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Staatsanwalt: Angeklagte schoben sich Geld hin und her
Geflecht aus Anwälten und Unternehmensberatern hat Baugesellschaft gemolken wie eine Kuh
Aue. Es habe ihnen ganz einfach Spaß gemacht, Geld zu verdienen, sagte Unternehmensberater K. Der Richter hatte ihn gerade gefragt, ob er denn damals überhaupt kein Unrechtsbewusstsein gehabt hätte. Damals - damit meint der Richter die Zeit zwischen 1998 und 2005, als ein kompliziertes und für Außenstehende undurchsichtiges Geflecht aus Anwälten und Unternehmensberatern, zu denen auch Verwandte gehörten, die Baugesellschaft Aue, an der die Stadt mit zwei Dritteln beteiligt war, gemolken hat wie eine Kuh. Die Staatsanwaltschaft geht inzwischen von 2,5 Millionen Euro aus, die dem Unternehmen auf kriminelle Art entzogen wurden. Im Moment läuft vor dem Landgericht in Zwickau der zweite Prozess in dieser Sache. Der Unternehmensberater, dem das Geldverdienen damals so viel Spaß gemacht hat, sagte am Dienstag dieser Woche als Kronzeuge aus. Vor zwei Jahren war er als Angeklagter mit einer Bewährungsstrafe davongekommen, obwohl er zu den Köpfen der Bande gehört hatte.
Auf der Anklagebank sitzen diesmal die Rechtsanwälte K. und R., die der Beihilfe zur Untreue angeklagt sind. Zwei Akteure in einem Wirtschaftskrimi, in dem es nur so vor Dreistheit strotzte. Das Amtsgericht Chemnitz hatte den erwähnten Unternehmensberater und dazu Rechtsanwalt G. 1998 zu Notliquidatoren für die Baugesellschaft Aue eingesetzt. Ein fataler Fehler, denn offenbar hatten die beiden nie im Sinn, ihre Aufgabe zu erfüllen. An Honorarkosten strichen sie sich - so geht es aus der Anklageschrift hervor - in diesen Jahren rund 600.000 Euro ein. Gemessen an der damals marktüblichen Vergütung hätte ihr Honorar nur rund 100.000 Euro betragen dürfen. Aber sie konnten als Liquidatoren schalten und walten wie sie wollten.
Doch das war ihnen noch zu wenig. Ein Filetstück der Baugesellschaft - eine Häuserzeile in der Hubertusstraße - verkauften sie für rund 700.000 Euro. Allerdings an sich selbst - über eine extra dafür gegründete Firma. Ein anderer Interessent hatte 900.000 Euro geboten und kam natürlich nicht zum Zug. Die beiden Rechtsanwälte, die jetzt auf der Anklagebank sitzen, sollen in anderen Dingen als eine Art Strohmänner fungiert haben. Anstatt selbst die Arbeit zu machen, engagierten die beiden Liquidatoren Rechtsanwalt K. und zahlten ihm einen Stundensatz von 125 Euro, zusammen rund 100.000 Euro in drei Jahren. Natürlich floss das Geld über Umwege an die beiden Köpfe der Bande zurück. Auch Rechtsanwalt R. wurde offenbar angeheuert. Er durfte Rechnungen an die von K. und G. betreute Baugesellschaft für Beratungen schicken, die es nie gegeben haben soll. Er kassierte fast 500.000 Euro - das Geld landete auf dem Konto der Lebensgefährtin eines der beiden Drahtzieher, so der Staatsanwalt. Der Prozess geht am Montag weiter. Mit dem Urteil ist erst im Dezember zu rechnen.


