fehler doch vor ... zu viel Fläche für zu wenig Kunden. Kurzfristig siehts ganz net aus, aber bringen Euch mittel- und langfristig brach liegende Einzelhandelsflächen?!

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  • 12.01.2012
    09:04 Uhr

    ChemB: Na für Wohnungen sehe ich da aber keinen Spielraum. Bahngleise nebenan und dann noch ideal an einem Verkehrsknotenpunkt gelegen. Familiengerechtes oder ruhiges Wohnen sieht da bei mir anders aus. Wenn man schon unbedingt bauen will, dann nur Gewerbe.

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  • 11.01.2012
    19:49 Uhr

    kauzvonhier: Zusatz: Die Stadt sollte sich dennoch überlegen, WAS sie hinbauen lassen möchte (auch in architektonischer Hinsicht). Wenn es geht, über 0815-Architektur hinaus und einem Zentrum angemessen - einer gewissen Anzahl an Stockwerken. Ist immerhin eine sehr zentrale Lage.. Die Frage sollte aber nicht sein, OB überhaupt ein solches "Einkaufszentrum" an der InnenstadtGRENZE gebaut werden soll. Wär ein bissl kleinkariert..

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  • 11.01.2012
    19:39 Uhr

    kauzvonhier: Jahrelang hat es keinen gestört als weit draußen riesige Einkaufscenter gebaut wurden, jetzt wird gemosert, weil das zu bauende Projekt sich gerade genau an der Grenze des definierten "Zentrums" befindet. Jedes andere der bestehenden großen Einkaufszentren (Sachsen-Allee!, Chemnitz-Center, Neefe-Park,...) schadet der Innenstadt mehr als ein neues (und wie es sich anhört auch noch relativ kleines) Center am Rande der Innenstadt und vor allem zwischen dieser und dem Hauptbahnhof! - also de facto im Zentrum, der "weitläufigeren" Innenstadt. Da kann man erzählen was man will, aber das zieht definitiv keine Kundschaft ab..

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