Patrick Martin will in die USA auswandern. Seine Eltern finden das toll und haben die Flagge der Vereinigten Staaten im Garten gehisst, die bei Windstille mit der Hand gestraft werden muss.
Patrick Martin will in die USA auswandern. Seine Eltern finden das toll und haben die Flagge der Vereinigten Staaten im Garten gehisst, die bei Windstille mit der Hand gestraft werden muss.

Foto: Andreas Truxa

Einmal Amerika und nicht zurück

Patrick Martin hat eine Greencard gewonnen - Sein Flug startet in einer Woche - Kein Ticket zurück

Limbach-Oberfrohna. Patrick Martin hat seinen Entschluss gefasst. Der 24-Jährige will in die Vereinigten Staaten von Amerika auswandern. Am 23. August wird er in Berlin mit zwei Koffern in ein Flugzeug steigen und über den großen Teich in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten fliegen - eine Rückkehr nach Deutschland ist nicht vorgesehen.

Alles, was ihn an seine Heimat Limbach-Oberfrohna bindet, hat er gekündigt: seine Wohnung, seinen Job und selbst die Beziehung mit seiner Freundin. "Sie ließ sich nicht zu dem Abenteuer überreden, dann ist es besser so", begründet der Übersiedler. Was ihn motiviert? Es sei einerseits der Wunsch, etwas absolut Neues anzufangen. "Das hat einfach noch keiner in meiner Familie gemacht." Andererseits sei es die Mentalität der Amerikaner. "Die Leute dort denken anders als wir, sie sind viel aufgeschlossener und leben nicht so in ihrer eigenen Welt", sagt Martin. Das spüre man schon allein daran, dass die Amerikaner einen auf der Straße freundlich anschauen, statt wie hierzulande, wo immer alle wegschauen würden.

Die Vorstellung über das Land seiner Träume habe er vor allem aus Büchern von anderen Auswanderern, die fast nur Positives geschrieben hätten, erzählt er. Seine unmittelbaren Erfahrungen basieren bisher ausschließlich auf einem Drei-Tages-Trip nach New York Anfang des Jahres. Länger war Patrick Martin bisher nicht in den Staaten.

Vorher versuchte es der bald Ex-Limbacher seit drei Jahren immer wieder, eine Greencard zu bekommen - eine kleine grüne Plastikkarte, die einem Ausländer gestattet, in den USA zu leben und zu arbeiten. Jedes Jahr werden dafür einige Glückliche aus Millionen von Bewerbern gelost. Dieses Mal war Patrick Martin dabei. Als er das im Oktober 2010 erfuhr, habe er nicht lange gefackelt und seinen Entschluss verkündet, sagt er. Bis auf seine Freundin hätten sich alle mit ihm gefreut. Seine Eltern hätten gleich eine USA-Fahne im Garten gehisst.

Auch sein Arbeitgeber Andreas Quellmalz, ein Hersteller von Präzisionsteilen aus Kunststoff und Metall aus Limbach-Oberfrohna, habe die Entscheidung verstanden, wenn auch weniger euphorisch, da gerade jede Kraft gebraucht werde. Nun wartet in New Bern im Bundesstaat North Carolina ein neuer Job, eine Wohnung und ein Auto auf den jungen Mann: "Das hat mir mein neuer Arbeitgeber besorgt." Diesen zu finden, sei allerdings nicht einfach gewesen, sagt der gelernte Verfahrensmechaniker für Kunststofftechnik. Monatelang habe er Arbeit gesucht, unter anderem bei den amerikanischen Töchtern von VW und Continental - ohne Erfolg. Dann schrieb er an einen Kunststoffhersteller mit deutscher Mutterfirma und wurde genommen. "Beim Bewerbungsgespräch in Creglingen hat man mir erst vorgeschlagen, in einer leitenden Position nach China zu gehen, aber das habe ich abgelehnt", erzählt Martin. Er wollte in die Staaten, auch wenn er vorerst unter seiner Qualifikation arbeiten werde.

Aber in den USA könnten Menschen, die Leistung zeigen, schnell aufsteigen, glaubt er. Und das will der 24-Jährige. Dass die USA gerade in einer wirtschaftlich schwierigen Lage sind, dessen sei er sich bewusst. Aber er ist schon Amerikaner genug, um genug Optimismus an den Tag zu legen. "Wir haben bei uns die Wirtschaftskrise überstanden, also schaffen das die Amerikaner auch."

 
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Einmal Amerika und nicht zurück
Wer Weg in die USA
 
erschienen am 13.08.2011 ( Von Christian Mathea )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
(Anmeldung erforderlich)
  • 13.08.2011
    19:03 Uhr

    Gustav68: Willkommen bei uns. Als Gruenaer habe ich vor 54 Jahren, damals 22 Jahre alt, den gleichen Schritt getan. Reue gab es nie.
    Suedlaenderinnen machen wunderbare Frauen.

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