Wohin geht es für Lengefeld? Aus Sicht der Verfasser des Briefes wird der Name der neuen Stadt der fast 500-jährigen Stadtgeschichte Lengefelds nicht gerecht.
Foto: Jan Görner
Bürger aus Pockau und Lengefeld wollen zu Fusion gefragt werden
Zum geplanten Zusammenschluss der Orte regt sich Kritik
Lengefeld/Pockau. In Lengefeld und Pockau regt sich Widerstand gegen die Fusion der beiden Orte, die für 2014 geplant ist. In einem Brief an die beiden Bürgermeister sowie die Mitglieder des Lengefelder Stadt- und des Pockauer Gemeinderats kritisieren knapp 20 Privatleute und Unternehmer aus Pockau und Lengefeld das bisherige Vorgehen und fordern ein Entwicklungskonzept.
Beanstandet wird vor allem, dass "wenige Kommunalpolitiker hinter verschlossenen Türen" diese Fusion ausgehandelt hätten - ohne dass der Wille der Bürger erfragt wurde. Mit Verweis auf das Ende der DDR heißt es: "Wir rechnen uns noch immer zu diesem die demokratischen Spielregeln fordernden Volk, aber man ignoriert uns." Dass die Bürger nur im Nachhinein darüber diskutieren sollen, lehnen die Verfasser ab. "Mit solcher Rückwärtsdemokratie sind wir nicht einverstanden."
Die Absender treten als "Freiheitlich-Demokratisches Bürgerforum Lengefeld-Pockau" auf. Dieses existiere schon länger, nun sei die Arbeit aber intensiver geworden, sagt Joachim Zacher, bei dem die Fäden zusammen laufen. Der 70-Jährige, der auch dem FDP-Ortsverband in Lengefeld vorsteht, betont, dass die Zugehörigkeit zu einer Partei hier keine Rolle spiele. Immer mehr Unterstützer würden sich anschließen.
Neben einer Beteiligung der Bürger durch einen Bürgerentscheid fordern die Verfasser eine andere Entscheidungsgrundlage. Ein Entwicklungskonzept sei nötig, das Punkte wie einen gemeinsamen Haushalt beinhalte. "Es gibt keinen Fahrplan für die künftige Entwicklung, etwa was die Schulen, Kindergärten und Sportstätten betrifft. Es ist nicht zu erkennen, wo das alles hinführen soll", sagt Rico Hartenberger. Auch der Pockauer hat den Brief unterschrieben, in dem der Entwurf des Fusionsvertrags als "irreführend und undemokratisch" bezeichnet wird. Die Auswirkungen einer Fusion würden darin nicht ausreichend vermittelt, heißt es. Das Dokument war jüngst in den Amtsblättern veröffentlicht worden und soll im September bei Einwohnerversammlungen diskutiert werden.
Kritik gibt es auch am Namen Pockau-Lengefeld, der vom Ministerium schon genehmigt worden ist. "Wir achten Leistungen und Fleiß der Einwohner der Gemeinde Pockau. Jedoch wollen wir darauf hinweisen, dass bis zum Jahre 1948 wesentliche Bereiche mit leistungsfähiger Industrie im Ortsteil Marterbüschel noch zur Stadt Lengefeld gehörten", heißt es in dem Schreiben. Eberhard Haase aus Lengefeld, einer der Unterzeichner, ergänzt: "Mit der neuen Stadt Pockau-Lengefeld wird eine Gemeinde zur Stadt erhoben. Alles ringsherum, inklusive Lengefeld mit fast 500 Jahren Stadtrecht, wird zum Ortsteil. Das ist unklar."
Sollten die Vertreter der Orte seinen Forderungen nicht nachkommen, erwägt das Bürgerforum, über ein Bürgerbegehren eine Abstimmung zu erzwingen. "Das Verfahren muss ausgesetzt werden. Erst müssen die Bürger gefragt werden, ob sie das alles überhaupt wollen", so Zacher. Die Chance, dass die geforderten 15 Prozent der Einwohner unterschreiben, schätzt er als gut ein.

