Erzgebirgische Tourist-Informationen antworten schnell
Freie Presse testet Tourist-Informationen der Region
Annaberg-Buchholz. Immer mehr Gäste kommen ins Erzgebirge, um hier ihren Urlaub zu verbringen. Drei Millionen Übernachtungen hat das statistische Landesamt für 2011 verzeichnet - mehr als je zuvor. Zudem nutzt laut einer Analyse jeder zweite Tourist das Internet, um schon vorab Informationen über sein Ziel einzuholen. Da Ferienort-Suchende meist mehrere Anfragen abschicken, hängt ihre Entscheidung nicht zuletzt davon ab, wie schnell und individuell die Antwortschreiben ausfallen. Grund genug für "Freie Presse", per Mail den Service von Touristinformationen in der Region zu testen.
Positiv: Fast alle Einrichtungen haben geantwortet - und taten es schnell. An einem Mittwochabend ging die Anfrage an insgesamt neun Tourismusbüros raus. Sieben reagierten binnen 24 Stunden, eine weitere Antwort traf am übernächsten Morgen ein. Eine davon bestand aber lediglich aus einer automatischen E-Mail, die schnellstmögliche Kontaktaufnahme verhieß - dabei blieb es dann auch.
Wenig Behindertengerechtes
Besonders flink reagierte der Tourismusverband Erzgebirge. Bereits am nächsten Vormittag hatte die Mitarbeiterin eine behindertengerechte Unterkunft inklusive Preisangabe herausgesucht, auch lohnenswerte Ausflugsziele wurden genannt. Lobenswert: Die Angabe, wie lang man dorthin fährt. Einen Tag länger dauerte es in Geyer, mit Verweis auf eine schwierige Suche: "Leider sind behindertengerechte Unterkünfte im Erzgebirge nicht sehr zahlreich." Dennoch fand die Touristinformation zwei Angebote, wies auch freundlich auf Veranstaltungshöhepunkte am Wochenende hin. Ähnliche Zeilen gab es von der Touristinformation Greifensteine. Auch dort schrieb man in netten Worten von der Schwierigkeit, geeignete Unterkünfte im Umkreis zu finden, konnte aber ein Hotel vermitteln. Schade: Ausflugstipps wurden nicht erteilt.
Sehr persönlich und umfangreich fiel die Antwort aus Sehmatal aus. Der Mitarbeiter hatte schnell in einem Gästehaus nachgefragt, Kontaktdaten übermittelt und sogar eine zweite Mail in Aussicht gestellt. Die folgte zügig, vollgepackt mit zahlreichen Informationen zu augenscheinlich altersgerechten Veranstaltungen. Auch die Antwort der Jöhstädter Touristeninformation vermittelte das Gefühl, ernst genommen zu werden. Neben detailliertem Wissen zu Unterkünften gab es immerhin Internetverweise zu Veranstaltungskalendern. Einen anderen Weg ging Bärenstein. Dort wurde die Zimmer-Anfrage an sieben Hotels und Pensionen weitergeleitet, mit der Bitte um direkte Antwort an den potenziellen Gast. Das Resultat ernüchterte: Keine einzige Einrichtung meldete sich zurück.
Überraschend: Aus Annaberg, Schlettau und Oberwiesenthal war auch nach einigen Tagen nichts im Postfach zu finden - bis auf die Eingangsbestätigung aus dem Kurort.
Technik macht zu Schaffen
Auf Nachfrage klärten sich diese Fälle teils auf. Annaberg hatte durchaus geantwortet - im Anhang mit einem ausführlichen Übernachtungsangebot inklusive Preisen, sogar eine Reservierung war dabei. Veranstaltungstipps waren aber Fehlanzeige, wobei sich gerade in der Kreisstadt eine Großveranstaltung anbot. Allerdings war die Antwort-Mail nicht beim Adressaten angekommen, offenbar wegen eines Problems mit der angehängten Reservierungs-Datei beim Empfänger. Von solchen Vorfällen wird im Internet immer wieder berichtet - gut möglich, dass das ohne Verschulden von Touristinformation oder Gast für Missverständnisse sorgt.
Unklar bleibt die Lage in Schlettau. Laut Manfred Drechsel vom Förderverein Schloss Schlettau sei die betreffende Nachricht nicht angekommen. Er betont: "Wir haben seit sechs Jahren das Service-Zertifikat des Tourismusverbandes und werden so ständig geschult, dass wir jede Mail innerhalb eines Tages beantworten". Erst im April habe es eine solche Schulung gegeben. Umgehend war die Antwort aus Oberwiesenthal erfolgt: "Ihre Anfrage wird schnellstmöglich durch unsere Mitarbeiter bearbeitet und beantwortet." Als nichts kam, hakte "Freie Presse" nach. Ganz offen räumte Fremdenverkehrsleiterin Franziska Köglmeier ein Versehen ein. Zwar habe man die Anfrage beantwortet, jedoch sei die Antwort leider nicht abgesendet worden. Die rund 100 täglichen Anfragen in jener Woche will sie nicht als Rechtfertigung verstanden wissen: "Wir sind weiter bestrebt, jeden Tag dem Gast den Service zu bieten, welchen er erwartet."

