Kreisstadt veräußert ihr "letztes Filetstück"
Ehemaliges Forsthaus Königswalde wechselt für 108.000 Euro den Besitzer
Annaberg-Buchholz. Das ehemalige Forsthaus Brettmühle 6 in Königswalde wechselt den Besitzer. Die Kreisstadt als bisheriger Eigentümer des eingeschossigen Zweifamilienhauses, zu dem auch rund 3560 Quadratmeter Grundstück gehören, hat per Ratsbeschluss für die Veräußerung des Anwesens an Privat gestimmt. Als Verkaufspreis wurde sich auf die Summe von 108.000 Euro verständigt. Die Mieteinnahmen, die die Stadt mit dem Objekt bislang jährlich generieren konnte, beliefen sich laut Bernd Klotz, stellvertretender Fachbereichsleiter Bau bei der Stadt Annaberg-Buchholz, auf 8820 Euro.
Bindefrist abgelaufen
Dass etwa 1906 errichtete Gebäude, in dem momentan zwei Familien wohnen, sei in den Jahren 1998/99 in Regie der Kreisstadt letztmalig umfassend saniert worden. Konkret seien damals zirka 94.000 Euro in das Objekt geflossen, sagte Klotz. Weil diese Summe eine staatliche Bezuschussung beinhaltete, ging damit eine Fördermittelbindefrist einher. Somit war ein Verkauf bislang nicht möglich. "Im Juni dieses Jahres ist diese Frist allerdings abgelaufen", erläuterte Klotz.
Stadtrat Frank Dahms (Die Linke) forderte, in den Kaufvertrag eine sogenannte Mehrerlösklausel aufzunehmen. Diese käme zur Anwendung, falls das Anwesen zu einem höheren Preis weiterveräußert werden sollte, als ihn die Stadt jetzt auf Grundlage des Verkehrswertes erzielt hat. In einem solchen Fall könnte die Kreisstadt die Differenz einfordern.
65.000 Euro Reparaturrückstau
CDU-Rat Thomas Siegel bezeichnete diese Forderung von Dahms in diesem betreffenden Fall als "absoluten Quatsch". "Bei dem Objekt gibt es einen Reparaturrückstau in Höhe von rund 65.000 Euro, wie wir gerade gehört haben. Sollte der Käufer diesen durch entsprechende Investitionen beseitigen und dann das Haus weiterverkaufen, können wir ihm nicht 65.000 Euro abverlangen, nur weil er vielleicht einen Mehrerlös in dieser Höhe erzielt hat", argumentierte Siegel. Jürgen Förster (Bürgerforum) unterstützte dennoch den Antrag von Dahms. "Das Grundstück in Königswalde ist so etwas wie unser letztes Filetstück. Da sollten wir schon eine Art Antispekulationsklausel in den Vertrag einbringen", forderte Förster. Die Mehrheit des Rates sah dafür allerdings keine Notwendigkeit und lehnte den Antrag von Dahms ab.


