Kinderbetreuung im Erzgebirge vergleichsweise teuer
Innerhalb des Kreises deutliche Unterschiede und Kritik
Königswalde. Die Jungen und Mädchen im Königswalder Kindergarten sind gut drauf. Draußen düsen sie mit ihren Schlitten, drinnen können sie bald im renovierten Turnraum toben. Und auch ihre Eltern dürfen sich freuen: Keine Gemeinde im Landkreis verlangt weniger für einen Platz in Krippe oder Kindergarten.
Zwar sind 131,70 Euro Monatsbeitrag für die Krippe und 77,36 Euro für den Kindergarten für viele Familien immer noch viel Geld. Zahlen des Landratsamts zeigen aber: Woanders müssen Eltern für eine Neun-Stunden-Betreuung bis zu 80Euro mehr zahlen. Erlbach-Kirchberg bei Stollberg verlangt 212,73 beziehungsweise 120,50 Euro; das sind die höchsten Beiträge im Kreis. In der Region Annaberg sind Thum und Thermalbad Wiesenbad Spitzenreiter. Insgesamt liegen die Beiträge in den dortigen Kommunen unter dem Kreisdurchschnitt. Für die Krippe sind sie niedriger als in anderen Erzgebirgsregionen.
Vergleicht man den gesamten Landkreis mit den anderen sächsischen Kreisen, so zeigt sich: Nur Meißen, Zwickau und die Städte Leipzig und Dresden verlangten im Jahr 2010 mehr pro Krippenplatz. Dagegen liegen die Beiträge für Kindergarten und Hort deutlich unter dem sächsischen Durchschnitt.
"Die Beiträge belasten Familien mit geringem Einkommen", kritisiert Marion Fritzsch, SPD-Stadträtin in Marienberg. Zwar gibt es Ermäßigungen für Sozialhilfeberechtigte. Aber Geringverdienern nütze das nichts: "Das Lohnniveau ist bei uns leider nicht sehr hoch." Fritzsch verweist auf Nordrhein-Westfalen, wo sich die Beiträge nach dem Einkommen richten und einige Großstädte gar keine verlangen. "Das wäre vielleicht auch ein Modell für uns. Wenigstens sollten die Kommunen den Spielraum nicht voll ausschöpfen", fordert die Stadträtin.
Dieser Spielraum ist ohnehin klein: Die Gemeinden legen die Beiträge innerhalb einer vorgeschriebenen Spanne fest, je nach Betriebskosten. Dass Eltern mancherorts mehr bezahlen, hat also nichts mit Qualität oder Ausstattung zu tun. Die Fläche pro Kind und die Zahl der Erzieherinnen sind ohnehin vorgeschrieben und für alle gleich. Unterschiede entstehen, weil die Betriebskosten variieren und die Gemeinden ihre Bürger unterschiedlich stark daran beteiligen.
Drebach zum Beispiel hat zum Jahreswechsel die Beiträge erhöht. "Wenn wir das nicht getan hätten, müssten alle Bürger dafür aufkommen", betont Hauptamtsleiterin Kathrin Sieber. "Ich wünsche mir, dass der Freistaat seinen Zuschuss erhöht." In Erlbach-Kirchberg sagt Bürgermeisterin Alexandra Lorenz-Kuniß: "Die Eltern zahlen viel, aber die Gemeinde zahlt noch viel mehr." Nämlich 698 Euro pro Krippenplatz in jedem Monat. "Wir würden uns als Gemeinde mehr Spielraum wünschen bei unseren Finanzen."
Um ihre Ausgaben gering zu halten, können Kommunen nur an den Betriebskosten drehen. In Königswalde, wo die Arbeiterwohlfahrt (AWO) Annaberg/Mittleres Erzgebirge Trägerin ist, sagt Geschäftsführer Jens Gundermann: "Wir sanieren regelmäßig." Außerdem würden nachmittags Gruppen zusammengelegt, damit weniger Räume geheizt werden müssen.
Schönheide hat seine Beiträge in den vergangenen acht Jahren nicht erhöht. Seit 2010 verwaltet die Gemeinde ihre Kindertagesstätten selbst. Für Bürgermeister Kai Wilhelm ein richtiger Schritt: "So haben wir mehr Eingriffsmöglichkeiten, auch bei den Kosten."


