Der Bahnhof in Wiesa steht seit mehreren Jahren leer. Jetzt ist er von einer Firma ersteigert worden, die sich auf Gebäude zu Schnäppchenpreisen spezialisiert hat.
Foto: Brigitte Streek
Schlussverkauf für zwei erzgebirgische Bahnhöfe
Gebäude in Wiesa und Wiesenbad sind in diesem Jahr unter den Hammer gekommen
Thermalbad Wiesenbad. Auf den ersten Blick wirkt es wie beim Monopoly-Spielen: Das Unternehmen Zweite-Hand-Haus kauft Bahnhöfe. Viele Bahnhöfe. Und zwei davon befinden sich im Erzgebirge: Derzeit sind das ehemalige Bahngebäude in Wiesenbad sowie der Bahnhof Schönfeld-Wiesa im Besitz der Firma aus Magdeburgerforth in Sachsen-Anhalt. Die Zweite-Hand-Haus GmbH hat sie in diesem Jahr ersteigert - genauso wie andere Gebäude, die scheinbar keiner mehr will.
"Wir beziehen unsere Immobilien aus Zwangsversteigerungen, Nachlässen, Privatpersonen, von Insolvenzverwaltern und Banken sowie von Firmen und ähnlichen Quellen, von denen wir teilweise ganze Immobilienpakete einkaufen", heißt es auf der Internetseite des Unternehmens. Deshalb sei es möglich, besonders günstige Preise anzubieten - ähnlich dem Prinzip der Sonderpostenmärkte.
"Allerdings gehört schon Erfahrung dazu", betont Geschäftsführer Rolf Czapiewski. Gerade bei Auktionen kaufe man nämlich die Katze im Sack. "Man kann nicht vorher reingucken, kauft vom Foto weg - auf die Gefahr hin, dass man nachher Unsummen investieren muss", erklärt Czapiewski. Zwar gebe es bei den Versteigerungen Gutachten zu Objekten, aber die seien für Laien sprachlich häufig schwer zu durchschauen. Oft genug habe er erlebt, dass Auktions-Käufer später vom Zustand ihrer neuen Immobilien entsetzt gewesen seien, erzählt der Geschäftsführer. Auch ihm sei das schon passiert. Allerdings nicht mit den Bahnhöfen in Wiesa und Wiesenbad. "Das sind beides sehr schöne Objekte", ist Czapiewski überzeugt.
Obwohl die Immobilien als Funktionsgebäude nicht unbedingt klassische Wohnhäuser sind. Die beiden ehemaligen Bahnhöfe liegen immerhin direkt an der Strecke der Erzgebirgsbahn - auch wenn der Einstieg in den Zug nur noch in Wiesenbad möglich ist. "Der Grundriss ist auch speziell: Ein einstiger Fahrkartenschalter-Raum eignet sich eben nicht sofort als Wohnung", gibt der Geschäftsführer zu.
Trotzdem: Die Erfahrung zeige, dass es dennoch Interessenten gebe. Zum Beispiel sei der Ex-Bahnhof Wiesa mit seinem großen Empfangsbereich mit Wartesaal im Erdgeschoss und vier Wohnungen im Obergeschoss geeignet für Großfamilien. "Oft sind es Leute, die aus Gegenden kommen, wo der Wohnraum sehr teuer ist. Die richten sich die Gebäude dann her", erzählt Czapiewski. Er habe in den vergangenen zehn Jahren bereits rund 350 solcher Objekte verkauft. "Und die wenigsten lassen die Häuser dann einfach stehen, sodass sie vergammeln", sagt er. Auch für den Wiesaer Bahnhof gebe es Interessenten - sogar aus dem Ort. Das Wiesenbader Pendant habe er hingegen erst vor wenigen Monaten erstanden und noch nicht zum Verkauf angeboten. Doch Czapiewski ist sich sicher, dass er auch dafür Käufer findet.


