Markantes Bild am Brühl: Im 17 Meter hohen Kältespeicher an der Mühlen-/Ecke Georgstraße (links) wird Wasser von 13 auf 5 Grad Celsius abgekühlt und aufbewahrt. Über isolierte Rohre fließt es zu Klimaanlagen bei den Kunden. Es dient beispielsweise auch zur Kühlung der Großrechner an der TU, indem Wärme aus den zu kühlenden Räumen aufgenommen wird.
Foto: Andreas Seidel
Chemnitzer Brühl erhält Energie-Mix aus Wärme und Kälte
Stadt legt Masterplan für die Wiederbelebung des Wohngebietes vor
Chemnitz. Fernwärme aus dem Heizkraftwerk und aus einer neuen Solarthermieanlage, kühle Luft aus dem Kältespeicher: Der Brühl bietet nach Einschätzung von Energieversorger Eins hervorragende Bedingungen für ein neues Energiekonzept. Andreas Hennig, der technische Geschäftsführer des mehrheitlich kommunalen Unternehmens, stellte es 200 Besuchern eines Bürgerforums vor, bei dem es um die Zukunft des Brühls ging.
Dreh- und Angelpunkt ist der Eins-Standort an der Mühlenstraße: Auf einem etwa 3000 Quadratmeter großen Teil des Geländes am Kältespeicher nahe der Georgbrücke, das nicht genutzt wird, will Eins eine Anlage errichten, die Wasser mithilfe der Sonne erwärmt. Dafür soll ein Kollektorfeld angelegt werden: Wasser fließt durch die Solarmodule, wird erhitzt, die Wärme wird gespeichert und kontrolliert weitergeleitet. Zusammen mit der Bauverwaltung im Rathaus und der Technischen Universität (TU) hat Eins die Pläne nach Hennigs Worten entwickelt. "Im Zusammenspiel der vorhandenen Infrastruktur und der Ergänzung durch neue Anlagen", sagte er, "sehen wir die Möglichkeit für ein umweltfreundliches Gesamtsystem, das den Brühl zuverlässig und zu bezahlbaren Preisen versorgt."
Als Grundlage verweist der Unternehmenschef zum einen auf den guten Zustand der Infrastruktur im Viertel: Stromnetz und die Stadtbeleuchtung etwa seien auf dem Stand der Technik, über einen Ersatz der mit Glühbirnen bestückten Straßenlampen durch energiesparende LED-Leuchten denke man nach.
Der Plan von Eins sieht nun vor, den Anteil von Fernwärme als Energiequelle zu steigern. Die Idee ist eine Kombination aus Fernwärme aus dem Chemnitzer Heizkraftwerk (HKW) und Wärme, die aus erneuerbarer Energie gewonnen wird: Bis zu zehn Prozent der benötigten Heizwärme könnte künftig die in der Solarthermieanlage erzeugte solare Wärme decken.
Hennig weist auf die kurzen Versorgungswege zwischen der neu entstehenden Anlage linkerhand der Mühlenstraße stadtauswärts und dem Brühl-Viertel rechter Hand der Mühlenstraße hin. Sie sorgten für hohe Effizienz und geringe Wärmeverluste, sagte er.
Insgesamt will das aus den Stadtwerken hervorgegangene regionale Versorgungsunternehmen Eins nach eigenen Angaben in den kommenden Jahren bundesweit 200 Millionen Euro in die Erzeugung erneuerbarer Energien investieren, darunter für Windkraft-, Biogasanlagen in Verbindung mit Blockheizkraftwerken, in Fotovoltaikanlagen, die Strom aus Sonnenenergie erzeugen, sowie in die Verwertung von Bioabfällen. Zweites Standbein des geplanten Energie-Konzeptes für den Brühl ist indes die Erweiterung des Chemnitzer Fernkältenetzes. "Neu entstehende Einrichtungen wie die TU-Zentralbibliothek in der Alten Aktienspinnerei sollen angeschlossen werden", so Hennig.
Für die Kälteversorgung wird Wasser in der Anlage am Kältespeicher an der Georgstraße von 13 auf 5Grad Celsius abgekühlt und aufbewahrt. Das Wasser fließt über isolierte Rohre zu Klimaanlagen bei den Kunden. Andererseits dient es auch zur Kühlung der Großrechner an der TU, indem Wärme aus den zu kühlenden Räumen aufgenommen wird. Das Chemnitzer Fernkältenetz misst 4,7 Kilometer. Laut Eins ist es das erste Fernkältesystem in Europa, das in einem Forschungsprojekt mit einem großen thermischen Energiespeicher ausgerüstet wurde. Derzeit sind unter anderem die Galeria Kaufhof, die Galerie Roter Turm, die TU an der Straße der Nationen, das Opernhaus und Tietz, das IHK-Gebäude und der Chemnitzer Hof angeschlossen. Im Bau ist auch eine Versorgung des Landesarchäologiemuseums im Schocken.



21:56 Uhr
derBuerger: Das Konzept funktioniert nur mit kurzen Wegen und mit geringen Verwaltungskosten. Solange die teure Verwaltung und Verteilung der Energie wie bei der Fernwärme den Preis auf 150% einer konventionellen hochtreibt ist sie für den Verbraucher unwirtschaftlich. Gerade bei schlecht zu isolierenden Gründerjahrehäusern ist eine günstige Energieversorgung wichtig.
der Bürger