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Die Entdeckung machten Bergleute eher zufällig - als sie am Schneeberger Weg einer Absenkung auf die Spur gingen.

Foto: Georg Ulrich DostmannBild 1 / 4

Sensationsfund bei Bauarbeiten in Schlema

Bei der Erkundung eines Tagesbruchs im Kurbad Schlema sind Bergleute auf ein riesiges, gut 500 Jahre altes Wasserrad gestoßen. Archäologen sprechen von einem wahren Schatz.

Von Jürgen Freitag
erschienen am 13.05.2017

Bad Schlema. Es tropft. Je tiefer die Bergleute in den Schacht eindringen, desto mehr Wasser bahnt sich seinen Weg. Meter für Meter, Schritt für Schritt geht es auf Leitern hinab. Die Geräusche der Außenwelt beginnen langsam zu verstummen - bis schließlich nichts mehr zu hören ist. Nur ein hohles Tropfen.

Hier, am Rande des Kurparks in Bad Schlema, gut 15 Meter unter der Erdoberfläche, sind Forscher auf etwas gestoßen, das sie nicht weniger als eine Sensation nennen: ein viele Jahrhunderte altes und noch erhaltenes Kehrrad. Dabei handelt es sich um eine Bauform eines Wasserrads, bei dem zwei Reihen Schaufeln in entgegengesetzter Richtung angebracht sind.

Holzfragment um Holzfragment haben Fachleute in den vergangenen Monaten freigelegt - und doch erst weniger als die Hälfte aus dem Schacht geborgen. Den Durchmesser des Kehrrades schätzen die Experten auf gut zwölf Meter. Große Teile stecken noch in den lockeren Gesteinsmassen fest.

Archäologe Matthias Schubert vom Landesamt für Archäologie Sachsen spricht dennoch bereits von einem historischen Fund - auch wegen des relativ gut erhaltenen Zustands des Kehrrads. Durch Untersuchungen des Tannenholzes gelang dem Landesamt der Nachweis, dass es aus der Zeit um 1500 stammen muss. "Damit ist es das älteste noch erhaltene Kehrrad in Deutschland", sagt er. Die Entdeckung sei von europaweiter Bedeutung. "Sie ist wichtig für uns, um die Technik von einst zu verstehen."

Wie viele Funde, so ist auch dieser einem Zufall zu verdanken. Weil sich der Boden an einer Stelle des Schneeberger Wegs in dem Ort Ende 2015 abgesenkt hatte, waren Experten des Sächsischen Oberbergamts gerufen worden. Bei der Suche nach der Ursache für den Tagesbruch drangen sie in die Tiefe vor und stießen schließlich neun Meter unter der Erde auf erste Teile. Michael Kühn vom Oberbergamt beschreibt die Entdeckung als "Pech und Glück" in einem. "Wir haben jetzt mehr Arbeit und Kosten. Aber so etwas zu finden, ist einmalig."

Mit Baggerschaufel und Handarbeit legen Bergleute gemeinsam mit Archäologen seit Monaten das Rad frei - inzwischen ist man auf Höhe der Radwelle angekommen. Erst vor Kurzem ist ein 80 Kilo schweres Fragment des Radkranzes mit Seilwinde und Förderkorb gehoben und nach Dresden in eine Werkstatt gebracht worden. Dort wird es nun wie alle Fragmente fotografiert, vom Schlamm gereinigt, dokumentiert, gescannt und später mit einer chemischen Lösung konserviert. Ziel sei es, sagt Schubert, das Rad später einmal auszustellen.

Welche Funktion es einst hatte und wieso es verloren ging, lässt die Forscher derweil ratlos zurück. Vermutet wird, dass es beim Abbau von Kupfer und Silber zum Einsatz kam und bei einem Hochwasser im Jahr 1511 von Erdmassen verschüttet wurde. Glück im Unglück: Der luftdichte Abschluss und das feuchte Klima unter Tage führten dazu, dass das Kehrrad die vielen Jahrhunderte überstand.

 
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