Vereinsmitglied Jörg Weidner (links) in traditioneller Bergmannskluft und Grubensteiger Paul Schurmann vor dem Bergamtshaus, das derzeit saniert wird. Den Fachwerkbau der alten Schmiede dahinter haben die Vereinsmitglieder mit der Hilfe von Sponsoren selbst wieder hergerichtet.
Foto: Andreas Seidel/Archiv
Sanierung des Bergamtshauses legt Spuren der Geschichte frei
Bis Mitte 2013 soll ehemaliges Gebäude des Grubensteigers in Wolkenburg wieder hergerichtet werden
Wolkenburg. Wie lange das alte Bergamtshaus in Wolkenburg schon steht, wissen die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Altbergbau und Geologie nicht genau. Aus dem Jahr 1690 gebe es die ältesten Schriftstücke, die die Existenz des Fachwerkbaus nachweisen, sagt Vereinschef Wolfgang Faust. Belegt sei auch, dass darin die Grubensteiger des Schönberger Bergbaureviers bis ins Jahr 1761 gearbeitet und gewohnt haben müssen.
Bei der Sanierung des Hauses tauchen die Bergbaufreunde immer tiefer in die Geschichte ein. "Für die Holzkonstruktion wurde Abbruchholz von Nachbargebäuden verwendet", sagt Faust. Auch Hinweisen über die frühere Nutzung wird nachgegangen. "An einer Wand haben wir Rußreste entdeckt, wenn wir darin Metallpartikel finden, dann könnte es früher im Bergamtshaus auch eine Silberschmelze gegeben haben." Eine Theorie, die durch ein nahezu identisches Bergamtshaus in Schneeberg bestärkt werde.
Während die Vereinsmitglieder gegenwärtig die Balken und Wände im Inneren frei legen, bereitet Architekt René Riemer die denkmalsgerechte Sanierung vor. "Es gibt große Schäden in der Holzkonstruktion, die wir zur Zeit begutachten müssen", sagt er. Erst soll die Grundstatik des Holzbaus saniert werden, danach erfolgt eine neue Dacheindeckung, Fassadenverkleidung und der Innenausbau. Die Fertigstellung ist laut Riemer für Sommer des kommenden Jahres geplant.
Paul Schurmann, Wolfgang Faust und Architekt René Riemer begutachten die Holzkonstruktion im Inneren.
Foto: Andreas Seidel
Das Bergamtshaus ist im Besitz der Stadt Limbach-Oberfrohna. Sie hat für die Sanierung 160.000 Euro in den Haushalt für 2012 und 2013 eingestellt. Ein Großteil davon sind Fördermittel aus dem Programm für ländliche Entwicklung. Kersten Kruse, Koordinatorin des Förderprogramms im Schönburger Land, begründet die Bewilligung mit der regional und überregional bedeutsamen Bildungsarbeit, die der Verein zum Thema Bergbaugeschichte und Geologie in Sachsen leistet. Außerdem stehe das Bergamtshaus unter Denkmalschutz und müsse erhalten bleiben, sagt sie.
Der Bergbauverein nutzt das Gebäude und die benachbarte alte Schmiede - diese hatten die Vereinsmitglieder vor drei Jahren mithilfe von Sponsoren saniert - seit dem Jahr 2000. Die neuen Räume im Bergamtshaus sollen hauptsächlich für die Archivierung der Bergbauinstrumente und der gefundenen Erze und Mineralien sowie für die Vereinsarbeit genutzt werden, sagt Paul Schurmann, der bis zur Wende als Grubensteiger in der Steinkohle in Nordrhein-Westfalen gearbeitet hatte. Im Wolkenburger Revier erforschen er und seine 16 Kameraden derzeit, unter welchen Bedingungen die Bergleute früher arbeiten mussten. "Das ist mit der heutigen Zeit überhaupt nicht zu vergleichen. Ich musste alles neu lernen", sagt Schurmann.
Derzeit sind die Bergbaufreunde dabei, den dritten Schacht in der St. Anna-Fundgrube freizulegen. Diese gehört zu einem der ältesten sächsischen Bergbaurevieren.
An Feiertagen nehmen die Bergbaufreunde Interessierte mit in die Stollen. Pro Jahr kommen laut Paul Schurmann um die 700 Besucher zusammen. Die nächste Begehung ist für den 29. Juli geplant. Dann findet gleichzeitig auf dem Gelände neben dem Bergamtshaus ein Oldtimer-Treffen.
Oldtimer-Treffen mit Opel-Fahrzeugen, 29. Juli von 10 bis 14 Uhr, neben dem Bergamtshaus, Zur Papierfabrik 10. Ab 12 Uhr sind Führungen durch die St. Anna-Grube möglich.

