Ein trauriger Anblick: Das Hauptgebäude des ehemaligen Neustädtler Bahnhofs verfällt zusehends. Ein trauriger Anblick: Das Hauptgebäude des ehemaligen Neustädtler Bahnhofs verfällt zusehends.

Foto: Publicpix

Für Neustädtler Bahnhof scheint Zug abgefahren

Zukunft des alten Gebäudes ungewiss

Schneeberg. Es hat viele Jahre auf dem Buckel und sticht nach wie vor ins Auge: das alte Bahnhofsgebäude von Neustädtel nahe der Werner-Kempf-Brücke. Erbaut wurde der Komplex im 19. Jahrhundert, als die ehemalige Bahnlinie von Schneeberg nach Schlema ihre Blütezeit erlebte. Und nun? Das Haus verfällt zusehends.

Zuletzt gehörte es einem Bauunternehmer, dessen Firma 1994 Insolvenz anmeldete. Drei Jahre später starb der Chef. Seither verwahrlost das Anwesen mehr und mehr. Es gab zwar immer wieder Ideen, wie das Areal belebt werden könnte. Imposante Projekte sollten dem alten Gemäuer zu neuem Glanz verhelfen - allein es blieb bei Gedankenspielereien. Ruhe herrscht deswegen auf dem Gelände aber keineswegs, wie Nachbarn berichten. Lutz Görner: "Man merkt schon, dass es Versuche gibt, eine Lösung für das Bauwerk zu finden. Das ist auch nötig." Denn nachts würden sich oft Jugendliche auf dem Areal tummeln. Neben dem Lärm ist das auch heikel - aufgrund von Einsturzgefahr.

In der jüngeren Vergangenheit gab es zum Beispiel die Idee, im alten Bahnhofsgebäude von Neustädtel das Archiv unterzubringen oder den Bauhof dort anzusiedeln. Beides jedoch verlief 2010 im Sand, da die Kosten für die notwendige, umfangreiche Sanierung zu hoch gewesen wären. Als neues Stadtarchiv soll nun die ehemalige Diesterwegschule in Schneeberg dienen. "Von vornherein ist klar gewesen, dass wir ein zweites Verwaltungsgebäude benötigen. Die Option, dass es der Neustädtler Bahnhof werden könnte, war auch im Gespräch", sagt Steffen Schmidt, Leiter des Schneeberger Bauamts. "Aber aufgrund des maroden Zustands haben wir das verworfen."

Tatsächlich bietet das alte Bauwerk inzwischen einen eher traurigen Anblick. Zerbrochene Fenster, kaputte Dielen und demolierte Türen sind nur einige der Dinge, die eine Sanierung teuer machen. Das schreckt wohl auch Investoren ab. "Es ist nicht leicht, jemanden zu finden, der so viel Geld aufbringt, um ein altes Gebäude wieder herzurichten", sagt Schmidt. "Dennoch bleiben wir auch in Zukunft gegenüber Interessenten offen und entwicklungsfreudig - egal, was das heißt."

Der Verwalter des Gebäudes hat jetzt einige Sicherheitsmaßnahmen in die Wege geleitet, um Fremde vom Grundstück fernzuhalten. So wurden Türen mit Vorhängeschlössern versehen und kaputte Fenster abgedeckt - um die Gefahren für die Allgemeinheit zu verringern. Immerhin liegt der Komplex direkt an der Straße. "Ich würde mich über eine Restaurierung freuen. So ein altes Gemäuer hat es verdient", erklärt Anwohner Lutz Görner. Damit steht er nicht alleine da. Vielleicht ist der Zug für den alten Neustädtler Bahnhof ja noch nicht ganz abgefahren. Ob es gelingt, der Immobilie wieder neues Leben einzuhauchen, steht jedoch in den Sternen.

 
erschienen am 01.03.2013 ( Von Michael Heymann )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
2
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  • 04.03.2013
    10:05 Uhr

    Oxymorosky: Tja, der Anblick des Gebäudes auf dem Bild trügt tatsächlich. Äußerlich scheint es noch halbwegs in Ordnung. Im Inneren hat sich jedoch nach der Wende so gut wie nix getan. Die Rückseite des Gebäudes sieht noch sehr viel schlimmer aus. Dort sind Anbauten teilweise eingestürzt.

    Für erhaltenswert halte ich dieses historische Haus allerdings. Schließlich symbolisiert es die "Grenze" zwischen Schneeberg und Neustädtel.

    Es wäre schön, wenn sich irgendwie ein Investor finden würde, jedoch erscheint mir dies recht aussichtslos.

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  • 01.03.2013
    21:51 Uhr

    Ickerbocker: Also man kanns auch übertreiben. Ja das Gebäude steht leer aber es ist noch lange keine solche Ruine wie es in dem Artikel durchscheint. Einen Abriss rechtfertigt der Zustand, so der schein auf dem Bild nicht trügt, auf keinen Fall.

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