Museumsleiter Hermann Meinel mit dem Gemälde aus dem Jahre 1975, das die Schachtanlage 366 zeigt.
Foto: Publicpix
In Schlema war's nie richtig Nacht
Wismut-Bilder zeigen oft heroische Kumpel, Museum Uranbergbau hat jetzt Gemälde, das wie kaum ein anderes den Alltag widerspiegelt
Bad Schlema. Es ist Nacht in Schlema und Alberoda. Aber Scheinwerfer auf dem Gelände der 366 und entlang des riesigen Kegels lassen es nie ganz finster werden. Ein Brummi - nur ein kleines Detail auf dem Bild - keucht die Straße zur Abraumhalde hinauf. Er hat Geröll, Schutt und Gestein geladen, das die Kumpel neben dem Uranerz mit aus der Erde geholt haben. Diese Szene stammt aus dem Jahr 1975.
Abgebildet ist sie auf dem Gemälde "Halde und Schacht bei Schlema", das sich jetzt im Besitz des Museums Uranbergbau in dem ehemaligen Bergbauort befindet. "Es spiegelt realistisch wie kaum ein anderes Werk aus unserer Kunstsammlung die Arbeit der Wismut in der Region wider. Das macht es so wertvoll", erklärt Museumsleiter Hermann Meinel.
Die meisten Bilder aus jenen Jahren waren Auftragswerke, malten den Staatsbetrieb häufig in den schönsten Farben. Kumpel mit stählernen Muskeln und lachenden Gesichtern, Funktionäre mit den Bergleuten bei harmonischen Arbeitsberatungen. Aber die Wismut und dieser Beruf waren nicht immer so.
Schacht 366 um 1985. Heute führt der Autobahnzubringer über die Anlage.
Foto: Museum Uranbergbau
Das Gemälde ist ein Geschenk des 1959 geborenen Künstlers Detlef Göschel aus Chemnitz, der damals viele Nächte in der Gegend verbrachte, um das Bild zu malen. Sein Standort befand sich etwa 1,5 Kilometer vom Schacht entfernt. Im Vordergrund sieht man die typischen Wohnhäuser der Bergbaugemeinde Schlema. "Das Fantastische an dem Werk: Es dokumentiert das Alltägliche an der Arbeit der Wismut, das Normale, das wir früher nie so bewusst wahrgenommen haben", beschreibt Meinel.
Nachtaufnahmen von der Wismut gibt es so gut wie keine, obwohl die Kumpel in drei Schichten arbeiten mussten - so war es wie auf dem Gemälde tatsächlich zu keiner Zeit richtig dunkel, weil die riesigen Areale wie der einzelnen Bergwerke ständig beleuchtet werden mussten. Heute führt der Autobahnzubringer zwischen Hartenstein und Aue über das sanierte Schachtgelände 366.


