Betriebsrundgang bei Niles-Simmons: Dolmetscher Liu Jian (Mitte) übersetzt den Managern aus Yangcheng die Erklärungen von Geschäftsführerin Micaela Schönherr zu einem Dreh-Fräs-Bearbeitungszentrum.
Foto: Andreas Seidel
Chinesen suchen Partner in Chemnitz
Auf Einladung der hiesigen Industrie- und Handelskammer sind gerade Manager aus Yangcheng zu Gast
Chinesen sind gern gesehene Gäste. Beim Chemnitzer Maschinenbauer Niles-Simmons nahmen sich Geschäftsführerin Micaela Schönherr und Vertriebsleiter Klaus Kräher Mittwochvormittag mehrere Stunden Zeit, um vier Managern aus der Stadt Yangcheng die deutsch-amerikanische Unternehmensgruppe vorzustellen und deren Standort in Siegmar zu zeigen. "China ist für die deutsche Werkzeugmaschinenbranche der Markt Nummer eins und für unsere Gruppe ist es immer interessant, dort in neue Regionen zu gehen", begründete Micaela Schönherr die Aufgeschlossenheit gegenüber den Besuchern.
Dabei ist die Niles-Simmons-Hegenscheidt-Gruppe in China bereits vergleichsweise gut im Geschäft, wie Vertriebsleiter Kräher den Gästen erklärte. Etwa 500 Maschinen und Anlagen habe die Unternehmensgruppe, die 2006 eine Tochterfirma im bevölkerungsreichstem Land der Erde gegründet hat, dort allein in den vergangenen zehn Jahren verkauft. Kunden seien vor allem die Autoindustrie und die Eisenbahn. Die Aufträge reichten von einzelnen Maschinen bis zu kompletten Fertigungslinien, beispielsweise für Kurbelwellen oder zum Überprüfen der Räder von Zügen. Trotzdem: "Wir sind immer froh über neue Kontakte zu Unternehmen vor Ort", sagte Micaela Schönherr.
Genau dieses Anliegen verfolge die Industrie- und Handelskammer (IHK) mit ihren Bemühungen um den Aufbau fester Beziehungen zwischen Südwestsachsen und Yangcheng, erklärte Michael Stopp, Referatsleiter für Industrie und Außenwirtschaft der IHK. "Für die mittelständischen Unternehmen unserer Region führt kein Weg daran vorbei, sich neue Märkte zu öffnen. Und China und Asien sind der Zukunftsmarkt schlechthin", so Stopp. Das nordchinesische Yangcheng habe acht Millionen Einwohner und passe von seiner Industrie her, die von Fahrzeug-, Maschinen und Werkzeugbau geprägt sei, genau zu Südwestsachsen, erklärte er.
Die chinesischen Gäste, unter ihnen Vertreter der IHK von Yangcheng sowie Manager eines Beschichtungsunternehmens und einer Zahnradfabrik, zeigten sich beeindruckt von den großen Bearbeitungszentren, die bei Niles-Simmons für Kunden in aller Welt entstehen. "In Yangcheng werden auch Maschinen gebaut, die sind aber viel kleiner", erklärte Dolmetscher Liu Jian. Die Gäste seien nach einem ersten Besuch im Vorjahr erneut nach Sachsen gekommen, um den Abschluss von Patenschaftsverträgen zwischen Yangcheng und Zwickau sowie zwischen den Industrie- und Handelskammern beider Regionen für Herbst dieses Jahres vorzubereiten. "Außerdem wollen wir Kontakte zu deutschen Unternehmen aufnehmen, um mit ihnen über Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zu sprechen", sagte Liu Jian.
Mittwochnachmittag besichtigten die Gäste, die seit Sonntag im Raum Zwickau und in Dresden unterwegs waren, das VW-Werk in Mosel. Am Donnerstag werden sie nach einem Besuch der Automobilmesse AMI in Leipzig wieder in Chemnitz erwartet. Geplant sind Gespräche bei der Maschinenbauinitiative VEMAS, im Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik und an der Technischen Universität.
1833 in Ohio gegründet
Die Firma Niles wurde 1833 in Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio gegründet. 1898 entstanden in Berlin die Deutschen Niles Werke, die 1930 den Chemnitzer Drehmaschinen-Hersteller Escher übernahmen. Das Chemnitzer Niles-Werk wurde 1950 in sogenanntes Volkseigentum überführt und in Großdrehmaschinenbau "8. Mai" umbenannt. 1964 übernahm die Simmons Corporation, Albany (New York), die Firma Niles, Hamilton (Ohio). 1984 kaufte Hans J. Naumann die Simmons-Gruppe. Er erwarb 1992 von der Treuhandanstalt das frühere Chemnitzer Niles-Werk und gründete die Firma Niles-Simmons Industrieanlagen. 2001 übernahm Niles-Simmons die Firma Hegenscheidt. Die Niles-Simmons-Hegenscheidt-Gruppe beschäftigt nach eigenen Angaben an Standorten in Deutschland, den USA und China insgesamt etwa 1100 Mitarbeiter, davon 400 in Chemnitz. Hergestellt werden Spezial-Werkzeugmaschinen unter anderem für die Automobil- und Eisenbahn-Industrie. (mib)

