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Seit August 2004 ist die Lok mit der Nummer 99 715 auf der Preßnitztalbahn im Einsatz.

Foto: Lothar Müller

"Alte Dame" stürzte auch schon kopfüber den Bahndamm hinunter

Die Lok mit der Nummer 99 715, die auf der Strecke der Preßnitztalbahn unterwegs ist, wird 90 Jahre alt. Der Oldtimer hat einiges erlebt.

Von Lothar Müller
erschienen am 17.03.2017

Jöhstadt. Sie ist ein richtiger Veteran. Dabei ist sie weder müde noch altersschwach. Im Gegenteil: Die bullige Dampflok aus der Familie der sächsischen VI K kommt auf der Museumsbahn Steinbach-Jöhstadt oftmals dann zum Einsatz, wenn lange Personenzüge über die reizvolle Strecke geschleppt werden müssen. Schließlich hat der Dampfer weit über 400 PS. Am Samstag und Sonntag ist der kräftige Oldtimer anlässlich seines 90. Geburtstages zu den Fahrtagen auf der Museumsbahn Jöhstadt unterwegs.

Dabei handelt es sich bei der 1927 gebauten Maschine eigentlich um einen sogenannten Nachbau der VI K. 47 solcher Loks waren in den 1920er-Jahren in Kassel, Karlsruhe und in der "Sächsischen Maschinenfabrik vormals Richard Hartmann", in Chemnitz gebaut worden. Seit August 2004 ist das gute Stück mit der Nummer 99 715 auf der Preßnitztalbahn im Einsatz. Allerdings handelt es sich nicht um ein vereinseigenes Fahrzeug. Eigentümer ist die "GbR 99 715 Wilsdruff".

Erst 2003 war das Gefährt in Meiningen wieder instand gesetzt worden. Denn 1974 verlosch das Feuer im Kessel der Lokomotive für längere Zeit. Von da an fristete sie bis 1991 in Radebeul als Denkmal ihr Dasein. Danach war sie weiterhin nicht betriebsfähig bei verschiedenen Eisenbahnvereinen zu Gast. Ihre goldenen Zeiten erlebte die reichlich 42 Tonnen schwere Maschine vor allem auf dem Wilsdruffer Schmalspurnetz vor den Toren Dresdens. Sie dampfte unter anderem zwischen Klingenberg-Colmitz und Frauenstein, wo die "alte Dame" 1971 bei Oberbobritzsch einmal kopfüber den Bahndamm hinunter stürzte. Grund für den Unfall war ein Schienenbruch gewesen.

Wenn man so will, ist die in Chemnitz gebaute Maschine auch ein Erzgebirger. Fabrikneu ausgeliefert musste sie sich auf dem Thumer Schmalspurnetz zuerst bewähren. Am 30. März 1927 war sie taufrisch von der Hartmannschen Lokschmiede nach Meinersdorf überführt worden. Wenige Tage später absolvierte sie ohne Probleme ihre Probe- und Abnahmefahrt nach Thum. Von diesem Zeitpunkt an dampfte sie bis September 1936 über die Gleise der Thumer Strecken.

Bei der IG Preßnitztalbahn wird der Dampfer, dem Experten eine ganz besondere "Sinfonie" bei ihren Abdampfschlägen nachsagen, nach allen Regeln der Kunst in Schuss gehalten. Lars Fiedler, langjähriges Vereinsmitglied, hat die fünfachsige Lok in persönlicher Pflege. "Und es macht Spaß mit ihr zu fahren", versichert der Lokführer. Noch dazu, wo sie derzeit das einzige betriebsfähige Exemplar ihrer Gattung ist.

Am Wochenende fahren die Züge von 10.05 Uhr bis 16.05 Uhr ab Jöhstadt im Zweistundentakt. Außerdem findet am Samstag ab 17.30 Uhr im Kulturhaus Steinbach ein Vortrag in Wort und Bild über den Einsatz und die Stationierung der 99 715 statt.

 
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