An der Kleinen Kirchgasse darf jetzt tagsüber jedermann parken.
Foto: B. März
Annaberg-Buchholz zaubert Parkplätze aus dem Hut
Physisch betrachtet ist zwar nicht eine Stellfläche neu gebaut worden, dennoch stehen in der Innenstadt etwa 150 mehr zur Verfügung
Annaberg-Buchholz. Es klingt ein bisschen verrückt: Während andere Orte oft viel Geld in die Hand nehmen, um Parkplätze zu schaffen, hat die Kreisstadt einfach mal so etwa 150 Stellflächen aus dem Hut gezaubert. Und die Kosten dafür belaufen sich insgesamt auf gerade einmal rund 35.000 Euro. Das sind umgerechnet lediglich rund 233 Euro je Parkplatz. Zum Vergleich: Ein einziger Stellplatz im geplanten Parkhaus an der Scheibnerstraße würde nach jetzigen Plänen etwa 19.000 Euro kosten.
Mit Hexerei hat das allerdings nichts zu tun. Das Zauberwort heißt Mischsystem. Dabei werden vorhandene Stellflächen doppelt genutzt. Dass heißt, bislang als reine Bewohnerparkplätze ausgeschilderte Flächen kann wochentags in der Zeit von 8 bis 17 Uhr sowie samstags von 8 bis 13 Uhr jedermann nutzen. Dafür ist lediglich ein Parkschein zu lösen oder es genügt - wie zum Beispiel auf der Kleinen Kirchgasse - eine Parkuhr in das Fahrzeug zu legen. So darf dort problemlos jeder Gast bis zu drei Stunden stehen.
"Ich finde dieses Mischsystem sehr gut. Man kann dadurch jetzt überall ein paar Stunden parken", sagt Melanie Kreyer. Das ist die eine Seite. Und wie sieht es als Anwohnerin aus; bekommt sie als Inhaberin einer Bewohnerparkkarte noch immer einen Stellplatz oder sind die alle von Fremden blockiert? "Ich habe diesbezüglich bislang kaum Probleme gehabt. Das war vorneweg schlimmer, weil viele Autofahrer oft schwarz auf Anwohnerparkflächen gestanden haben", sagt die Annabergerin.
Diese Aussagen bestätigt sinngemäß auch Andrea Fiedler, Sachbearbeiterin Straßenverkehr im Rathaus. "Wir haben mit diesem Mischsystem im Prinzip rund 150 Parkplätze mehr", so Fiedler. Dabei handelt es sich um ehemalige reine Anwohnerparkflächen. Diese seien bisher meist nur nachts belegt gewesen, wenn die Inhaber der dafür erforderlichen Bewohnerparkausweise zu Hause waren. Sind sie dann morgens zur Arbeit gefahren, hätten diese Stellflächen in der Regel leergestanden, weil etwa ein Tourist dort bislang nicht parken durfte. "Jetzt ist das anders. Wir nutzen quasi die vorhandenen Flächen effektiver aus. Dass deswegen Anwohner keinen Parkplatz mehr gefunden haben, ist mir nicht bekannt. Es hat sich jedenfalls deswegen noch keiner bei mir beschwert", sagt Fiedler.
Geregelt hat das der Stadtrat alles mit seinem Beschluss zur Parkraumbewirtschaftung, zu dem auch die Parkgebührenverordnung gehört, im Dezember vergangenen Jahres. In Kraft getreten ist das Ganze vor nunmehr fast fünf Monaten, am 1.März. Endgültig abgeschlossen wird die neue Parkstruktur allerdings erst 2013, da unter anderem noch zwei Parkscheinautomaten gekauft und aufgestellt werden müssen. Deren Standorte werden jeweils die unteren Teile der Buchholzer Straße sowie der Großen Kirchgasse sein. Damit sollen den Autofahrern lange Wege zu den bereits bestehenden Automaten erspart werden, sagt Fiedler.
Dass die Stadt ein Parkplatzproblem hat, habe der sogenannte "Rahmenplan in Bezug auf fehlende Stellflächen im Altstadtgebiet von Annaberg-Buchholz" gezeigt, der vor der Neustrukturierung in Auftrag gegeben wurde. Aus diesem Papier sei hervorgegangen, dass in besagtem Gebiet der Stadt 1043 Stellplätze fehlen.


08:19 Uhr
Jothade: Saubere Lösung!
Leider nicht auf andere Städte übertragbar, die diese Parkraumbewirtschaftung schon mit der Ersteinrichtung der Anwohner-Parkflächen eingerichtet haben ;-)