Lena Boeck und Kustos Andreas Massanek (rechts) haben in Freiberg das Fundstück von Peter Schöffler (Mitte) analysiert. Lena Boeck und Kustos Andreas Massanek (rechts) haben in Freiberg das Fundstück von Peter Schöffler (Mitte) analysiert.

Foto: Mineralogische Sammlung

Grüner Brocken stammt nicht aus den Tiefen des Alls

Freiberger Experte: Auffälliger Stein aus Schneeberg ist kein Meteorit

Schneeberg/Freiberg. Die Geschichte war so schön, sie musste eigentlich wahr sein: Nach einer Jahrmillionen langen Reise durch die einsamen Tiefen des Alls tritt ein kleiner Metallklumpen in die Erdatmosphäre ein, zieht einen leuchtenden Schweif über den erzgebirgischen Himmel und landet schließlich auf einer Wiese bei Schneeberg. Dort fand ihn am 10. Januar Grundstückseigentümer Peter Schöffler. Doch Andreas Massanek ist Wissenschaftler, kein Geschichtenerzähler. "Der Brocken ist kein Meteorit", ist sich der Kustos der Mineralogischen Sammlung der Bergakademie Freiberg sicher. Seine Mitarbeiter haben das 172 Gramm schwere Objekt gründlich studiert. "Es handelt sich statt dessen um ein Stück Nickelerz, wie es typisch für die Gegend um Schneeberg ist. Es kommt auch oft auf Halden vor."

Die grüne Farbe stamme von dem Mineral Annabergit, einer Verbindung aus Wasserstoff, Sauerstoff, Nickel und Arsen. "Unter dem Mikroskop haben wir kleine Rauchquarzkristalle entdeckt", so Massanek. "Ein Metall-Meteorit konnte es schon deshalb nicht sein, weil das Stück nicht magnetisch ist."

Bleibt die Frage, wie es auf die Wiese bei Schneeberg gelangt ist. Immerhin kommt Peter Schöffler regelmäßig an der Fundstelle vorbei. Das schöne grüne Gebilde hätte ihm eigentlich schon früher auffallen müssen. Was diesen Punkt angeht, kann Diplom-Mineraloge Massanek nur spekulieren. "Vielleicht hat es extra jemand hingelegt", sagt er. "Ich habe da sch0n die verrücktesten Dinge erlebt." Eine andere Erklärung: Feuchtigkeit ist nach und nach in die Oberfläche eingedrungen. Die Temperaturschwankungen der vergangenen Tage haben dann die oberste Schicht aufplatzen lassen. So wurde an dem ursprünglich eher unauffälligen Brocken die grüne Färbung sichtbar. Dies würde wohl auch erklären, warum rund um das fünf Zentimeter lange Stück kleinere Absplitterungen lagen.

So wurde aus dem kosmischen Boten ein schnödes Stück irdisches Erz. Peter Schöffler will sich mit einer derart banalen Erklärung allerdings nicht ohne weiteres abfinden. "Ich werde mich mit Bergbauexperten beraten", kündigte er an. Sein Hauptkritikpunkt: Die Experten aus Freiberg seien nicht genau genug auf die Fundstelle eingegangen. Im Notfall will er sogar die Säge an seinen vermeintlichen Himmelsstein ran lassen. Bislang wollte er das Stück für eine gründliche Untersuchung eigentlich nicht aufschneiden. Doch wenn es nicht anders geht ... "So schnell gebe ich jedenfalls nicht auf", kündigt der Schneeberger an.

 
erschienen am 25.01.2012 ( Von Gunter Niehus )
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