Ines Pohl, Chefredakteurin der "Taz".Foto: Anja Weber/"Taz"
"Taz"-Spott für das Stadtoberhaupt von Chemnitz
Redaktionsleiterin wundert sich, wie ernst die Oberbürgermeisterin Satire nimmt
Chemnitz. Mit beißender Ironie hat die Chefredakteurin der Berliner Tageszeitung "Taz", Ines Pohl, auf einen Brief der Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig reagiert. Es sei interessant zu lesen, "welche Wirkmächtigkeit die Oberbürgermeisterin Meteoriten zugesteht", so Pohl zur "Freien Presse". Sie könne sich nicht erklären, ergänzte sie, warum das Stadtoberhaupt den in der "Taz" veröffentlichen Text "in einem wörtlichen Sinne ernst nimmt".
Ludwig hatte in dem Schreiben an Pohl die Veröffentlichung eines satirisch gemeinten Chemnitz-Textes kritisiert, der am 2. Januar in der "Taz" veröffentlicht worden war. In dem Beitrag hatte es in Anspielung auf den Marx-Kopf geheißen, in Chemnitz habe ein Meteor eingeschlagen und die schönsten Fußgängertunnel und Straßenbahnhaltestellen verwüstet. Zugleich hatte der Autor des Textes geschrieben, Chemnitz habe eine Aura, "wie sie nur wenige Orte auf der Welt ausstrahlen - Tschernobyl vielleicht, manche Teile Nordkoreas oder Stalingrad im Winter 43".
In ihrem Brief lädt Ludwig "Taz"-Redakteure nach Chemnitz ein, um sich selbst ein Bild zu machen und statt "unerträglicher Vorurteile das echte Chemnitz" zu zeigen.
Barbara Ludwig, Chemnitzer Oberbürgermeisterin.Foto: dapd
Diese Einladung ist Pohl offenbar gewillt anzunehmen. Sie freue sich sehr über die Einladung, teilte sie der "Freien Presse" mit. "Ich reise gerne nach Chemnitz, um über den Sinn und Unsinn von Satire zu diskutieren. Am liebsten vor großem Publikum", so Pohl wörtlich.
Zugleich verteidigte sie den Beitrag, der auf der Satire-Seite der "Taz" veröffentlicht worden war. "Der Text erfüllt alle Kriterien, die Satire erfüllen muss: In der Zuspitzung klärt er auf. Die Übertreibung ärgert und rüttelt auf. Das genau schließlich will Satire", so die "Taz"-Chefredakteurin. Es sei offensichtlich, dass der Autor mit dem Text sehr erfolgreich ist. Pohl: "Kaum sonst dürften sich so viele Menschen mit Chemnitz auseinandergesetzt haben, wie das aufgrund dieses Textes passiert ist."



16:31 Uhr
Catrin: Liebe Frau Pohl,
in der Freien Presse vom Samstag lese ich, Sie meinen, der Text erfülle " ... alle Kriterien, die Satire erfüllen muss: In der Zuspitzung klärt er auf ..." Worüber, bitteschön, klärt dieser Artikel auf?
Ich freue mich über jeden Gast in meiner Stadt. Sie bleiben besser, wo der Gückel schreibt. Sollten Sie dennoch nach Chemnitz reisen, um " ... über Satire zu diskutieren", rechnen Sie bitte nicht mit meiner Teilnahme.
Dos is dr Beddl ni wärd.
13:06 Uhr
809626: Frau Ludwig trifft allemal mehr meinen Nerv und mein Verständnis, als es die Chefredakteurin der TAZ (Frau Pohl) tut. Daß diese ihren Redakteur, (wenn auch Gastredakteur, so viel ich weiß) in Schutz nimmt, ist nur allzu verständlich. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Und Frau Ludwigs Brief ist rethorisch und inhaltlich top! Daß in Chemnitz noch längst nicht alles in dem Topf ist, wo es kocht, wissen wir selbst. Aber das war nie und nimmer Thema dieser Pseydo-Satire von Herrn Gückel. Und genau das haben die (meist Chemnitzer) Kommentatoren auf der Seite des TAZ-Artikels sehr wohl erkannt.
17:12 Uhr
Chri: "Ich will nicht nach Berlin" singt die aufstrebende Band Kraftklub aus Chemnitz. Allesamt junge Musiker aus Chemnitz, um die 20 Jahre alt, deutschlandweit ausverkauft. Ihre jungen Fans jubeln - deutschlandweit.
Chemnitz hat seine großen Stärken und fatale Schwächen, vor allem immer wieder neue Chanchen - u. a. auch im Satirebereich, wie man liest.
In diesem Sinne liebe TAZ: Weiter so, ihr macht unsere Stadt nur noch berühmter!
01:46 Uhr
angemeldeter: Das Prospekt der neuen Jugendherberge könnte fast aus DDR-Zeiten stammen. Ist der Nischel tatsächlich das einzige Wahrzeichen?
http://www.jugendherberge-sachsen.de/fileadmin/chemnitz_umformwerk/downloads/pdf/chemnitz_hp_2011.pdf
Realsatiere ist älter:
www.chemnitz-zieht-weg.de
00:18 Uhr
Sconox: "Der Text erfüllt alle Kriterien, die Satire erfüllen muss: In der Zuspitzung klärt er auf. Die Übertreibung ärgert und rüttelt auf. Das genau schließlich will Satire"
dieser text erfüllt die kriterien nicht nur er überschreitet diese um ein beträchtliches maß, wenn ich an die kommentierung und denunzierung der kreuze am strßenrand erinnern darf!
"Kaum sonst dürften sich so viele Menschen mit Chemnitz auseinandergesetzt haben, wie das aufgrund dieses Textes passiert ist."
das halt ich für ein gerücht, nicht umsonst kommen aus dieser stadt und umgebung soviele sportliche talente, erfinder und co. überall wo ich durch berufliche tätigkeit gewesen bin hörte ich: "hey ich kenn da jemanden, ..." und wenn man mal in sich reinhorcht wird wohl jeder, auch wer nicht aus unserer stadt kommt, diesen text als übers ziel hinausgeschossen betrachten!