Ursula und Bernd Lohs aus Chemnitz machten auf dem vor der italienischen Küste havarierten Kreuzfahrtschiff Costa Concordia Urlaub. Seit gestern Vormittag sind sie wieder zu Hause.
Foto: Andreas Truxa
Ehepaar aus Chemnitz überlebt Unglück auf Costa Concordia
Ursula und Bernd Lohs reisten zum ersten Mal mit einem Kreuzfahrtschiff - "Wir hatten Riesenglück"
Chemnitz. Sonntagmittag in der Wohnung des Ehepaares Lohs im Chemnitzer Stadtteil Furth: Im Fernseher flimmern Nachrichtenbilder. Das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia ist zu sehen - oder besser: das, was davon noch aus dem Wasser schaut. "Wenn ich die Motive sehe, wird mir ganz elend", sagt Ursula Lohs. Zwei Tage hatten sie und ihr Mann keinen Schlaf. Erst am frühen Morgen kam ihr Bus aus Italien in der Heimat an. Nach dem Unglück hätten beide "einfach nur funktioniert", sagt Ursula Lohs. Das ganze Ausmaß des Unglücks ist beiden erst Zuhause so richtig bewusst geworden.
Dabei war der Auftakt vielversprechend: In einem Chemnitzer Reisebüro buchten die Eheleute vergangenes Jahr die Fahrt. "Unser erstes Mal auf einem Kreuzfahrtschiff", sagt Bernd Lohs, selbstständiger Unternehmer. Gut 1000 Euro kostete die Reise pro Person. Dafür gibt es eine schmucke Kabine, gut 20 Quadratmeter groß, mit kleinem Balkon auf Deck 6. "Traumhaft schön", sagt Ursula Lohs.
Vom italienischen Savona geht es über Toulon in Frankreich und Palma de Mallorca, Sardinien, Palermo bis Rom. Nachts wird gefahren, tags gibt es Ausflüge. Am Samstag wäre Endstation für die Chemnitzer gewesen, wieder in Savona. Am Abend zuvor sitzt das Paar im großen Theater an Bord. Doch der Auftritt des Zauberkünstlers dauert nicht lange. Bernd Lohs: "Plötzlich gab es Geräusche." Ein Rollstuhl kommt in Bewegung, das Schiff steht schnell leicht schief. Dann geht das Licht aus. "Wir sind aufs Zimmer, jemand sagte: warm anziehen." Sirenen heulen, Kinder schreien. "Da war Panik überall", erzählt Ursula Lohs.
Das Ehepaar fasst sich an den Händen, läuft zu den Rettungsbooten - genau auf der Seite, zu der sich das Boot neigt. "Es war schrecklich. Die Crew war nicht in der Lage, das Chaos zu organisieren. Nicht einmal die Techniker wussten, wie das Rettungsboot zu Wasser gelassen werden sollte." Passagiere packen selbst mit an, lassen das rettende Gefährt am weiter kippenden Schiff nach unten. Einer der Fahrgäste steuert das Boot samt Ursula und Bernd Lohs schließlich zur nahen Insel Giglio, wo Einwohner die Kirche und eine Turnhalle öffnen und Hilfe anbieten. "Dort standen wir die ganze Nacht und haben auf die schreckliche Szenerie auf dem Wasser geschaut. Wie bei der Titanic", blicken die beiden gestern zurück. Und sind sich sicher: "Wir hatten Riesenglück. Wäre das Schiff weiter auf dem Meer gewesen, hätte es ganz anders ausgehen können."



18:51 Uhr
ChristinaLohr: Auch wenn das Liste der Unglücke eine sehr traurige Liste ist Aber das wohl bisher schlimmste Schiffsunglück wurde vergessen - Die 1945 gesunkene Gusttloff.
10:59 Uhr
Kommentar: Das ist natürlich die Geschichte des Tages! Allerdings wünscht man sich als Leser, mehr zu erfahren als die Beschreibung wie es im Wohnzimmer des Ehepaares Lohses aussieht. Artig, aber brav erzählt. Also richtig ins Unglück einsteigen als Schreiber, den Menschen erzählen, wie furchterregend es auf dem Kreuzfahrtschiff zuging, mit Herzblut. Der zweite Teil der Geschichte gefällt mir gut, auch dass das Ehepaar Riesenglück hatte.