Florian Block, Daniel Gängler und Christian Mitschke (von links) wollen alle EM-Partien analysieren und daraus Tipps für Trainer ableiten.
Foto: A. Truxa
Chemnitzer Studenten analysieren alle EM-Spiele
Fokus liegt auf Schüssen und Pässen
Chemnitz. Wenn dieser Tage Ronaldo, Özil und Co. bei der Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine an das runde Leder treten, schauen fünf Chemnitzer noch genauer hin als der gemeine Fußball-Fan. Sie haben sich vorgenommen, alle 31 Turnierspiele detailliert zu analysieren - und Tipps für Trainer und Schuhhersteller abzuleiten.
Ganz besonders werden Christian Mitschke, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Chemnitz, und vier Studenten des Fachgebiets Präventions-, Rehabilitations- und Fitnesssport auf die Füße der Protagonisten achten: Gegenstand ihrer Untersuchung sind die Pässe und Schüsse, die während eines Spiels getätigt werden. Mit einem Computerprogramm wird jedes Abspiel und jeder Schuss genau kategorisiert: War es ein kurzer oder langer Pass? War er hoch oder tief? Erreichte er sein Ziel? Wurde der Ball mit der Picke, also der Fußspitze, der Innenseite oder dem Vollspann gespielt? Mithilfe der Daten soll zum Beispiel ermittelt werden, welche Zusammenhänge zwischen Passverhalten und Erfolg der Mannschaft besteht, so Mitschke: "Sind viele Kurzpässe besser oder doch eher weite Bälle?" Selbst die Frage, die sich alle Beobachter stellen, soll beantwortet werden: Warum wurde genau dieses Team Europameister? Die Ergebnisse sollen veröffentlicht werden. "Vielleicht orientieren sich ja sogar die Trainer daran", hofft Christian Mitschke. Für Fußballschuh-Hersteller könne interessant sein, mit welcher Fußpartie am häufigsten geschossen wird: "Stürmer schießen beispielsweise oft mit der Außenseite, vielleicht kann man die optimieren."
Um in Ruhe analysieren zu könne, werden alle Spiele aufgezeichnet und Schritt für Schritt ausgewertet. Eine Fleißarbeit, weiß auch Student Daniel Gängler: "Wenn Spanien spielt, können da schon mal 800 Pässe zusammenkommen." Pro Spiel rechnen die fünf Chemnitzer mit mindestens drei Stunden Analyse. Ohne Bier und Chips - das gibt es nur beim Live-Schauen.

