Wolfram Neufeldt überkamen im Tiefen Victoria-Stolln Erinnerungen an Erlebnisse während seiner Kindheit, als er mit anderen Menschen dort Zuflucht vor den Bomben des Zweiten Weltkrieges suchte.
Wolfram Neufeldt überkamen im Tiefen Victoria-Stolln Erinnerungen an Erlebnisse während seiner Kindheit, als er mit anderen Menschen dort Zuflucht vor den Bomben des Zweiten Weltkrieges suchte.

Foto: Jan Görner

Erinnerung an Angst und Karbid ist bis heute geblieben

Tiefer Victoria-Stolln vom Heimatverein Niederlauterstein frei gegeben

Niederlauterstein. Tränen füllen Wolfram Neufeldts Augen. Er steht mitten im Tiefen Victoria-Stolln, den der Heimatverein des Ortes wieder befahrbar gemacht hat und der am Samstag mit einem Fest freigegeben wurde. Er kann sich zwar nicht mehr genau daran erinnern, wie es beim letzten Mal war. Über 68 Jahre ist das her, er selbst war erst fünf Jahre alt. Der Stollen diente als Luftschutzbunker. Erinnerungsfetzen kommen ihm in den Sinn. Noch immer hat er den Karbid-Geruch von damals in der Nase. Er hört das Rauschen der Pockau. Bedrohlich kam dem Jungen der Fluss vor. Über Niederlauterstein dröhnten alliierte Bomberverbände. Wolfram Neufeldt, seine Großeltern und viele andere Menschen suchten Schutz vor der tödlichen Fracht. Er erinnert sich an die Angst. Enge. Stickige Luft. Erst vor Monaten war er dem Tode entronnen. Als Vollwaise kam er aus Königsberg mit seinen Großeltern nach Niederlauterstein, mit nichts als den Kleidern am Leib. Zuflucht fanden sie im so genannten Armenhaus, dem späteren Gemeindeamt.

Wolfram Neufeldt tritt nach draußen und befindet sich wieder in der Gegenwart. Froh ist er darüber, dass ihn die Niederlautersteiner damals aufgenommen haben. Später führte ihn das Schicksal mit seinen Großeltern in den sowjetischen Teil Berlins. Heute lebt er in Köpenick. Niederlauterstein ist ihm bis heute sehr wichtig. Regelmäßig fährt er hin. Dass der Heimatverein den Stollen wieder aufgefahren hat, findet er gut. Schon bei früheren Besuchen versuchte er, den Stolleneingang zu finden. Die Suche blieb jedoch erfolglos. "Die Ruine und den Fluss hatte ich noch als Anhaltspunkt, und trotzdem habe ich ihn nicht sehen können", so der 72-Jährige. Dann hatte ihm ein Einheimischer ein winziges Loch gezeigt.

 
erschienen am 10.06.2012 ( Von Jan Görner )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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