Flugleiter Warten auf ein Flugzeug: Andreas Wabschke (vorn) und Janko Uhlmann, beide Flugleiter auf dem Jahnsdorfer Verkehrslandeplatz.

Foto: A. Tannert

Auch 2012 keine Flugplatz-Investitionen

Neuer Hangar oder längere Landebahn liegen trotz intensiverer Nutzung weiter auf Eis

Jahnsdorf. Auf dem Verkehrslandeplatz in Jahnsdorf sind im vergangenen Jahr 9775 Flugzeuge gestartet und gelandet. Dies ist ein neuer Rekord. Im Jahr zuvor wurden noch knapp 7000 dieser Flugbewegungen gezählt, so das Landratsamt des Erzgebirgskreises auf Anfrage von "Freie Presse". Die Behörde ist neben der Stadt Chemnitz einer der beiden Gesellschafter der Verkehrslandeplatz Chemnitz-Jahnsdorf GmbH.

Gleichwohl sind einst diskutierte Investitionen weiter auf Eis gelegt, so Sprecherin Katja Peter vom Landratsamt. "Im Wirtschaftsplan 2012 sind selbige nicht vorgesehen und derzeit mittelfristig auch nicht geplant." So waren in der Vergangenheit neben einem neuen Hangar auch die Verlängerung der Start- und Landebahn von derzeit 900 auf 1200 Meter im Gespräch.

287.700 Euro an Zuschüssen

Doch die Gesellschafter müssen aus ihrer Sicht auch so schon tief genug in die Tasche greifen - für einen lebensfähigen Flughafen. Laut Landratsamt beträgt die Zuschusshöhe der Stadt Chemnitz (Gesellschafteranteil 52 Prozent) und des Erzgebirgskreises (48 Prozent) für das Jahr 2012 zusammen 287.700 Euro. Der Betrag ist gleich dem Vorjahr. Inwieweit der neue Rekord aus 2011 bei Starts- und Landungen und die damit verbundenen Mehreinnahmen die Zuschüsse für die Gesellschafter drosseln, ist noch unklar. Laut Flughafen-Geschäftsführer Matthias Fahrhöfer werden derzeit die Dezemberzahlen bei der buchführenden Kanzlei ins Jahresergebnis eingearbeitet und der Jahresabschluss erstellt. Erst nach erfolgter Wirtschaftsprüfung würden exakte Zahlen vorliegen. In der jüngeren Vergangenheit betrug der Kostendeckungsgrad - also der selbst erwirtschaftete Anteil des Flughafens am Gesamtbudget - etwa 16 Prozent.

Gesellschafter wollten Austritt

Generell ist der Flugplatz in Jahnsdorf den Gesellschaftern mittlerweile unlieb. Beide hatten sich einst gegenseitig ihre Anteile zum Verkauf angeboten - ohne Erfolg. Wegen der gezahlten Landes-Fördergelder für den Bau des Verkehrslandeplatzes verhindern sogenannte Zweckbindungsfristen von bis zu 25 Jahren, die seit Eröffnung der Einrichtung 2006 gelten, zudem de facto eine Auflösung der Gesellschaft. Bereits vor einem Jahr schrieb der damalige Chemnitzer Stadtkämmerer Detlef Nonnen in einem vertraulichen Brief: "Im diesem Falle ist mit der Rückforderung der gewährten Zuschüsse zu rechnen, die sich aktuell - ohne Nachförderung - auf 5.635.714 Euro€ belaufen." Neben der Rückforderung der Fördermittel dürfte eventuell auch noch das Finanzamt bezüglich gezogener Vorsteuern Ansprüche geltend machen.

Schon seit Jahren kritisieren die Grünen das Prozedere hinsichtlich der sächsischen Verkehrslandeplätzen. So gebe es im Freistaat neben den Flughäfen Dresden und Leipzig/Halle noch 21 Verkehrs- und Sonderlandeplätze. Einige davon seien im vergangenen Jahrzehnt mit öffentlichen Fördermitteln ausgebaut worden. Die Kritik der Grünen: Im Luftverkehrskonzept für Mitteldeutschland vereinbarten Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt, dass der Luftverkehr seine Kosten ohne dauerhafte öffentliche Betriebskostenzuschüsse selbst zu tragen hat und die Flugplatzbetreiber diese Kosten bei den Nutzern erwirtschaften müssen. Dem hielt Nonnen in seinem Schreiben entgegen: "Landeplätze dienen der Bereitstellung von Infrastruktur und können in der Regel nicht kostendeckend betrieben werden." Sie seien dauerhaft auf Zuschüsse angewiesen.

 
erschienen am 06.01.2012 ( Von Jan Oechsner )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
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  • 07.01.2012
    01:17 Uhr

    ThorstenS: Jedes Jahr das gleiche Gemotze der Grünen gegen die Flugplätze. Die sollten sich lieber um Sachen kümmern, von denen sie etwas verstehen, falls es da überhaupt etwas geben sollte.
    Wer käme auf die Idee, das deutsche Straßennetz müßte kostendeckend betrieben werden, aber bei den kleineren Flugplätzen wird das immer gefordert. Liebe Grüne, es gibt da einen sehr schönen Ausspruch: Ein Kilometer Straße (oder für euch auch Schiene) führt nirgendwo hin, ein Kilometer Landebahn verbindet die Welt!

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