Grabungsexperten auf Schloss Hoheneck

Ab März wird das Landesamt für Archäologie das Areal am Frauengefängnis genau untersuchen

Stollberg. Das Wohn- und Wirtschaftsgebäude ist schon weg. Das Kulturhaus auch, ebenso das Mehrzweckgebäude. Und die Garagenkomplexe stehen nur noch teilweise. Die Abrissbagger, seit wenigen Wochen am Schloss Hoheneck im Einsatz, kommen gut voran. Jedoch nur an der Oberfläche. Die Fundamente der bereits abgerissenen Gebäude stehen noch im Erdreich. Hintergrund ist eine Regelung, die meist in solchen Fällen greift: Gehen Baufirmen in die Tiefe, melden die Archäologen Bedarf an und nutzen die Arbeiten in den Baugruben wiederum für ihre Arbeit. So auch auf Hoheneck, bestätigt Thomas Jubelt, Leiter Bauausführung der Stadtverwaltung Stollberg.

Die Zusammenarbeit zwischen Baufirma und Archäologen könnte im März beginnen. Wie lange diese dann dauert, ist dagegen noch ungewiss. Denn niemand weiß, was in der Erde liegt. Sicher ist nur: Die dann beauftragte Baufirma muss mit Unterbrechungen rechnen.

Für die Grabungsexperten sei der alte Standort der Burganlage auf Hoheneck ein "äußerst sensibler Bereich, weil noch wenig von dort aus dem Mittelalter bekannt ist", sagt Christiane Hemker, die für Südwestsachsen zuständige Referatsleiterin des Landesamtes für Archäologie. "Wir werden eine Archäologin hinschicken, die die Bauarbeiten begleitet und beobachtet und bei Bedarf auch die Arbeiten stoppt, wenn sich etwas Interessantes findet."

Anderswo waren die Experten vom Landesamt auch schon erfolgreich. In Döbeln-Gärtitz ist es 2009 im Zuge eines Straßenbaus gelungen, Ausschnitte einer Siedlung der Kugelamphoren-Kultur zu untersuchen. Oder: Nachdem im Jahr 2008 maschinelle Bodenabtragungen zur Erneuerung des Fußbodens der Allerheiligenkirche von Raschau gemeldet und bei einer Begehung angeschnittene Fundamente von Vorgängerbauten beobachtet worden waren, nahm das Landesamt für Archäologie umfangreichere Ausgrabungen vor.

Was mit den freien Flächen auf Hoheneck - nach dem Abriss und den archäologischen Untersuchungen - exakt passiert, ist noch in der Planungsphase. Es werde auf jeden Fall als Übergangslösung eine Grünfläche gestaltet, unter anderem sind auch Parkmöglichkeiten vorgesehen, so Jubelt. Dies alles werde in das Stadtteilkonzept Hoheneck einfließen, welches dem Stollberger Stadtrat noch vorgelegt werden soll. Für den ersten Bauabschnitt - das Abtragen der bereits erwähnten Gebäude über Erde (siehe rote Markierungen auf der obigen Skizze) - hatte die Stadt einen Auftrag in Höhe von 61.000 Euro vergeben. Insgesamt hatten sich 21 Firmen für die Arbeiten beworben.

Die Kosten des zweiten Bauabschnitts - Abriss der restlichen Gebäude sowie der Rückbau der Fundamente aus dem 1. Bauabschnitt (unter erwähnter Beobachtung der Archäologen) - stehen noch nicht fest. "Aber es wird auf jeden Fall teurer, da mehr Arbeit anfällt", erläutert Thomas Jubelt.

 
erschienen am 31.01.2012 ( Von Jan Oechsner )
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