Mitarbeiter einer Chemnitzer Elektrofirma reparieren derzeit im Garagenhof an der Straße Usti nad Labem die bei einem Brandanschlag zerstörten Verteilerkästen. Die Eigentümer der Anlage wollen mit der Einrichtung einer Bürgerwehr weitere Straftaten verhindern. 
Mitarbeiter einer Chemnitzer Elektrofirma reparieren derzeit im Garagenhof an der Straße Usti nad Labem die bei einem Brandanschlag zerstörten Verteilerkästen. Die Eigentümer der Anlage wollen mit der Einrichtung einer Bürgerwehr weitere Straftaten verhindern.

Foto: Andreas Truxa

Straftaten-Serie in Chemnitz: Garagenbesitzer wollen Bürgerwehr gründen

Polizei sieht Vorhaben der Mitglieder eines Garagen-Vereins in Kappel kritisch

Chemnitz. Mit fast 750 Stellplätzen ist die Garagengemeinschaft an der Straße Usti nad Labem im Stadtteil Kappel eine der größten ihrer Art in Chemnitz. Doch spätestens seit Juli 2011 ist der Frieden in der Anlage gestört. Seitdem häufen sich dort die Straftaten - vom einfachen Diebstahl bis zur folgenschweren Sachbeschädigung. Die Polizei hat dort bisher acht Straftaten registriert; Tatverdächtige konnten bisher aber keine ermittelt werden. Den Gesamtschaden schätzt der Vereinsvorstand mittlerweile auf mehr als 22.000 Euro. Was aber noch schlimmer ist: Wegen Vandalismus sind sämtliche Garagen der Anlage seit Sommer vergangenen Jahres von der Energieversorgung abgeschnitten.

Alles begann im Juli 2011 mit gekappten Stromkabeln, erinnert sich Vereinsvorstand Herbert Pieplow. Unbekannte hatten in einer lauen Sommernacht an allen 24 Garagenreihen die 220-Volt-Leitungen durchtrennt. Als der zuständige Energieversorger daraufhin die Hauptsicherung deaktivierte, seien wenige Tage später auch noch mehrere Starkstromkabel gekappt worden. "Wir vermuten, dass die Täter wussten, dass die Sicherung raus war", sagt Herbert Pieplow. Schließlich bestehe bei einer derartigen Aktion Lebensgefahr.

Der Vereinsvorstand hatte damals auch die Polizei eingeschaltet. Laut Pieplow läuft das Ermittlungsverfahren noch, doch den oder die Täter habe die Kripo bisher nicht gefunden. So setzten sich die Delikte fort: Schaukästen der Garagengemeinschaft wurden beschädigt, daraus Aushänge und Mitteilungen gestohlen. Den vorläufigen Höhepunkt der Straftaten-Serie erlebten die Garagenbesitzer vor wenigen Tagen: In der Nacht zum 16. Mai zerstörte ein Feuer in der Anlage mehrere Sicherungs- und Verteilerkästen. Pieplow vermutet, dass die Täter dort eine brennbare Flüssigkeit eingefüllt und anschließend angezündet haben. Die Höhe des Sachschadens geht laut Vereinsvorstand in die Zehntausende. "Wir haben für die Reparatur einen Kostenvoranschlag eingeholt, der liegt zwischen 17.000 und 20.000 Euro", so Pieplow.

Zwischenzeitlich hatten die Eigentümer der Garagen diese Summe sogar schon zusammen. Ob das Geld für die Reparatur der Stromversorgung nach dem neuen Anschlag von Mitte Mai noch ausreicht, stehe allerdings noch nicht fest, sagt Pieplow. Mittlerweile geht in der Anlage zudem die Angst um. "Das Durchschnittsalter unserer Mitglieder ist hoch", sagt der Vereins-Chef. "Die Leute trauen sich abends oder nachts nicht mehr in den Komplex." Einige Garageneigner ließen ihr Auto mittlerweile lieber im Freien stehen, als den Unterstand in der Anlage zu nutzen.

