Erwin Jentsch aus Penig hat zum achten Mal das Opel-Oldtimer-Treffen organisiert. Er kam mit seinem Opel 4/20, Baujahr 1929. Vom Peniger Ortsteil Amerika fuhren die Teilnehmer mit ihren Autos nach Wolkenburg. Dort besichtigten sie die St.-Anna-Fundgrube und das Bergamtshaus (Foto).
Erwin Jentsch aus Penig hat zum achten Mal das Opel-Oldtimer-Treffen organisiert. Er kam mit seinem Opel 4/20, Baujahr 1929. Vom Peniger Ortsteil Amerika fuhren die Teilnehmer mit ihren Autos nach Wolkenburg. Dort besichtigten sie die St.-Anna-Fundgrube und das Bergamtshaus (Foto).

Foto: Sven Gleisberg

Mit dem Oldtimer in 22 Minuten von Amerika nach Wolkenburg

Erwin Jentsch organisierte zum achten Mal eine Rallye für Opel-Liebhaber aus ganz Deutschland

Wolkenburg/Penig. Opel feiert dieses Jahr sein 150-jähriges Bestehen. Während über Absatzrückgänge und Werksschließungen gesprochen wird, erinnerten sich Erwin Jentsch und 17 weitere Oldtimer-Freunde an die große Vergangenheit - in der sogar mal Fahrräder und Kühlschränke zur Produktpalette gehörten. Zum achten Opel-Oldtimer-Treffen mussten die Teilnehmer ein Quiz lösen. Außerdem wurde die Besten bei einer Gleichmäßigkeitsfahrt - 30 Kilometer pro Stunde durften nicht überschritten werden - auf der zehn Kilometer langen Strecke vom Amerika bis nach Wolkenburg ermittelt. Olaf Schlimpert aus Chemnitz war der Sieger. Alle Teilnehmer absolvierten in etwa 22 Minuten die Strecke.

"1967 habe ich meinen ersten Opel, einen 4/20, Baujahr 1929, gekauft", erinnerte sich Erwin Jentsch. Dieses Fahrzeug zeigte er am Sonntag auch in Wolkenburg. Der 73-Jährige hatte 2004 das Treffen erstmals organisiert. Seitdem kommen Oldtimer-Liebhaber jährlich zu einem Treff nach Amerika, den Ortsteil von Penig. "Das fand ich einfach originell, wenn es heißt: Wir fahren nach Amerika", erklärte der Peniger. Das assoziiere doch gleich, dass man eine Tour über den Großen Teich wage. Denn nicht alle wüssten, dass Amerika in Sachsen liegt. Seinen Namen bekam der Ort aufgrund des Umstandes, dass sich dort seit 1836 eine Kattun- oder Baumwoll-Druckerei befand, die für Besucher nur über die Mulde zu erreichen war - zunächst über einige große Steine, später über einen Kahn. Man wurde also über den Teich gezogen, dieser Ausdruck war damals schon für die Reise in die Vereinigten Staaten bekannt und so bürgerte sich der Begriff Amerika ein.

Dieses Jahr konnte Erwin Jentsch sogar noch eins draufsetzen: Der Senior war erst diese Woche von einer zweiwöchigen Besuchsreise aus dem echten Amerika zurückgekehrt. "Ich war erstmals in den USA, genauer in Nord-Dakota. Dort wohnen Verwandte von mir, die ich besucht habe", erzählte er. 1896 seien zwei Brüder und eine Schwester seines Großvaters ausgewandert. Der 56-jährige Enkel - also der Cousin von Erwin Jentsch - lebt heute mit seiner Familie auf einer Farm mit 150 Rindern. "Als Erinnerung habe ich mir einen Cowboyhut mitgebracht", sagte der Peniger. Den zeigte er stolz zum Treffen.

Die St. Anna-Fundgrube besichtigten die Teilnehmer am Sonntag erstmals. Jentsch hatte den Zielort bis zuletzt geheim gehalten. "Es soll immer eine Überraschung sein." Ältestes Fahrzeug war das von Werner Puggel vom Oelsnitzer Oldtimerclub. Er präsentiere einen sogenannten Laubfrosch - wegen der grünen Farbe -, einen Opel 4/12 aus dem Jahr 1924. "Es war das erste in Deutschland am Fließband gebaute Automobil und wurde bis 1926 produziert", erklärte Puggel. Er hatte das Fahrzeug 1970 vom Schrottplatz gerettet. In der Autowerkstatt seines Schwiegervaters hatte er das Auto damals aufgefriemelt. Heute präsentiere er sein Auto gern auf Ausstellungen und bei Rallyes, fügte er hinzu. Die Strecke von Oelsnitz im Vogtland bis nach Amerika legte der Laubfrosch allerdings auf dem Autoanhänger zurück. "Die Straßen sind zu schlecht und auf der Autobahn rasen die Leute einfach zu schnell", ergänzte er. Der Ein-Liter-Motor bringt das Auto auf eine Spitzengeschwindigkeit von 60 Kilometer pro Stunde, erklärte er. Laut Puggel gibt es weltweit nur noch 20 Stück von dieser Marke.

Begeistert von der Fahrzeugflotte war auch Horst Kappler aus Wolkenburg. Der Rentner war mit seinem Enkel Maximilian gekommen, um die Oldtimer zu bestaunen und die Führung in der St.-Anna-Gruppe mitzumachen. "Nach der Wende bin ich auch einen Opel gefahren", sagte der Wolkenburger. Seine Verwandtschaft aus dem Westen hätte ihm zu dieser Marke geraten. Später sei er dann aber zu VW gewechselt. Maximilian Kappler schaute fachmännisch die verschiedenen Opel-Modelle an. "Es ist einfach toll, was die Automobilhersteller früher vollbracht haben", sagte der 14-Jährige. Und sein Interesse kommt nicht von ungefähr: Maximilian Kappler ist dreifacher Deutscher Meister im Pocket-Bike, ein Mini-Motorrad. Der Schüler bereitet sich auf ein Rennen Anfang August am Schleizer Dreieck und Anfang September auf dem Sachsenring vor.

 
erschienen am 29.07.2012 ( Von Bettina Junge )
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