Kunden Adelheid Löbner (links) und Angelika Schulze aus Rußdorf waren Stammkunden im Edeka-Markt.

Foto: Andreas Seidel

Rußdorfer verärgert über Supermarkt-Schließung

Edeka an der Waldenburger Straße macht zu

Limbach-Oberfrohna. "Nah und gut" steht auf der Leuchtreklame des Edeka-Marktes in Rußdorf. Diese Eigenschaften hatte sich auch Betreiberin Sabine Füldner auf die Fahnen geschrieben. "Ich habe sehr viel Herzblut in den Markt gesteckt", sagt die Rußdorferin. Am Samstag muss sie ihren Markt schließen, zum Leidwesen vieler Anwohner. Der Umsatz reiche einfach nicht mehr aus, so Sabine Füldner. "Wir leben in einer freien Marktwirtschaft und wenn immer weniger Kunden kommen, ist es eine einfache Rechnung", fügt sie hinzu. Der Rückgang der Kunden sei verstärkt mit der Eröffnung des neuen Netto-Marktes an der Waldenburger Straße im November einhergegangen, sagt die Betreiberin.

Stammkunden wie Angelika Schulze und Adelheid Löbner werden fortan weitere Wege zur nächsten Einkaufsmöglichkeit zurücklegen müssen. An ihrem alten Supermarkt loben sie neben der Nähe das familiäre Klima. "Auch für Kommunikation untereinander wurde der Laden von den Menschen genutzt", sagt Angelika Schulze. "Es ist schade, dass wieder ein Laden in Rußdorf geschlossen wird. Erst vor einem viertel Jahr wurde der Schlecker geschlossen, so wird es immer schwieriger für Leute ohne Auto. Und das betrifft nicht nur die älteren Bewohner." Auch Christa Schenkel ist traurig über die bevorstehende Schließung. Die Rentnerin ist drei Mal in der Woche in den Edeka zum Einkaufen gegangen. "Noch kann ich ein kleines Stück laufen, aber bis zum neuen Netto-Markt schaffe ich es nicht", sagt die 88-Jährige.

Die Rußdorferin Martina Doberenz denkt gar über eine Unterschriftensammlung für die Rettung des Edeka-Marktes nach. "Wenn man als Bürger immer alles hinnimmt, darf man sich auch nicht über die Situation beschweren. Ich will, dass der Markt weiter besteht und dafür aktiv werden", sagt sie. "Nach der Schließung der Schlecker-Drogerie im vergangenen Jahr bekommt man langsam Angst, dass Rußdorf gewerblich ausstirbt", so Martina Doberenz. Außerdem sei die Betreuung im Edeka besonders persönlich und freundlich gewesen. "So etwas finde man in den großen Discountern kaum", ergänzt sie.

Stadt hat keine Lenk-Funktion

Die Schließung des Marktes ist aus Sicht des SPD-Stadtrates Jesko Vogel symptomatisch für eine Verdichtung des Angebotes in der Kernstadt Limbach-Oberfrohna und die Verschlechterung der Situation besonders für ältere Mitbürger in den ländlichen Ortsteilen. In diesem Bereich müssten Verwaltung und Stadtrat mit Blick auf die Veränderung der Bevölkerungsstruktur stärkeren Einfluss auf die Stadtentwicklung nehmen, auch wenn private Investitionsentscheidungen schwerer zu steuern seien.



Doch aus Sicht der Stadt ist das nicht ohne weiteres machbar. In dem Verfahren sei eine Ablehnung formal nicht möglich gewesen. Zudem sei ein optischer Missstand mit der Industriebrache beseitigt worden, sagt Bürgermeister Lothar Hohlfeld. "Die Stadt hat keine handelssteuernde Funktion. Wir können bei Supermärken bis zu 800 Quadratmeter nicht vorschreiben, wohin diese Hallen gebaut werden sollen", erklärt er weiter. Anders sei das bei Großmärkten wie dem Kaufland. Diese bräuchten besondere Gewerbeflächen für ihre Investition, von denen es in Limbach-Oberfrohna derzeit keine mehr gebe.

Zur Schließung des Edeka sagt Lothar Hohlfeld: "Ich kann die Umstände, die zur Schließung des Marktes in Rußdorf führen, nicht beurteilen, aber es darf bezweifelt werden, dass dies eine unmittelbare Folge des neuen Netto-Marktes ist." Die Versorger stünden im harten Wettbewerb. "Wenn einer schließen muss, ist das Ausdruck dieses Wettbewerbes, auch wenn das für uns teilweise nicht zu verstehen ist."

Im Gegensatz zu Sabine Füldner scheint Thomas Marschner, Betreiber eines 200 Meter vom Edeka-Markt entfernten kleinen Ladens, nach eigenem Bekunden noch keinen Umsatzrückgang durch die Eröffnung des Nettos registriert zu haben. "Mein Klientel ist aber auch ein anderes, als das von Edeka", sagt er. Seine Kunden seien überwiegend Rentner, die nur bestimmte Sachen kaufen würden. "Der große Familien- oder Wochenendeinkauf wird bei mir eher selten erledigt", so Marschner. Zudem betreibe er zwei weitere Geschäfte, ohne die sein Standort an der Waldenburger Straße nicht zu halten sei. Er müsse genau rechnen. "Schließlich sind wir hier in einer Kleinstadt, und der Kunde schaut immer nach dem Preis."

Sparkasse soll nicht schließen

Einige Rußdorfer befürchten auch, dass die Sparkasse im Ort schließt. Doch für dieses Gerücht gibt es offenbar keinen Grund. "Für eine Schließung der Filiale in Rußdorf muss der Verwaltungsrat entscheiden, und das ist nicht geplant", sagt ein Sprecher. "Mir ist auch nicht bekannt, dass irgendjemand in unserem Haus daran arbeitet."

 
erschienen am 11.01.2012 ( Von Steffi Hofmann und Christian Mathea )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
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  • 12.01.2012
    11:20 Uhr

    ders: lustig, nein eher bedenklich, finde ich, wenn die Leute/Einwohner erst über Geschäfte freundlich reden, wenn diese weg sind. Der Einzelhandel lebt nunmal vom täglichen Umsatz ... wenn keiner kommt stimmt entweder das Angebot nicht oder die Lage bzw. die Preisgestaltung. An Lage kann man bei Bestandsgeschäften nichts tun. Am Angebot in der Edeka Gruppe nur geringfügig. Am Preis ... auch nichts ... oder wären Sie bereit für ein Stück Butter 3,55 Euro zu bezahlen nur das der Markt erhalten bleibt?!

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