Um den Namen für diesen Platz dreht sich in Chemnitz derzeit eine lebhafte Diskussion.Foto: Andreas Seidel/Archiv
Chemnitz: Streit um Pläne für Stefan-Heym-Platz
Nach wem soll der Platz vor dem Landesarchäologiemuseum benannt werden?
Chemnitz. Alles scheint offen: Zwar haben CDU, SPD, Linke und Grüne gemeinsam beantragt, den Platz vor dem früheren Schocken-Kaufhaus nach dem Chemnitzer Ehrenbürger Stefan Heym zu benennen. Doch neben Heym sind jetzt auch Bauherr Schocken, Architekt Mendelsohn und der Gelehrte Christian Gottlob Heyne im Gespräch für das Areal vor dem künftigen Landesarchäologiemuseum, das 2013 eröffnen soll.
Am 10. April 2013 jährt sich Heyms Geburtstag zum 100. Mal. Anlässlich dieses Jubiläums möchten die Einreicher die Idee von Bürgern aufgreifen, des Sohnes der Stadt zu gedenken: "Die Benennung eines neu entstehenden, attraktiven Platzes nach dem Schriftsteller und Ehrenbürger bietet die Chance, dieses Gedenken dauerhaft im öffentlichen Bewusstsein zu halten." Zusammen mit dem Landesmuseum erhoffen sie sich eine stärkere überregionale Wahrnehmung der Stadt.
Heimatforscher wollen mitreden
Die Stadträte im Verwaltungs- und Finanzausschuss sowie im Planungs-, Bau- und Umweltausschuss haben dem Vorschlag mehrheitlich zugestimmt. Und dennoch melden jetzt Räte Gesprächsbedarf an. Insbesondere die FDP möchte die Anregung des Tisches für Heimat- und Denkmalpflege diskutieren - ein Versäumnis, das es aufzuholen gelte, wie die Liberalen und die Geschichtsfreunde selbst anmerken. Die Heimatforscher schlagen vor, dass die Fläche den Namen von Christian Gottlob Heyne tragen sollte. "Heyne wurde 1729 in Chemnitz geboren und starb am 14.Juli 1812. Er wirkte in Göttingen als Professor. Wenn wir einen Archäologen von Weltruhm haben, sollte man auch den Platz neben dem Archäologiemuseum nach ihm benennen", begründet Sprecher Peter Fritzsche den Vorstoß. Bislang erinnere kein Platz, keine Straße, kein Weg in seiner Heimatstadt an ihn.
Anderer Platz, andere Namen
Unterstützung erhalten die Heimatfreunde von Jörg Feldkamp. Auch der frühere Direktor des Industriemuseums spricht sich gegen die Benennung des Schocken-Vorplatzes nach Stefan Heym aus. Bei aller Verehrung für Heym könne er die Sinnhaftigkeit der Idee nicht erkennen, böten sich doch für den Platz am Schocken geeignetere Kandidaten an, schreibt der Kunsthistoriker und Archäologe an die "Freie Presse": "Da wären an erster Stelle der Bauherr Schocken oder dessen Architekt Mendelsohn zu nennen." Auch Feldkamp könnte sich überdies Christian Gottlob Heyne als Namensgeber vorstellen, weil er so ins Bewusstsein zurückgeholt werden könnte. Damit vertritt er denselben Standpunkt wie das CDU-Landtagsmitglied Peter Patt in einem Schreiben an OB Barbara Ludwig.
Patt und Feldkamp halten stattdessen den Platz vor dem Tietz zur Sparkassenseite hin für einen geeigneteren Ort, um Heym zu würdigen, zumal dort eine Verbindung zur Stadtbibliothek entstünde, so Feldkamp: "Ehre, wem Ehre gebührt - aber bitte am richtigen Platz."
Auch die Direktorin des entstehenden Landesmuseums meint, Heym könne auch für einen anderen Platz Namensgeber sein. "Er hat sich große Verdienste erworben, die man nicht schmälern darf", betont Sabine Wolfram ausdrücklich. Allerdings wären ihr die Kaufhaus-Gründer, die Gebrüder Schocken, oder Architekt Erich Mendelsohn als Namensgeber lieber, erklärt sie: "Sie würden eine bessere Verbindung zur Geschichte und zur Zukunft des Gebäudes herstellen."
In Teilen des Stadtrates haben die Vorschläge eine Debatte ausgelöst. Für die FDP spricht sich Fraktionsgeschäftsführer Eduard Jenke dafür aus, die "interessanten Ideen mit den Fachleuten vom Tisch für Heimat- und Denkmalpflege zu prüfen, wie es immer üblich war". Allerdings lässt die Stadtverwaltung keinen Zweifel, dass andere Namen bei der morgigen Abstimmung aus rechtlichen Gründen nicht zur Debatte stünden: Der Vorschlag der Räte sei auf Heym als Namensgeber zugeschnitten. Die Antragsteller könnten ihn daher nur zurückziehen.
Für die Benennung des Schocken-Vorplatzes nach dem Ehrenbürger setzen sich hingegen erneut Grüne und Linke ein. Für Grünen-Fraktionsgeschäftsführerin Petra Zais ist es eine politische Entscheidung. Schließlich habe Heym nicht nur lokale Bedeutung und der neue Platz repräsentativen Charakter. Auch die CDU hat in ihrer Fraktionssitzung gestern Abend die neuen Vorschläge nochmals diskutiert, teilte Geschäftsführer René Mann mit. Ergebnis: "Es ist davon auszugehen, dass eine Mehrheit dem Antrag für eine Benennung nach Stefan Heym zustimmt." Und Linke-Fraktionschef Hans-Joachim Siegel bezeichnet eine Benennung nach Heym als Bekenntnis für Demokratie und Toleranz: "Warum will man einen repräsentativen Ort nicht nach einer weltweit bekannten Persönlichkeit benennen?" Die jetzige Debatte hingegen löse national und international nur Kopfschütteln über die Stadt der Moderne aus.
Auch für die Internationale Stefan-Heym-Gesellschaft in Chemnitz steht fest: "Heyms Vermächtnis im Stadtbild sichtbar zu machen, wäre eine großartige Sache, er hat es verdient", meint die Vorstandsvorsitzende Ulrike Uhlig. Heym sei ein bedeutender Literat gewesen, "er zeigte Zivilcourage, war ein Weltbürger, und seine Bücher erscheinen noch immer in hohen Auflagen."


10:05 Uhr
schnellleserin: genau - nutzt die Homepage von Chemnitz ggf. auch unser Heimatblatt die fp und mcht eine Umfrage und entscheidet dann - das sollte dann auch fast nix kosten
09:34 Uhr
ChemB: Am Besten noch einen Ausschuß einberufen und 5 Wochen debattieren, als ob nix Wichtigeres ansteht.
Macht ne Namensvorschlagsliste, auf der Webseite von Chemnitz einen Umfragebutton und für die Internetlosen einen Telefonhotline und laßt die Bürger abstimmen.
Mein Vorschlag lautet ein blaues Schild mit einen P drauf.