Daher sieht sich der Vorstand zum Handeln genötigt. Zunächst hat das Gremium eine Belohnung in Höhe von 1500 Euro ausgelobt - für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen. Außerdem sei man dabei, eine Bürgerwehr aufzubauen, sagt Pieplow. "Wir wollen täglich ab Mitternacht Streifengänge machen", kündigt er an. Ob sie damit weitere Straftaten verhindern können, weiß der Vereins-Chef nicht. Aber die Kontrollgänge sollen den oder die Täter zumindest abschrecken.

Bei der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge sieht man die Einrichtung einer Bürgerwehr zumindest kritisch - wegen mangelnder Rechtskenntnisse und fehlender Befugnisse, wie Pressesprecher Frank Fischer auf "Freie Presse"- Anfrage mitteilt. "Die Polizei plädiert immer wieder für die Mitwirkung der Bürger bei der Bekämpfung der Kriminalität. Aber nicht durch sogenannte Bürgerwehren, sondern durch Aufmerksamkeit und sofortige Information der Polizei bei verdächtigen Wahrnehmungen", so Fischer. Auch das sei Zivilcourage.

 
erschienen am 29.05.2012 ( Von Swen Uhlig )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
4
(Anmeldung erforderlich)
  • 31.05.2012
    00:39 Uhr

    Rob1982: Liebe schnellleserin,
    das meiste was Sie aufgezählt haben ist Landespolitik, dass momentan von CDU/FDP bestimmt wird. Fragen Sie doch mal die Landesregierung, warum 6 Milliarden auf der hohen Kante liegen und davon NICHTS für Bildung (Schulpolitik ist Landespolitik) oder Polizei oder ähnliches bereitgestellt wird. Denke, da ist der Punkt wo es dringend Handlungsbedarf gibt!!!!

    0 2
     
  • 30.05.2012
    10:58 Uhr

    schnellleserin: es fehlt nicht nur an Geld für eine vernünftig arbeitende Polizei, es fehlt auch an Geld für ausreichend Lehrer und an für vieles andere auch.

    Leider stelle ich zunehmend fest, dass ein schleichender Rückzug des Staates bei der Übernahme seiner eigentlich grundlegenden Aufgaben erfolgt.

    Es geht nur noch um Einsparungspotential und Rückbau.

    Es stellt sich mir gelegentlich die Frage: wieviel Staat kann und will sich die Gesellschaft leisten.

    Müllabfuhr -> Privatisieren
    Krankenhäuser -> Privatisieren
    Speiseversorgung in Krankenhäuseren -> Privatisieren
    Schulen -> schließen
    Klassenstärke an Schulen -> erhöhen
    Springbrunnen -> abschalten
    Bahnstrecken -> stilllegen
    Polizei -> abbauen

    Es gibt ja auch schon Gedanken dazu, private Sicherheitsdienste im Strafvollzug einzusetzen.

    Wird dadurch alles besser oder tritt das Gegenteil ein?

    1 3
     
  • 30.05.2012
    10:38 Uhr

    fehler: @Deluxe
    Es fehlt vor allem an Millionen für ein gut ausgebautes Präventionssystem (Bildung, Kultur, Soziales, Sport), so dass nicht erst Polizei eingreifen muss, wenn Bürger auf Bürger trifft.

    0 5
     
  • 30.05.2012
    06:56 Uhr

    Deluxe: "Sofortige Information der Polizei" - das ist nichts als dunkelgraue Theorie.
    Denn die Polizei kommt nicht. Jedenfalls nicht schnell genug, sondern oft erst nach Stunden, insbesondere zu den Nachtzeiten. Weil Nachtschichten unterbesetzt sind oder von vornherein viel zu knapp geplant werden, weil Streifenwagen und Personal fehlen.
    Bei mir festigt sich der Eindruck, daß an unserer Polizeipolitik erst grundlegende Änderungen stattfinden, wenn die Bürger zunehmend selbst Hand an ihre Sicherheit anlegen. Bis es dabei zu Exzessen kommt, ist nur eine Frage der Zeit - aber wo sich der Staat immer mehr zurückzieht und seiner Verantwortung nicht gerecht wird, füllt sich die Lücke entweder durch steigende Kriminalität oder durch Selbstjustiz.
    Wir haben Milliarden für Griechenland, Billionen für Europa. Aber es fehlt an wenigen Millionen für eine vernünftig arbeitende und ausgestattete Polizei.

    1 5
     

 
 
 
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