Pfarrer Karsten Loderstädt vor der Weihnachtskrippe mit geschnitzten Figuren in der St.-Annen-Kirche der Kreisstadt.

Foto: Bernd März

Ein Kirchenmann im Weihnachtsstress

Für Gemeindepfarrer ist Heiligabend ein Arbeitstag mit vollem Terminkalender

Annaberg-Buchholz. Als Gemeindepfarrer von St. Annen lässt sich Karsten Loderstädt nicht leicht aus der Ruhe bringen. Auch am Heiligen Abend nicht, der für ihn mit dem Dienst bei der Frohnauer Christmette um 5.30 Uhr beginnt und oft erst nach Mitternacht endet, wenn die Predigt für den ersten Christtag fertig ist. Dazwischen liegen Besuche bei Bewohnern des Wohn- und Pflegezentrums in Frohnau, ein schnelles Mittagessen, drei Christvespern und schließlich ein paar Stunden im Kreise der Familie.

Frische Brötchen nach Frühmette

"Mein größtes Problem ist die Sorge, die Frühmette in Frohnau zu verschlafen", sagt Karsten Loder- städt und lacht: "Ich habe zwei Wecker aufgestellt in der Hoffnung, dass ich wenigstens einen höre." Noch vor fünf Uhr morgens verlässt er das Haus, um mit der Gemeinde und den Krippenspielern des CVJM Christi Geburt zu feiern. Auf dem Heimweg holt der Familienvater frische Brötchen. Nach dem Frühstück geht's in die Pfarramtskanzlei zu letzten Absprachen und in die von Touristen bevölkerte Kirche.

"Das sind die Momente, wo Leute ganz typische Weihnachtsfragen stellen", weiß der Gemeindepfarrer: "Einmal wollte jemand wissen, ob es noch Karten gibt für das Weihnachtsmärchen am Nachmittag. Für mich heißt das: Tief durchatmen und den Leuten zu erklären versuchen, worum es an diesem Tag eigentlich geht." Einmal habe ihm ein Besucher gesagt: "Sie sind doch hier der Weihnachten-Macher."

Nach dem Mittagessen steht die erste von drei Christvespern in St. Annen auf dem Terminplan, bei der Karsten Loderstädt als "moralische Stütze" anwesend ist. "Die jungen Leute vom CVJM sind dankbar, wenn wir vorher noch ein Gebet zusammen sprechen und sie wissen, dass ich da bin", so der 48-Jährige.

Wenn das nächste Mal die Glocken läuten, kämpft der Geistliche mit Lampenfieber: "Mir ist immer ganz übel vor Aufregung, weil ich weiß, da sitzen 1000 Leute in der Kirche. Bei dieser Christvesper herrscht eine sonderbare Stimmung, eine Art spannungsvolle Unruhe. Man kann die Erwartungen der Menschen förmlich mit Händen greifen und hat als Pfarrer die schöne und zugleich schwere Aufgabe, die Hoffnungen und Wünsche nicht zu enttäuschen. Es ist mir wichtig, dass jeder etwas von der Liebe Gottes spürt und einen Lichtstrahl mitnimmt."

Weißes Schaf schwarz gefärbt

Karsten Loderstädt freut sich, dass die zweite Christvesper viele Familien mit Kindern anzieht. Ihnen wendet er sich in seiner Predigt in besonderer Weise zu - eine Aufgabe, die sorgfältig vorbereitet sein will, wie sich der Gemeindepfarrer schmunzelnd erinnert: "Einmal habe ich die Geschichte vom schwarzen Schaf namens Roberto erzählt, das wegen seiner Farbe von allen anderen Schafen ausgegrenzt wurde. Doch ein Lichtstrahl des Weihnachtssterns hat Roberto aus der Dunkelheit geholt, und die Kinder haben ihm in der Krippe ein Bett aus leuchtenden Sternen gebaut." Allerdings sei es ihm nicht gelungen, ein schwarzes Plüschschaf aufzutreiben, so Karsten Loderstädt. "Schließlich habe ich ein weißes Schaf gefärbt. Seither wohnt Roberto in der Weihnachtskiste und kommt im Advent zu uns in die Wohnung."

Am späten Nachmittag folgt in St. Annen eine dritte Christvesper. "Die habe ich im vergangenen Jahr auch gehalten. Es war nicht leicht, sich so schnell auf den ganz anderen Charakter dieses Gottesdienstes umzustellen", erinnert sich der 48-Jährige. Heuer ist bei diesem Anlass nur seine Frau im Dienst: Lioba Loder-städt singt im Chor. Ihr Mann kann diese Vesper als Gast genießen.

Dann geht es zurück ins Pfarrhaus, um im Kreise der Familie Weihnachten zu feiern bei Bratwurst, Sauerkraut und Kartoffeln - einem Heilig-Abend-Essen, das nach den Worten von Karsten Loderstädt aus der Familie seiner Frau stammt: "Ich habe das Getränk beigesteuert: Bei uns zu Hause gab es an diesem Abend Malzbier", erklärt der Pfarrer die kulinarischen Traditionen im Hause Loderstädt.

Wenn spät am Abend Ruhe einkehrt, geht der Gemeindepfarrer noch einmal an die Arbeit. "Ich kann die Predigt für den 25. Dezember nicht schreiben, ehe ich nicht die Erfüllung der Christnacht erlebt habe", sagt Karsten Loderstädt und hofft, dass er diese tiefen Emotionen an seine Gemeinde weitergeben kann.

 
erschienen am 22.12.2011 ( Von Petra Kaden )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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