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Experten rätseln über Wegzug junger Frauen aus Chemnitz

In allen Altersgruppen bis 49 Jahre herrscht in der Stadt ein weibliches Defizit

Chemnitz. Die Chemnitzer Bevölkerungsentwicklung 2011 löst bei Experten für Wirtschaft und Arbeitsmarkt nicht nur Freude aus, sondern wirft auch Fragen auf. Laut jüngsten Zahlen aus dem Rathaus verzeichnete die Stadt 2011 mit 10.805 Zuzüglern die höchste Zuwanderung seit 1990. Gleichzeitig herrscht in allen Altersgruppen bis 49 Jahre ein Defizit an Frauen im Vergleich zur Zahl der männlichen Einwohner. Neben der häufigeren Geburt von Jungen vermutet der Soziologieprofessor Bernhard Nauck von der TU als Ursache die höhere Abwanderung von Frauen. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes trifft das in Chemnitz nur für die 18- bis 25-Jährigen zu. Zwischen 25 und 65 Jahren ziehen mehr Männer weg. "Der Mitte des letzten Jahrzehnts einsetzende und über die Jahre steigende Wanderungsgewinn ist Ausdruck der positiven wirtschaftlichen Entwicklung und des daraus resultierenden Fachkräftebedarfs der Unternehmen", kommentierte der Geschäftsführer der Wirtschaftsfördergesellschaft CWE, Ulrich Geissler, die Statistik. Laut einer Studie des Stadtplanungsamtes seien rund 80 Prozent aller Zuzüge beruflich motiviert. Auf eine Abnahme des Anteils speziell von jungen Frauen habe die CWE dagegen keinen Hinweis, so Geissler.

Michaela Barthel von der Arbeitsagentur kann sich zwar vorstellen, dass Chemnitz mit seinen vielen Arbeitsplätzen in technischen Berufen eher junge Männer als junge Frauen anzieht und gut qualifizierte junge Frauen anderswo besser bezahlte Arbeitsplätze finden. Doch Zahlenbelege dafür liegen auch ihr nicht vor. Die Zahl versicherungspflichtig beschäftigter Frauen habe in Chemnitz 2011 um 881 zugenommen. Trotzdem sei ihr Anteil an allen 83.543 Beschäftigten in der Stadt leicht von 49,2 auf 48,9 Prozent zurück gegangen. Es gab also insgesamt mehr Jobs in Chemnitz und die meisten davon für Männer.

Auch an der TU herrscht Männer-Überschuss. Von den 10.850 Studierenden sind laut Uni-Sprecher Mario Steinebach 4874 weiblich. Damit sei ihr Anteil für eine Technische Universität aber recht hoch, schätzt er ein, und führt es auf den hohen Anteil weiblicher Studenten in Fachrichtungen wie Philosophie, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zurück. Wie viele Studenten ihren Hauptwohnsitz in Chemnitz haben, konnte Steinebach nicht sagen.

 
erschienen am 13.01.2012 ( Von MIchael Brandenburg )
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