Stockbrotbacken am Lagerfeuer: Auch das gehörte zum Kunst- und Handwerkerweihnachtsmarkt an und in der Galerie an der Rathausstraße in Lauter.
Stockbrotbacken am Lagerfeuer: Auch das gehörte zum Kunst- und Handwerkerweihnachtsmarkt an und in der Galerie an der Rathausstraße in Lauter.

Foto: Publicpix

Adventsruhepol bietet Nachbarschaftsflair

Weihnachtsmarkt an und in der Galerie an der Rathausstraße in Lauter längst kein Geheimtipp mehr

Lauter. Im Hinterhof herrscht ein dichtes Gedränge. Menschen kommen und gehen, bleiben bisweilen unvermittelt stehen, um einen kurzen Plausch mit Bekannten zu halten. Geduld ist gefragt und Eile fehl am Platz. Während die einen seelenruhig in den Auslagen der Händler stöbern, scharen sich andere in kleinen Grüppchen ums Lagerfeuer und genießen einen Glühwein. Oder sie schauen Dorfschmied Jens Müller bei seiner Arbeit mit heißen Eisen über die Schultern. In der Galerie an der Rathausstraße in Lauter sieht es ähnlich aus: Es wird gefilzt, genäht, geschnackt und geplaudert.

Nur eine kommt nicht zur Ruhe: Inhaberin Jana Peschke, die von hier nach da und wieder zurück eilt, um für Nachschub an Heißgetränken oder neue Tassen zu sorgen. Bei allem Trubel wirkt sie zufrieden. "Ich hätte nie gedacht, dass trotz des wechselhaften Wetters so viele Leute kommen", sagt die Galerie- und Kneipenchefin, die bei ihrem speziellen Markt voll und ganz auf einheimische Künstler und Handwerker setzt. "Wir wollen eine Ergänzung und Bereicherung neben dem normalen Weihnachtsmarkt sein." Den gab es am Samstag in Lauter auch - bestens besucht. Wie jener in und an der Galerie. Denn beide Angebote, so scheint es, ergänzen sich.

Den hellbraunen, kleineren Teddy mit den schwarzen Knopfaugen oder doch lieber den etwas größeren Bär mit grauem Fell und roter Nase? Das Mädchen überlegt angestrengt, atmet tief durch, schaut beide noch einmal prüfend an - und klemmt schließlich Kandidat Nummer 1 unter den Arm. Doreen Süß schmunzelt und freut sich, dass ein weiterer ihrer Teddys ein neues Zuhause gefunden hat.

"Vor fünf Jahren habe ich die ersten Exemplare für meine Kinder gefertigt. Mit der Zeit kamen immer mehr dazu", so die Frau aus Lauter, die als selbstständige Malerin und Raumgestalterin ihre Brötchen verdient. "Die Bären sind Hobby, und jeder von ihnen ist ein Unikat", sagt Doreen Süß, die es kurzfristig auf den Galerie-Markt verschlug. "Ich wurde gefragt, weil jemand abgesprungen war." Bereut hat sie den Entschluss nicht. "Die Atmosphäre ist toll - ganz anders als auf anderen Weihnachtsmärkten." Zwar sei der Raum sehr eng. Zumal sie ihn mit der Lauterer Druckerei Müller teilen muss, die mit Gästen auf Wunsch kostenlos Karten herstellt. "Aber irgendwie ist das auch gemütlich."

Als Ruhepol zum Ankommen und Genießen empfindet Uta Weidauer den Markt an und in der Galerie. Sie betreibt in Aue eine Logopädie-Praxis, bietet in ihrer Heimatstadt Keramiksachen und Kinderkleider an. "Solche Dinge gehören zu meinem Beruf", sagt die Lautererin, die das Schneidern eher locker angeht. "Ich nehme Stoff und Schere und schaue, was draus wird." Zu kleinen Preisen decken sich bei ihr Besucher mit Präsenten ein. Das Lächeln von Uta Weidauer gibt es stets gratis dazu. "Ich finde das Konzept des Markts schön. Es fördert die Gemeinschaft und Geselligkeit. Man hat Gelegenheit, in Ruhe miteinander zu schwatzen, anzukommen und zu genießen." Das komme in der stressigen Vorweihnachtszeit oft zu kurz. "Hier ist das anders."

Antje Henkel-Ludwig und ihr Mann Holm Ludwig zeigen ihre Kunst. Ebenso Alexander Woldt, der neu kreierte Holzengel vorstellt. Ute Knauft liest im Gewölbe der Galerie Erzgebirgsgeschichten, diesmal jene vom Prinzenraub. In der Filz- und Nähwerkstatt behalten Christina Pistol und Annemarie Wiesenhütter den Überblick.

Einen wärmeren Platz hätte sich Jacqueline Rumpel gewünscht. Die Floristin vom Lauterer Blumenstübchen "Sonnenhut" wollte mit Kindern Gestecke basteln. "Aber dafür ist es hier draußen zu kalt." Das Treiben in und an der Kunstkneipe als Ruhepol mit Nachbarschaftsflair schätzt sie als tolle Ergänzung zum normalen Weihnachtsmarkt. "Nur die Schule als dritter Anlaufpunkt, wo auch sehr viel vorbereitet worden ist, müsste insgesamt besser eingebunden werden. Das war zum Beispiel in Bernsbach schöner gelöst", so Jacqueline Rumpel.

 
erschienen am 18.12.2011 ( Von Anna Neef )
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