Bürgermeister Holger Hanzlik in seinem Haus in Jöhstadt beim Präparieren der Langlaufski.
Foto: Brigitte Streek
Der schnellste Stadtchef des Erzgebirges peilt erneut Erfolg an
Holger Hanzlik, Bürgermeister in Jöhstadt und Langlauf-Ass, startet mit besonderen Zielen ins Jahr 2012
Jöhstadt. Den Druck will er von sich nehmen, doch der Ehrgeiz lebt. Für den Jöhstädter Bürgermeister ist ein besonderes Jahr angebrochen. Einerseits erreicht Holger Hanzlik dieses Jahr die 60, andererseits möchte er gern im Langlauf erfolgreich sein. Nicht bei irgendeinem Wettbewerb, sondern bei der Weltmeisterschaft in Oberwiesenthal. Im März werden dort die besten Senioren des Erdballs ermittelt.
Wie viele Kilometer der Jöhstädter bislang in der Vorbereitung herunterschrubbt hat, will er nicht verraten. Doch nach Stunden auf dem Rad, mit Rollski und auf Langlaufbrettern stimmen ihn die Testwerte optimistisch: "Im April in Oberwiesenthal und im August in Chemnitz habe ich meine Leistungsfähigkeit diagnostizieren lassen. Beim Fitnesszustand war eine deutliche Steigerung zu sehen. Die Grundlagenausdauer stimmt."
Dennoch geht es für den 59-Jährigen keineswegs nur um Gold, das er bereits zweimal mit der deutschen Staffel bei Weltmeisterschaften gewinnen konnte: 2009 im französischen Autrans und 2011 im kanadischen Sovereign Lake. "Der persönliche Erfolg ist nicht so maßgebend. Wichtiger ist, dass wir die Region bestens präsentieren", sagt der gebürtige Lübecker, dessen Langlaufkarriere vor knapp 50 Jahren mit dem letzten Platz bei einer Schulmeisterschaft begann. Kurz zuvor waren seine Eltern mit ihm aus Zwickau ins Erzgebirge gezogen, doch bis zum Mauerbau verbrachte er seine Ferien immer bei den Großeltern in der Marzipanstadt.
"Dort musste ich täglich je ein Glas Brennnessel- und Möhrensaft trinken", erinnert sich Hanzlik an die gesunde Lebensweise, die ihm sein Großvater eintrichterte. Vielleicht - keiner weiß es genau - liegt darin eines der Geheimnisse, die Jahrzehnte später in Weltmeisterschafts-Gold mündete.
Ein anderes liegt mit Gewissheit in Hanzliks Selbstdisziplin. "Ich stehe jeden Tag um 6 Uhr auf, bin 7 Uhr im Rathaus", sagt er. "Alle wichtigen Termine, auch die am Wochenende, nehme ich außerdem wahr. Das sehen unsere Bürger, und deshalb fiebern sie auch bei Wettkämpfen mit mir mit", ist sich der Ortschef sicher. Zumindest Ausreden lässt er nicht gelten. "Es stimmt nicht, wenn jemand sagt, er hat keine Zeit. Man muss sie nur geschickt einteilen."
Holger Hanzlik tut das, rennt zwischen Terminen auch schnell mal los. "Mindestens fünf Trainingseinheiten pro Woche schiebt er ein, drei wochentags und zwei am Wochenende. Zwischen 60 und 150 Minuten quält er sich dann. Als übertrieben erfolgshungrig sieht er sich aber nicht. "Natürlich sind Siege schön. Aber ich betreibe das Skilaufen aus Freude und zur Entspannung. Denn während ich nach einem Bürotag manchmal richtig kaputt bin, fühle ich mich nach dem Sport fit. Das kommt mir dann bei den 60-Stunden-Arbeitswochen zugute", ist Hanzlik überzeugt.
In Oberwiesenthal, quasi vor der Haustür, setzt sich der 59-Jährige aber nicht unter Druck. "Ich bin der Älteste meiner Klasse. Viele Starke rücken nach. Da wäre es vermessen, nur Medaillen im Sinn zu haben." Für ihn ist nicht mal sicher, ob er in der Staffel laufen darf, denn deren Starter werden erst nach den beiden Einzelrennen nominiert. Ein Plus aber hat er, da er die Strecken am Fichtelberg kennt und in der Klassik- sowie Skatingtechnik ähnlich gut ist. "Schade, dass es keinen Duathlon gibt", fügt er deshalb hinzu.
Doch das Jahr 2012 besteht für den Bürgermeister nicht nur aus Skilaufen. "Die Schulsanierung und der Bergmannstag fordern ebenso Einsatz. Das Amt lasse ich nicht schleifen", versichert er, um dann doch wieder die Loipe in den Blick zu nehmen. "Ich helfe auch im Organisationskomitee des World Masters Cups. Vor allem sind dort meine Erfahrungen gefragt, die ich bei sechs Weltmeisterschaften sammeln durfte."
Nationalhymnen und -flaggen gehören dazu. Vielleicht werden sie ja für Holger Hanzlik gehisst und gespielt. Beim Erzgebirgsskimarathon unterzieht er sich dem letzten Wettkampftest. "Danach entscheide ich, wo ich starte. Eine Woche im Februar fürs Training und im März zur WM mache ich dann Urlaub." Alles "genehmigt" von seinen beiden größten Fans: Ehefrau Christel und Tochter Anke.


