Das historische Foto zeigt das Auer Bahnhofsgelände. Hier befand sich auch die sogenannte Zeche 20. Von der Güterhalle fuhren die Züge mit dem Uranerz in die Sowjetunion.
Foto: Archiv Günter Meyer
Wismut reißt Uranerz-Umschlagplatz in Aue ab
Areal des alten Verladebahnhofs soll dekontaminiert werden
Aue. Es ist ein abenteuerlicher Transport. Die Laster, die sich langsam durch die Stadt schlängeln und von sowjetischen Soldaten bewacht werden, haben Uranerz auf ihrer Ladefläche. Jeder sechs bis acht Tonnen. Die gefährliche Fracht - sie befindet sich in Kübeln aus Pappe.
So spielte sich in den Jahren um 1960 der Transport des radioaktiven Materials, das aus den Gruben des Erzgebirges und Thüringens geholt wurde, zum Güterbahnhof in Aue ab. Diese Verladestation trug damals den Namen Zeche 20 - von hier aus wurde das Erz mit Zügen, die aus 30 bis 35 Waggons bestanden, einmal in der Woche in die Sowjetunion geschafft.
Bis heute verschandeln die Überreste der Zeche unterhalb der Bahnhofsbrücke, eine alte Rampe und eine verfallene Güterhalle, das Stadtbild von Aue. In dieser Woche hat die Wismut endlich mit der Sanierung eines 6000 Quadratmeter großen Gleisareals begonnen. "Dieses Gebiet im jetzigen Zustand ist kein schönes Aushängeschild für unsere Stadt", freut sich auch Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU) über den Beginn der Sanierungs- und Abrissarbeiten.
Eigentümerin des Grundstückes ist heute zwar die Deutsche Bahn. Aber die Wismut ist verantwortlich für den radioaktiv belasteten Teil der Fläche. Denn damals in den wilden Jahren des Bergbaus war nicht nur der Transport des Uranerzes zur Zeche 20 ein gefährliches Abenteuer. Auch die Verladung der Pappkübel in die zur Abreise in die Sowjetunion bereitgestellten Waggons galt als riskantes Unterfangen. Das Erz mit einem Urananteil von bis zu drei Prozent kam, nachdem es in der nahen Zeche 50 auf dem Brünlasberg gebrochen und zerkleinert worden war, fein gemahlen in den Pappkübeln auf dem Güterbahnhof an.
So trostlos sieht der Güterbahnhof heute aus. Die Fläche wurde bei der Verladung des Uranerzes radioaktiv belastet.
Foto: Lars Rosenkranz
Die Kübel wurden von den zeitweise 50 Arbeitern im Zweischichtbetrieb vierfach übereinandergestapelt und schließlich über eine Rampe in die Güterwagen bugsiert. "Bei der Verladung sind immer wieder feine Teilchen in das Schottergleisbett der Bahn gerieselt", erklärt Wismut-Projektleiter Michael Hüttl. So gilt das Gelände auch heute noch als kontaminiert, auch wenn die Strahlung als gering eingeschätzt wird.
Früher war das Gebiet von einem elektronisch gesicherten Betonzaun umgeben. Jetzt wirkt alles ein klein wenig wie ein verlodderter Abenteuerspielplatz. Die alte Güterhalle ist mit Graffiti beschmiert, die Türen sind vernagelt, Scheiben eingeschlagen, aus dem Boden schießen meterhoch Unkraut und Sträucher. Das ist das trostlose Bild, das von einem ehemals strategisch wichtigen Knotenpunkt der Wismut geblieben ist.
"Bald wird man hier überhaupt nichts mehr von uns sehen", verspricht Michael Hüttl. Er steht unter dem Dach der alten Güterhalle auf einer Rampe, von der aus einst die Pappkübel in die Waggons geladen und in Richtung Osten geschickt wurden. Inzwischen haben die Arbeiter begonnen, die verwilderten Sträucher und Bäume auf dem Gelände zu roden. Bis Oktober sollen die kontaminierte Erde ausgeschachtet und die verstrahlten Mauern abgerissen werden. Insgesamt 7000 Kubikmeter. Sie landen auf der Halde 371 in Hartenstein. 500.000 Euro kostet das Projekt. Die Stadt will das dekontaminierte Grundstück kaufen und ein Gewerbegebiet auf ihm errichten.


